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Auberge Saint-Antoine, Québec

Ein Schloss auf einem Hügel, bunte Läden und Häuser entlang der Gassen aus Kopfsteinpflaster, eine Festungsmauer, die die alte Stadt von der neuen trennt, gelegen an einem Strom, der die großen Seen mit dem rauschenden Atlantik verbindet. All das könnte man irgendwo in Nordfrankreich vermuten, doch wir befinden uns in Québec und sind der Alten Welt näher, als sonst wo auf dem amerikanischen Kontinent. Ich treffe mich mit Dagmar Lombard, die vor über 2 Jahren mit ihrem Mann Guy und den vier Töchtern aus der Karibik nach Québec ausgewandert ist, um die historische Auberge Saint-Antoine als Managerin zu übernehmen.

„Das war schon ein Klimawechsel der besonderen Art“ erzählt sie mir noch sichtlich beeindruckt vom vergangenen Winter. „Wir hatten jede Menge Schnee und es war bitterkalt. Doch wir fühlen uns sehr wohl in Kanada. Ich liebe die Jahreszeiten, die es in der Form auf St. Barth natürlich nicht gibt“.

Die gebürtige Deutsche mit französischen Wurzeln ist eine wahre Weltenbummlerin, hat schon in Marokko, den USA und Europa Hotels geführt und ist immer auf der Suche nach neuen Abenteuern und Herausforderungen. „Ich habe die Eigentümer-Familie der Auberge Saint-Antoine, die in Québec eine Institution ist, auf einem Hotelkongress kennengelernt und war sofort vom angestrebten Konzept überzeugt“ erläutert Dagmar Lombard und ergänzt stolz: „Wir sind ein richtiges Museums-Hotel. Während der Renovierungsarbeiten im Jahre 2003 wurden über 5.000 Exponate aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert gefunden, von denen etwa 800 im Hotel ausgestellt sind“.

Selbst in den 95 Zimmern, von denen keines dem anderen gleicht, gibt es kleine Andenken aus vergangenen Epochen, die wunderbar in Glasrahmen inszeniert wurden. Welche Sehenswürdigkeiten der Stadt ich denn auf gar keinen Fall verpassen sollte, frage ich Dagmar Lombard und werde mit einer eigens illustrierten Hotelkarte für die Top-Aktivitäten der Umgebung ausgestattet, die locker für eine Woche Sightseeing reichen würde. Also besser keine Zeit verlieren, sondern direkt hinein ins Vergnügen der Unterstadt mit dem bezeichnenden Namen Basse-Ville.

Nach einem ordentlichen Kaffee mit Kuchen am Place Royale und einem Blick in die Seefahrerkapelle Église Notre-Dame des-Victoires, heißt es zunächst Kräfte sparen, denn der Anstieg zur Citadelle kann auch locker für 3,50 Dollar mit dem Funiculaire bewältigt werden. Und so gleite ich standesgemäß mit der gläsernen Bahn bis zur Aussichtsterrasse Dufferin, die sich als 600 Meter lange Promenade zwischen dem berühmten Wahrzeichen Château Frontenac und der Festung La Citadelle präsentiert.

Von hier oben hat man einen vorzüglichen Blick auf die Unterstadt, den Sankt-Lorenz-Strom und den Hafen, wo gerade ein fettes Kreuzfahrtschiff angetaut ist. Überhaupt scheint das Frontenac aus dem Jahr 1893 so etwas wie der Anziehungspunkt allen touristischen Treibens zu sein und man sollte sich den Drink an der Hotelbar nicht nehmen lassen, schließlich haben hier schon Roosevelt und Churchill den ein oder anderen Gin Tonic getrunken und über Kriegsstrategien philosophiert.

Ich lasse mich weiter durch die wunderbaren Gassen um die Rue Saint-Louis in Richtung Hôtel du Parlement treiben und bin ganz berauscht von den gut erhaltenen Häusern und Prachtbauten, denen man die 400 Jahre Stadtgeschichte kaum anmerkt.

Ein Abstecher zur Rue Saint-Jean mit den Antiquitätenläden und französischen Restaurants darf genauso wenig fehlen, wie der Parc des Champs-de-Bataille mit seinem Musée National des Beaux Arts, wo gerade eine Miró Ausstellung eröffnet wurde. Es gibt so viele tolle Plätze in dieser Stadt und ebenso viele Gelegenheiten den Abend stilvoll zu verbringen, dass die Wahl auf das Restaurant L´Orygine reiner Zufall war, der sich kulinarisch als außergewöhnlich entpuppen sollte, da hier Tradition mit Moderne in den Stil-Mixer geworfen wird. Oder habt ihr schon einmal eine knusprig gebratene Ente mit gegrillten Hanfblättern gegessen? In diesem Sinne Love, Peace und Gute Nacht, die sich in den butterweichen Kissen der Auberge Saint-Antoine wie von selbst erledigt. Da würde ich wahrscheinlich heute noch liegen, hätten sie nicht dieses fantastische Frühstück im Repertoire, welches im urgemütlichen Hotelrestaurant serviert wird.

Frische Eierspeisen, Würstchen und Pancakes aus der Neuen treffen auf butterzarte Croissants, Pain au Chocolat und Baguettes aus der Alten Welt und sind beste Vorbereitung für die anstehenden Aktivitäten in der näheren Umgebung. „In Québec bist du in 30 Minuten in den Skigebieten und im Sommer in null Komma nichts in der Wildnis“ meint Dagmar Lombard und schickt mich mit wärmster Empfehlung zum donnernden Wasserfall Chutes Montmorency, der mit seiner Fallhöhe von 83 Metern einen ordentlichen Sound hinterlässt.

Die Aktivitäten reichen von Gondelfahrt, Flying Fox bis zum Adventure Hike, der über die spektakuläre Hängebrücke führt und einen Close-up auf die tosenden Fluten ermöglicht.

Etwa 30 Kilometer weiter entlang der 138 EST befindet sich die mächtige Basilique Sainte-Anne-de-Beaupré, eine echte Wallfahrtskirche, die das ein oder andere Wunder bewirkt haben soll. Zum Beweis hängen an einem Kirchenpfeiler unzählige Prothesen, Krücken oder sonstige Ersatzteile aus dem 3D-Drucker.

Fehlt noch die letzte Empfehlung von Dagmar Lombard, die mich auf die 34 Kilometer lange Insel Île d’Orléans führt, die mitten im Sankt-Lorenz-Strom vor den Augen der Skyline von Québec über eine Brücke zu erreichen ist. Mit ihr schließt sich so etwas wie der Kreislauf der perfekten französischen Inszenierung, die hier in Kanada lebendig wird und einen wohltuenden Kontrast zur vielfach amerikanisch geprägten Lebens- und Bauweise bildet.

Bleibt mir noch die Frage nach der nächsten großen Herausforderung für Dagmar Lombard. Die Antwort kommt ebenso klar, wie es ihrem selbstbewussten Naturell entspricht: „Wenn die Kinder einmal groß sind, würden mein Mann und ich gerne eine Lodge in Afrika führen. Das wäre mein Traum“. Für ein bisschen Fernweh und Vorfreude kann da vielleicht schon mein Artikel über die &Beyond Xudum Okavango Delta Lodge in Botswana sorgen.

Dieser Artikel entstand auf Einladung der Auberge Saint-Antoine in Québec. Vielen Dank an Dagmar Lombard, die nicht nur meinen Aufenthalt organisiert, sondern mich auch mit vielen wertvollen Reisetipps ausgestattet hat.

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