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Drei Zinnen, Südtirol

Die Biss-Spuren im Lenkrad meines A5 sind noch ganz feucht, als ich endlich den Parkplatz am Rifugio Auronzo erreiche. Satte 5 Stunden von München bis ins Drei-Zinnen-Gebiet in Südtirol sind so etwas wie ein interner Negativrekord. Mein Hintern fühlt sich an wie Gammelfleisch und so schnüre ich frustriert die Wanderschuhe, um endlich in diese fantastische Bergwelt einzutauchen.

Für mich ist es das schönste Gebirge der Welt und für die unzähligen Touristen um mich herum heute leider auch. Ich komme mir vor wie im gottverdammten Disneyland. Zeit dem Strom einen Haken zu schlagen und so entscheide ich mich für die Paternkofel-Umrundung. Deklariert auf 5,5 Stunden, zieht sich dieser wunderbare Wanderweg über 13 Kilometer auf dem Rücken der markanten Drei Zinnen durchs Massiv. Doch bevor es so richtig losgeht, lockt das Rifugio Lavaredo (2.344 m) mit einer hervorragenden Schinken-Käse-Salami-Kombination. Mit einem Kilo Brot im Magen schleife ich mich anschließend wie ein träger Bär durch die prachtvolle Gebirgskulisse. Am Anfang bin ich noch lustig bis motiviert, denn es geht bergab.

Pferde_Südtirol_turnagain

Doch plötzlich steigt der Pfad Kehre um Kehre bis zur perfekten Einkehr an der Bullelejochhütte. Wie ferngesteuert laufe ich vorbei und suche den Blick auf die westliche Oberbachernspitze. Für mich der visuelle Höhepunkt der Tour.

Wandern_Dolomiten_turnagain

Danach muss man ein Stück zurück, um sich anschließend in ein steinernes Tal fallen zu lassen. Immer entlang des 2.744 Meter hohen Paternkofel blickt man auf die türkisen Bödenseen.

Südtirol_Paternkofel_Dolomiten_turnagain

Nach etwa 1 Stunde erreiche ich schließlich die berühmte Drei Zinnen Hütte. 3 Stunden Power-Walking sind vorbei und ich blicke heute erstmals auf die Drei Zinnen, jene Gesteinsformation, die aufgrund ihrer exponierten Lage wie ein Monument in diesem Felsenlabyrinth wirkt.

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Ich würde ihnen so gerne deutlich mehr Zeit widmen, doch das drohende Konditionslimit sowie der fiese Seitenwind lassen mich voranschreiten. Aus veranschlagten 5,5 Stunden werden schließlich 3,5, die sich allerdings auch entsprechend anfühlen. Über die Mautstraße (stolze 25 € für den Parkplatz) geht es die Serpentinen hinunter ins Basislager nach Cortina d´Ampezzo. Der ehemalige Olympiaaustragungsort ist ein nettes kleines Städtchen mit schicken Boutiquen rund um die Corso Italia, ordentlichen Restaurants (also Pizza) und Bars für den Absacker nach Sonnenuntergang.

Cortina_dampezzo_suedtirol_turnagain

Für die Nacht habe ich mich für die Villa Alpina entschieden. Der Empfangsbereich wurde komplett modernisiert, was man von der Außenfassade und den Badezimmern nicht uneingeschränkt sagen kann. Dafür knallt das Frühstück, was mein Urteil am Ende deutlich ins Positive zieht. Wer auf großen Komfort steht, der sollte dann doch lieber im benachbarten Savoia Grand Hotel einchecken.

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Die Sonne knallt um 7 Uhr durchs Fenster und es ist Zeit für Tag 2 der kleinen Dolomiten-Tour. Ich betrachte es ein wenig als Trainingslager, denn Ende September geht es für einen Tag in den Grand Canyon und wieder hinauf. Gleiche Höhe, doch im Vergleich dazu ist die Tour zum Lago Sorapis eher ein Snack. Angeblich sind es 2 Stunden hin und 2 zurück. Dazu gibt es zwei Partien mit Klettersteigen. Für so einen alten Hochseilgarten-Akrobaten wie mich, stehen die Zeichen damit eher auf Abbruch. Doch ich will es wenigstens versuchen. Der Start ist mehr als idyllisch und kommt mir super entgegen. Relativ eben schlängelt sich der Wanderweg 215 durch schattige Tannenwälder, um immer wieder den Blick auf den über 3.221 Meter hohen Monte Cristallo freizugeben.

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Schnell werden die widerlichen „Noch-Früher-Aufsteher“ eingeholt, um am ersten Klettersteig vollends abgehängt zu werden. Die Tour entpuppt sich am Ende als lockerer Aufgalopp und bereits nach 1 Stunde stehe ich am hypnotisch türkisen Lago Sorapis. Was für ein Anblick! Die schroffen Felsen treffen direkt auf den milchig-grünen Schleim, der allerdings übel kalt ist. Im Netz stand was von „Badehose einpacken“ und „sehr beliebt“. Davon kann ich jedoch nur Zweiteres bestätigen.

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Man hat ihn definitiv nicht für sich alleine und was überrascht, ist die Vielzahl der Hunde, die diesen Aufstieg wagen. Anscheinend muss es am Passo Tre Croci einen „Rent a Köter“ geben, anders lässt sich die Artenvielfalt von schlabbernden Knautschterriern bis steinschnüffelnden Beutelratten nicht erklären. Ein kleines „Alkoholfreies“ am Rifugio Alfonso Vandelli und schon geht es bergabwärts, vorbei an den vielen gutgebräunten Italienern, die stets am freien Oberkörper und den extrem knappen Höschen zu erkennen sind. Dagegen hat der Outdoor-Multifunktions-Deutsche einfach keine Chance. Aber hey, wir brauen ordentliches Bier, bauen Autos, die länger als 1 Jahr halten und schaffen eure Touren in der Hälfte der Zeit. Servus Südtirol, wir sehen uns sicher bald wieder.

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