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Vajolet Türme, Südtirol

Dieses Instagram macht mich noch ganz fertig. Plötzlich taucht da so ein Bild auf und lässt mich nicht mehr los. Zu sehen ist eine bizarre Felsformation, die unmittelbar an einen kleinen Bergsee angrenzt. Angeblich die sagenumwobenen Vajolet Türme im Zentrum der Rosengartengruppe. Also mal wieder Südtirol, doch diesmal geht es in einen Teil Norditaliens, den ich bisher kaum besucht habe, zumindest im Sommer.

„Vergiss es. Da bist du ja Ewigkeiten unterwegs. Fahr lieber nach Welschnofen, dann mit der Kabinenbahn zur Frommer Alm, dann umsteigen in den altertümlichen Sessellift zur Kölner Hütte und ab da brauchst du gute Kondition. Hast du doch?“ Ich schaue mich um, doch Brigitte Zelger vom Naturhotel Pfösl meint tatsächlich mich. Wir sitzen an der Bar trinken einen angeblich kleinen Aperol Spritz, der mich sofort niederstreckt und diskutieren meinen Aufstieg zum Instagram Motiv. Derweil schwärmt sie vom Umbau ihres wunderbaren Spa-Hotels. Aktiv sein, wohlfühlen und dazu eine naturverbundene Küche, so lautet ihr Erfolgsrezept.

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Und das alles mit den Zutaten aus der Südtiroler Natur. Wer also auf Massagen mit Wacholder und Apfel steht, kann es sich gutgehen lassen. Ich setze dann doch lieber direkt auf die sensationelle Küche. Immer donnerstags gibt es selbstgebackenes Brot in allen Varianten, doch wozu Brot, wenn das Nachtischbuffet mit Birneneis auf Schokosauce und Tiramisu aufwartet?

Am nächsten Morgen müssen die Pfunde abgearbeitet werden und so wandele ich fortan auf den Empfehlungen von Brigitte Zelger und habe nach 2 Minuten bereits das erste Drahtseil in der Hand. Von Klettersteig war eigentlich nicht die Rede, doch wer einmal den Sessellift verlassen hat, dem bleibt nur noch der Weg nach oben.

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Und da machen die abweisenden Türme erst einmal keine Lücke auf. Erste Bergsteiger mit Seil und Helm kommen mir entgegen, was wenig zur Beruhigung der Gesamtsituation beiträgt. Doch am Ende lässt sich das Tschager Joch selbst für einen Schwindelsüchtigen wie mich ganz gut bewältigen. Am Kamm auf 2.600 Metern Höhe genießt man einen atemberaubenden Blick in den wohl gewaltigsten Rosengarten der Welt.

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Keine Müdigkeit vortäuschen, weiter geht es auf dem Weg 550 bergab zur Vajolet Hütte. Das Stück geht sich wirklich ausgezeichnet, wenn man mal den drohenden Rückweg ausblendet. Die Klettereinlagen werden weniger und nach insgesamt 1 Stunde und 20 Minuten stehe ich bereits an der Doppelherberge Rifugio Vajolet und Paul Preuss.

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Doch wo ist der blaue Bergsee und wo der markante Felsen aus dem Foto? Na klar, geht noch weiter, geht noch höher und zwar als Klettersteig. Schon von unten sieht man die ameisengroßen Wanderer am Fels warten, staunen und kraxeln. Hier ist ein Traffic wie am gottverdammten Hillary Step. Hilft aber nix, ich muss da hoch und die veranschlagte Stunde endet bereits erfreulich rasch nach der Hälfte der Zeit an der Gartlhütte.

Doch wo auf dem Bild noch Wasser war, blicke ich jetzt auf einen gänzlich ausgetrockneten Tümpel. Der Sommer hat ganze Arbeit geleistet, auch wenn er gerade in den Streik treten will. Erste Wolken umnebeln die sechs beeindruckenden Vajolet Türme. Unfassbar, dass da oben tatsächlich geklettert wird.

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Ich genieße noch ein paar Minuten, doch der drohende Wetterumschwung lässt mich zügig absteigen. Und tatsächlich lässt das erste Donnergrollen nicht mehr lange auf sich warten. Auch wenn es der langsamste Sessellift der Welt ist, bin ich doch froh an der Kölner Hütte wieder ins Tal gefahren zu werden. Mein Fazit: eine brutal schöne Tour, die durch Klettereinlagen sogar noch aufgewertet wird und in der walk & lift Variante in insgesamt 5 Stunden gut zu schaffen ist.

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung des Naturhotel Pfösl.

Mehr Südtirol gibt es in meinem Bericht über die Drei Zinnen.

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