Instant Search

Sonnenburg, Pustertal

Die Sterne funkeln so klar und deutlich, als wollten sie das Land der Burgen, Täler und Flüsse auch nachts zum Strahlen bringen. Ich stehe auf der Dachterrasse meiner Suite, blicke auf ein Meer aus glitzernden Diamanten und kann es kaum erwarten, meine Wanderstiefel endlich auf den Pfad zu bringen, doch Markus Wechselberger, Hoteldirektor der Sonnenburg im Pustertal, schwört mich erst einmal auf das Abendessen ein. „Heute gibt es Fischspezialitäten, verpackt in ein 4-Gänge-Menü. Wir sehen uns gleich im Restaurant-Bereich“.

Da wollen wir ihn doch nicht enttäuschen, schließlich wartet noch ein ganzes Wochenende der Marke „Goldener Oktober“ auf mich und die Goldbrasse ist nun extra den weiten Weg die Rienz hinaufgeschwommen, um stilvoll und gegrillt auf meinem Teller zu landen. Nach dem opulenten Mahl direkt ins Bett? Habe ich mir so gedacht, doch Harfenklänge lassen mich aufhorchen, werden sie doch live in einem abgedunkelten Kreuzgang exklusiv für die Gäste des Hotels gespielt.

Das passt perfekt in diese authentisch restaurierte Burg, die über 4.000 Jahre Besiedlungsgeschichte auf dem Hügel hat und bereits als Römerlager, Frauenkloster, Steinbruch, Armenhaus und baufällige Ruine diente. Heute gibt es 38 individuell gestaltete Zimmer und Suiten, die wahrscheinlich ganze Bücher und Audio-Guides mit Geheimnissen und Anekdoten füllen könnten.

Doch auch die Moderne findet Einzug in das mittelalterliche Ambiente, denn der beheizte Infinity-Outdoor-Pool oder die spektakuläre Wellnesslandschaft auf 6 Ebenen waren zur Jahrtausenwende längst nicht Teil der ruhmreichen Geschichte.

Gleiches gilt wohl auch für meine Dachterrasse mit 360 Grad Panoramablick, die einzig dem Zimmer mit der Nummer 57 vorbehalten bleibt und einen guten Überblick ins Landschafts- und Erlebnisparadies mit Namen Pustertal gewährt. Im Winter hätte ich mich sicherlich direkt mit der Gondel auf den Kronplatz katapultieren lassen, doch der Oktober bläst zum Festival der Farben und mit stahlblauem Himmel über mir und 20 Grad Celsius im Rücken, begebe ich mich zum Dolomiten-Hotspot schlechthin.

Vorbei am türkisen Toblacher See führt die SS51 immer tiefer in den Naturpark Drei Zinnen, der auf den letzten 6 Kilometern zur Mautstraße mit beachtlicher Parkplatzgebühr von saftigen 25 Euro führt. Nachdem ich beim letzten Besuch die Paternkofel-Umrundung gegangen bin, lasse ich diesmal mit dem Dolomiten Höhenweg nichts anbrennen. Außer dem Rifugio Auronzo haben bereits alle Hütten geschlossen, was dem heutigen Besucherandrang jedoch keinen Abbruch tut. Und die Italiener warten zugleich mit einer neuen Attraktion auf und lassen zwei nervige Helikopter in Dauerschleife über die drei Fels-Monumente kreisen. Wer kommt denn bitteschön auf so eine Idee? Ab 13 Uhr ist dann gottseidank Schluss mit geratter und geknatter und ich kann diese 10 Kilometer lange Prachtschleife in angemessener Stille genießen.

Zunächst zieht der recht breite Wanderweg leicht nach oben und man kann die eher unbekannte Rückseite der drei Zinnen nach Kletter-Sportlern absuchen, bevor mit Erreichen des Paternsattels die Felsen in ihre weltbekannte Formation wechseln. Und spätestens ab jetzt ist knallharte Panorama-Power angesagt und man weiß gar nicht mehr wohin man überhaupt noch schauen soll, bei all der zackigen Gebirgspracht.

Drei Zinnen mit Herbstkulisse? Kein Problem. Wie wäre es mit einem tiefblauen Gebirgssee samt Spiegelbild? Blau ist nicht so deins? Macht nichts, den See gibt es auch in grün. Vielleicht ein paar schneebedeckte Gipfel im Hintergrund? Wir hätten auch noch ein paar Felsnadeln der Sorte Bryce Canyon im Angebot. Hör mir auf, besser geht es nicht und so stürze ich mich, nach einem kurzen Abstecher am Lago d´Antorno, in den beheizten Infinity Pool meiner Sonnenburg.

Danach noch in die Sauna, ein kurzer Nostalgie-Trip Richtung Kindheit namens Sportschau und schon begrüßt mich Markus Wechselberger schon wieder bei Spanferkelnackenschopf und einem Feuerwerk aus süßen Verführungen aus der Schlosspatisserie. Solltet ihr an einem Tag hier nächtigen, an dem es die herrlichen Pralinen, Mousses, Cremes und Kuchen nicht gibt, dann droht sofort mit Abreise oder verlängert einfach euren Aufenthalt, denn niemand sollte die Sonnenburg ohne dieses Manifest Südtiroler Dessert-Kultur verlassen.

Die Sonne weckt mich sanft um 7.30 Uhr und ich lasse mich von Markus Wechselberger auf eine neue Wander-Route umstimmen: „Was, du warst noch nie auf der Plätzwiese?“ Kopfschütteln „Das gibt es doch gar nicht, da musst du unbedingt hin und auf den Strudelkopf wandern. Von da aus reicht das Panorama bis zu den Drei Zinnen“. Okay, überredet. Mit einem Lunchpaket ausgestattet, verlasse ich die Sonnenburg in Richtung Plätzwiese. Knapp 40 Minuten braucht man für die Strecke und steht danach auf einer traumhaft schön gelegenen Hochalm, die immerhin auf 2.000 Metern Höhe liegt. Die Bäume sind gelb-orange gefärbt, die Wiesen ein letztes Mal gemäht und die Hütten läuten bereits zum Herbstfinale.

Der Wanderweg mit der Nummer 34 führt in gut 1 Stunde auf den Aussichtsberg mit dem kulinarischen Namen Strudelkopf und gewährt einen atemberaubenden Ausblick von den Drei Zinnen bis hin zum 3.221 Meter hohen Monte Cristallo. Hier hätte der kleine Wander-Absacker eigentlich zu Ende sein sollen, doch das Wetter ist trügerisch schön, so dass ein vermeintlich kleiner Umweg zum 2.839 Meter hohen Dürrenstein durchaus noch ins Programm passen könnte.

Zunächst quert man ein paar hochgelegene Wiesen und orientiert sich an den spärlich aufgestellten Steinmännchen, bevor man nach etwa 30 Minuten den eigentlichen Wanderweg kreuzt und der gnadenlose Aufstieg beginnt. Man kann sich nicht mal beklagen, dass das Ziel nicht einsehbar gewesen wäre, denn das Gipfelkreuz glänzt von weiten in der Sonne und sieht auch aus der Ferne schon bedrohlich hoch aus. Es sind noch exakt 1 Stunde und 40 Minuten bis zu diesem Kreuz, die mich fast an den Aufstieg auf den Kilimandscharo erinnern, nur dass ich damals ein ganzes Arsenal an Müsliriegeln und Drinks dabeihatte. Heute leider zero! Und so fühle ich mich entsprechend ausgelaugt und lutsche gar an ein paar alten Schneeresten, um ein wenig Flüssigkeit in meinen ausgezerrten Körper zu pumpen. Doch außer einer tauben Zunge gelangt wenig Nährstoffreiches in meine Power-Bank und so wackele ich mit zittrigen Knien entlang des Drahtseils zum Gipfelkreuz.

Links geht´s runter, rechts nicht minder, doch am Ende zahlt sich die Anstrengung in Form von Panorama-Coins mehr als aus. Vom Dürrenstein liegt dir heute nicht nur Südtirol, sondern mindestens noch Österreich zu Füßen, was natürlich am sagenhaft klaren Bergwetter liegt. Ich lasse mich langsam ins Tal zurück rollen, dope mich im Berggasthof Plätzwiese mit zwei Holunder-Spritz und bereite mich anschließend auf die würdige Belohnung in Form der besten Pizza von ganz Bruneck vor. Doch leider hat „the one and only“ Hardimitz´n bis Mittwoch den Ofen ausgeschaltet, so dass ich quasi zum rustikalen Steak gezwungen werde. Denn der „Hardi“ macht nicht nur auf Italiener, sondern auch auf Little Joe und was da als Rinderfilet mit Folienkartoffel auf den Teller segelt, kann es mit dem Original aus Texas locker aufnehmen.

Und bitte, verlasst niemals diesen Tempel ohne die weiße Erdnuss-Schokoladen-Mousse probiert zu haben. Ihr werdet schon sehen und verstehen, warum es zum Abschluss einen ordentlichen Grappa braucht. Salute!

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung des Schloss Hotels Sonnenburg.

Suggested Posts

The Omnia, Zermatt
Auszeit Chalets, Großarltal
ZanziResort, Sansibar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.