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Torres del Paine, Chile

Wie weiße Luftballons an einer Schnur, hängen die Wolken über der einsamen Tundra, als die Maschine in El Calafate (Argentinien) den Boden küsst. Die Kleinstadt ist Touristenzentrum für den Nationalpark Los Glaciares, Heimat des Königsgletschers Perito Moreno.

An der Hauptstraße kleben die Restaurants, neben Reisebüros und Giftshops. Die Auswahl ist trotz der isolierten Lage einfach erstaunlich. Zudem spürt man die Aufregung und Vorfreude der Abenteurer und Individual-Touristen. Diese Gegend muss etwas ganz Besonderes sein und die nächsten 4 Tage sollten es dann auch beweisen. Lange aufhalten braucht man sich in El Calafate fürwahr nicht und nachdem ich den spanischen Mietvertrag von Hertz, ohne ein Wort zu verstehen, unterschrieben hab, kann es auch schon losgehen. Das sich sowas rächt ist klar, aber erst später.
Erste Station, direkt ein Once-in-a-Lifetime Ereignis. Der Perito Moreno Gletscher liegt im größten Gletschergebiet der südamerikanischen Anden.

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Seine Gletscherzunge reicht weit hinein in den Lago Argentino und das Eis der Abbruchkante türmt sich bis zu 70 Meter aus dem Wasser heraus. Diese Festung aus Eis knirscht und ächzt in einem durch. Große Eisbrocken brechen jedoch nur selten ab. Ausnahmsweise handelt es sich beim Perito Moreno um einen Gletscher der tatsächlich wächst und nicht schrumpft. Für ein wenig Sonnenschein bin ich ganze drei Mal in der kurzen Zeit hier gewesen, denn oft bringen einen die Wolken um den Verstand. Vor dem Park meist Top-Wetter, am Gletscher oft alles grau.

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Doch am letzten Tag, hatte die Sonne ein Einsehen und dann darf eine Schiffstour einfach nicht fehlen. Auch wenn das Boot Abstand hält, wirkt die Nähe zur Abbruchkante extrem kurz. Also nicht vergessen zu atmen, der Perito Moreno stielt einfach jedem die Luft.

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Wer gerne selbst aktiv werden möchte, dem sei das Wandergebiet El Chaltén empfohlen. Kann man auch wunderbar als Tagestour von El Calafate aus besuchen. Immer den Mount Fitzroy im Blick, gibt es hier leichte bis anstrengende Hikes, wie zum Beispiel die wunderschöne Tour zur Laguna Torre. Wer über ein größeres Zeitbudget verfügt, der kann hier auch locker 3-4 Tage die raue Natur Patagoniens erleben.

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So viel Zeit hatte ich leider nicht, denn natürlich wollte ich nicht aus Patagonien abreisen, ohne mir einen kleinen Traum zu verwirklichen. Etwa 7 Stunden dauert die Fahrt mit dem Auto zum Torres del Paine Nationalpark in Chile (ca. 380 Kilometer). Nicht alles davon ist geteert und Tankstellen rar gesät. Aber es geht erstaunlich gut voran auf der Panamericana und dann quer rüber auf einer Staubpiste durch die Steppe Patagoniens. Die Landschaft atemberaubend, kein Mensch unterwegs. Hin und wieder ein abgefressener Schädel und dazu Graufüchse, Kondore und Nandus, ein Art Strauß, der in Patagonien beheimatet ist. Irgendwann ist es dann soweit und man erreicht nach etwa 3 Stunden die Grenzstation Cerro Castillo. Ein wenig Geduld sollte man schon mitbringen, schließlich muss jeder Fahrer hier das Fahrzeug verlassen und bei den Zollbeamten vorstellig werden. Da mich diverse Reiseführer und einschlägige Blogs bereits auf das verhangene Wetter gut vorbereitet hatten, konnte ich mein Glück beim ersten Anblick auf die Granitnadel Cerro Torre kaum fassen.

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Er war gut und deutlich aus gefühlten 100 Kilometer Entfernung zu erkennen. Diverse Sicherheitsfotos wurden gemacht. Und mit deutlich mehr Gelassenheit ging es jetzt Kilometer um Kilometer Richtung Nationalpark.
Wildpferde, Guanakos und Kondore wirken wie Dekoration in diesem Biest aus Sturm, Eis und Steppe. Im Torres del Paine Nationalpark habe ich die Urkräfte leibhaftig gespürt, wie vielleicht bisher an keinem anderen Platz der Erde zuvor. Da die Zeit leider nicht für die Besteigung des Cerro Torre reichte ;-), habe ich unzählige Trails ausprobiert, um möglichst viel vom Mythos Patagonien in mich aufzusaugen. Besonders zu empfehlen sind Wanderungen am Lago Nordenskjöld, der türkis gegen die schneebedeckten Gipfel kontrastiert und am Lago Grey, auf dem blaue Eisschollen vom Sturm voran gepeitscht werden.

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Und natürlich schafft man diese Tour nicht an einem Tag, sollte man auch gar nicht. Denn die Hosteria Pehoe liegt, nur über einen Steg erreichbar, direkt am türkisfarbenen Lago Peohé. Der Blick vom Bungalow immer gerichtet auf die mächtigen Gipfel der Torres del Paine.
Keine Angst. Das Hotel ist besser als die Website http://www.altopehoe.cl/hosteria-pehoe

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Abspann: Dass der Nationalpark schnell zur Fatamorgana werden kann, musste ich schon am nächsten Morgen leidvoll erfahren. Der Blick reichte im dichten Nieselregen keine 50 Meter weit. Zudem rächt es sich, wenn man Auto-Mietverträge ungelesen unterschreibt. Ein argentinisches Sprichwort sagt: Selbst wenn dir jemand reinfährt, zahlst am Ende du.

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