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Die Lofoten, Teil1 Svolvær

Schon der Flug nach Tromsø gleicht im Frühsommer einer arktischen Akklimatisierung. Während mir die Lufthansa auf dem Weg von München nach Oslo mal eben einen „Downgrade“ von -10 Grad Celsius verpasst, legt die SAS auf den folgenden 1.200 Flugkilometern noch eine Schippe drauf und passt die Klimaanlage gleich der Außentemperatur an, so dass ich am Ende ordentlich geschüttelt und wenig gerührt, bei gerade einmal 6 Grad Celsius, das regennasse Rollfeld von Tromsø erreiche.

Nicht viel los hier am Polarkreis, was in Anbetracht der anstehenden Fahrtzeit von über 6 Stunden genau das Richtige zu sein scheint, denn die 432 Kilometer bis zu den Lofoten ziehen sich aufgrund diverser Geschwindigkeitsbeschränkungen (Tempo 60, 90, 60) und Blitzer-Paraden (gefühlt alle 30 Kilometer) ordentlich in die Länge. Und wenn du glaubst, du hast sie alle ausgetrickst, lauert irgendwo in einem finsteren Tunnel ein Norweger, greift zur Kamera und füllt mit deinem Konterfei den Instagram-Account der örtlichen „Politi“. Sei es drum, es war zumindest die einzig trockene Passage auf dem Weg nach Svolvær, der mit 4.500 Einwohnern größten Menschenansammlung auf den Lofoten. Gegen 21 Uhr stelle ich mein Fahrzeug einigermaßen frustriert ab, will gerade meinen Regen-Fluch ausstoßen, als die Sonne durch die Wolkenschicht grinst und ein Licht wie zur besten Mittagszeit auf die pittoreske Hafenszenerie zaubert.

Im Zentrum dieser nicht mehr für möglich gehaltenen Fata Morgana, steht an vorderster Front das Lofoten Suite Hotel, dessen moderne „Holz-trift-Glas-Fassade“ spektakuläre Aussichten auf den Hafen und die umliegenden Gipfel verspricht.

Also nichts wie rein, denn am Empfang wartet schon die wunderbare Kirsti, die mich sogleich mit der Key Card einer knapp 70 qm großen 2-Zimmer-Suite mit Wohn- und Essbereich ausstattet. Nur die Aussicht zählt und so haben die Architekten des Suite Hotels nicht nur auf lässige Balkons gesetzt, sondern gleich mal alle Außenwände weggelassen und mit Glas aufgefüllt. Das ist einfach grandios, auch wenn es bei 24 Stunden Helligkeit nicht gänzlich abzudunkeln ist.

„Hunger?“ fragt mich Kirsti, worauf ich nur noch müde nicken kann. „Burger?“ legt Kirsti nach und meine Mundwinkel zeigen erste Risse. „Bester Burger der Lofoten?“ Ich bin zurück im Spiel, denn was das Bacalao vom Grill auf den Teller zaubert, ist nicht nur aller Ehre wert, sondern schlägt manch American Diner noch um Längen.

Der letzte Eindruck eines Tages zählt, so dass man stets darauf achten sollte, in welcher Gemütslage der innere Winnetou in den Sonnenuntergang reitet. Und natürlich was dann anschließend auf dem Lagerfeuer landet.

Nichts kann den besten Tag aller Zeiten jetzt noch aufhalten und so ist die Nacht bereits um 5.40 Uhr Geschichte, schließlich wollen wir in Anbetracht von 24 Sonnenstunden erst gar keinen Schlendrian aufkommen lassen und kutschieren gleich mal ins malerische Fischerdorf Henningsvær.

Der Ort ist eine Lofoten-Siedlung wie aus dem Bilderbuch mit seinen roten Fischerhütten, den netten Restaurants, Cafés und brav in der Sonne trocknenden Stockfischen, die der ganzen Gegend ihren eigenwilligen Geruchsstempel aufdrücken. Überall hängen Kabeljau, Seelachs oder Schellfisch kopfüber an den Schwänzen zusammengebunden auf einem Holzgestell und werden wie die Mumien in Palermo konserviert.

Sieht aus wie Fledermaus, riecht ähnlich, schmeckt am Ende aber deutlich besser, denn der ausgedörrte Stockfisch gewinnt nach einem 5-tägigen-Kältebad deutlich an Volumen und landet ungeniert auf jeder ordentlichen Speisekarte. Besonders malerisch trocknen die Fische um den berühmten Sportplatz von Henningsvær, wo sich gerade eine Schulklasse am schönen Wetter erfreut und den Kunstrasen für allerlei Unsinn wie Stelzenlauf, Fang den Ball oder Gummi-Diskus-Wurf missbraucht.

Für den perfekten Instagram-Schuss hat man besser eine Drohne im Gepäck, denn vom Leuchtturm-Hügelchen lässt sich leider nur eine handelsübliche Postkarte einer wunderschönen Landschaft knipsen. Nichts jedoch, um Freund und Feind nervös zu machen. Wer auf die Überbleibsel der Graffitis von Dolk und Pøbel steht, der wird in Henningsvær zum einen im Hafen (großer Tank) und zum zweiten auf der Toilette der Kaviar Factory fündig. Das kleine Museum of Modern Art beherbergt bei wechselnden Ausstellungen etwa 32 Kunstwerke, die auf 2 Ebenen bewundert werden können.

Ähnlich kunstvoll ist hier nur noch der Carrot Cake im Lysstoperi og Café, der zum Besten gehört, was je gebacken und anschließend im freien Handel angeboten wurde. Sensationell!

Während die Gegend um Svolvær schon ordentlich Lust auf großes Landschaftskino macht, wird ab Henningsvær mal so richtig am großen Rad der Superlative gedreht. Perfekte Strände mit türkisfarbenem Meer gibt es am Rorvikstranda und besonders leuchtintensiv auf dem Küstenabschnitt der Valbergsveien mit der offiziellen Nummer 815, die von der Hauptstraße E10 abzweigt und direkt nach Valberg führt.

Typisch norwegische Kirchen oder auch Kathedralen gibt es in Kortvika oder bei Leknes (Buksnes kirke) und das ultimative Insel-Panorama auf dem Dach Norwegens, der Ballstadheia.

Doch bevor ich da hoch gehe, wartet noch mindestens eine Zimtschnecke im Café Sans Og Samling in Leknes auf mich, die hier leicht erwärmt serviert werden und als kulinarische Stärkung für den anstehenden Aufstieg unabdingbar sind. Dann ist es endlich soweit und es geht ans Ende der Straße ins 10 Kilometer entfernte Ballstad, wo angeblich der Trail zur berühmten Ballstadheia startet. Intuitiv zu finden ist dieser Weg jedenfalls nicht, so dass mir eine junge „Ballstaderin“ mit zwei Routenvorschlägen zur Hilfe eilt. „Hinter diesem Haus beginnt Variante 1 mit dem steilen Anstieg über die Moosflanken hinauf zur Hochebene“ erklärt sie selbstbewusst und blickt recht schief auf meine bunt zusammengekaufte Wanderkluft. „Ja. Und Variante 2?“ frage ich hoffnungsvoll. „Die ist noch steiler und geht 100 Meter weiter südlich im 60-Grad-Winkel nach oben. Die nimmst du besser auf dem Rückweg“. Klingt besser.

Und so gewinne ich schnell an Höhe und hüte mich vor dem Blick nach unten, denn Wanderwege in Norwegen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht ausgezeichnet und gespurt sind, direkt und unmittelbar nach oben und stets über rutschiges Moos führen.

Doch nach rund 40 Minuten erreiche ich bereits die Hochebene, blicke selbstzufrieden auf die zerrissene Fjordlandschaft der bunten Häuser von Ballstad und sende das Foto an einen Freund im heimischen München. Statt dem erwarteten Applaus-Emoji ernte ich lediglich einen „Höher. Du musst höher“ Kommentar, so dass ich in den nächsten 120 Minuten sämtliche Gipfel dieser einzigartigen Ebene erklimme und aus dem Staunen nicht mehr herauskomme.

Man ist alleine mit sich und der Natur und am Ende heilfroh über die fehlende Infrastruktur. Keine Hütte in der Helene Fischer atemlos herumträllert, keine Gondel die dir die ersten Höhenmeter abnimmt, keine Markierung die dich in deine Schranken weist. Die Norweger besitzen hoch im Norden ein unglaubliches Landschaftsmonster mit Namen Lofoten und wer einen sogenannten „epic day“ mit viel Sonnenschein erwischt, der wird mit Haut und Haaren ein Opfer dieser Naturkulisse.

Es ist bereits 20 Uhr und ich stehe immer noch auf dem Berg und bin damit nicht der Einzige. Viele Wanderer kommen erst jetzt nach oben und genießen die warmen Strahlen der Mitternachtssonne. Die zackigen Felsen der Gipfelwelt rund um die Ballstadheia wirken dabei wie eine wilde Mischung aus Torres del Paine in Chile, der hawaiianischen Napali Küste und den saftig grünen Hügeln Neuseelands. Es wird Zeit Abschied zu nehmen, um über die etwas steilere Variante 2 zurück nach Ballstad zu gelangen, denn schließlich wartet noch ein exzellent gegrillter Stockfisch im Restaurant Du Verden von Svolvær auf mich.

Wenn ich den perfekten Tag malen müsste, dann wäre es dieser. Wenn ich die dazugehörige Unterkunft wählen sollte, dann wäre es sicher das Lofoten Suite Hotel in Svolvær.

Weiter geht es mit den Lofoten in meinem Bericht über Reine.

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung des Lofoten Suite Hotel in Svolvær.

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