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Mama Thresl, Leogang

„Hast du schon mal einen Hut gegessen?“ fragt mich die nette Bedienung im Berggasthof Huwi´s Alm und ich denke nur: die letzten drei habe ich eigentlich nur getragen. Vielleicht ein Fehler?! Aber man ist als Reisender ja stets offen für Neues und so steht 20 Minuten später eine gusseiserne Pyramide auf meinem Tisch, die man durchaus als kulinarische Kletterwand bezeichnen kann, denn fortan werden die Filetscheiben aus Rind und Schwein an kleinen Haken auf den „Hut“ gespießt. Und wie im echten Leben, wird der Absturz mit dem Tauchgang in einer aromatischen Saftbrühe bezahlt, der dem Fleisch jedoch die Würze gibt.

Dieser Freitagabend-Spaß kommt mit frischem Salat, deftigen Ofenkartoffeln, knusprigem Knoblauchbrot und einem Blauburgunder auf den rustikalen Holztisch.

Nicht nur das Essen weiß zu begeistern, sondern die ganze Location hier oben im Bergdorf Priesteregg (1.100 m) ist der Hammer. Ein 360-Grad-Panorama aus steilen Gebirgszacken, grünen Almwiesen und tiefen Wäldern bestimmt die Leinwand von Huwi´s Alm, dem Ursprung der Hotelfamilie aus Priesteregg, mama thresl und hendl fischerei, hinter denen ausnahmslos Huwi und Renate Oberlader stecken, die das Thema Hotel ein ums andere Mal neu erfunden haben. Wahrscheinlich haben die Beiden mir auch noch diesen Regenbogen in den Sonnenuntergangs-Himmel gemalt, so dass ich mich kaum trennen mag, von meinem Hut und dem nicht minder attraktiven Topfennockerl in Zuckerbrösel und Vanilleeis.

Doch wenn ein Hotel schon mit dem Slogan „urban soul meets the alps“ wirbt, dann bin ich als Münchner (Achtung Satire) natürlich neugierig auf den vielleicht ungewöhnlichsten Alpen-Hot-Spot Österreichs.

„Komm zu Mama“ und wer das stilecht in die Tat umsetzen möchte, kann gleich über die, mit Haken und Ösen bestückte, Hauswand bis zur island Bar durchklettern, denn das mama thresl ist so etwas wie ein eigener Hochseilgarten, der vom Rooftop bis zum Parkplatz komplett als Klettersteig fungiert.

Ebenso lässig fällt dann der Empfang aus und F&B Manager Florian Köhler, strahlt stolz über beiden Backen, da die gerade abgelaufene Wintersaison der „Mama“ eine rekordverdächtige Auslastung von 98 % beschert hat.

Man ist direkt per Du und man ist direkt beim Flo oder auch ziemlich schnell beim „Bro“, denn die eingeschworene Truppe aus 35 Mitarbeitern, sind die „Brothers and Sistas“, die sich im Namen von Renates Mama, die stolze 11 Kinder auf die Welt gebracht hat, um die gut gelaunte Gästeschar kümmert. „Das Publikum ist bunt gemischt, vom Mountain-Biker bis zum Manager, vom Tourist bis hin zum Einheimischen und das macht die besondere Atmosphäre im mama thresl aus“ sagt der Flo und ergänzt direkt, dass es hier keine Standards, keinen Dresscode, dafür immer sanfte Elektro-Beats und am Abend sogar einen eigenen DJ gibt. Die Rezeption wurde dann gleich mal in die Ecke verbannt, denn das „Open-Door-für-Jedermann-Prinzip“ beginnt bereits am Eingang und da ist nun mal die Bar.

Mit Schaukeln, statt Hockern, mit Kletterbaum statt Säulen, mit einem gigantisch langen Esstisch, einer offenen Küche und lässigen Nischen zum Quatschen, Essen und eben Reiseblog-schreiben. 50 Zimmer im coolen Design, teils mit Dachterrasse und eigenem Hot-Pot, alle mit Felsendusche, Natursteinwaschbecken und einem Traumblick auf die Pinzgauer Berge, denen wir uns auch sofort annehmen werden.

An der Mittelstation der Asitzbahn trenne ich mich erst einmal von den rund 1.000 Mountain-Bikern, die den heutigen Sonnen-Tag für ihre Downhill-Abenteuer nutzen und für eine deutlich größere Warteschlange sorgen, als im ganzen Skibetrieb. Danach raubt mir der perfekt angelegte „Sinne Park“, mit seinen kleinen künstlichen Wasserfällen, Spielgeräten und Rätseltafeln gleich mal selbige, will er der Natur noch einmal zusätzlich auf die Sprünge helfen, was in Anbetracht der Panoramaaussicht aufs 2.634 Meter hohe Birnhorn absolut unnötig ist. Nach wenigen Metern bin ich dann aber ganz alleine auf meinem Gipfelpfad unterwegs, der mich in etwa 90 Minuten über bewaldete Serpentinen bis zum hohen Asitz Gipfel führt.

Die Aussicht ist wirklich großartig und wird durch den kleinen Speichersee, der kurz unterhalb des Gipfelkreuzes liegt, noch verstärkt. Und während ich mich anfangs noch über zu viel touristische Infrastruktur beklagt habe, schaukele ich jetzt reumütig in den, zur Sonne ausgerichteten, Holzliegen am Speichersee und lasse den wundervollen Tag im mama thresl noch einmal Revue passieren.

„It´s Barbecue Time“ und die Mama platzt aus allen Nähten, denn für 25 € hat man die Qual der Wahl zwischen der Heiligen Dreifaltigkeit aus Beef Brisket, Pulled Pork & BBQ Spare Ribs, die natürlich aus dem Smoker kommen und Lachs, Gambas und Ziegenkäse, der vom Lavasteingrill auf Hochtouren gebracht wird. „Wir haben in den vier Jahren viel ausprobiert“ referiert der Flo „doch das beste Fleisch kommt nun mal aus Neuseeland oder Nebraska. Bei den Burgern setzen wir aber auf Rind aus der Region“.

Natürlich kommt hier kein Stück Fleisch alleine auf den Teller, sondern wird eng begleitet von Mini-Kartoffeln, Fries, Maiskolben, Gemüse und frischem Brot. Dabei erweisen sich die „Grill-Brothers“ als wahre Kenner, schicken das Roastbeef gerne mal auf eine sechswöchige Mineralwasserkur oder packen die frischgekauften Steaks für 3 Wochen in den Kühlkeller, denn nichts schmeckt saftiger als ein gut abgelagertes Stück Fleisch. Bei derlei Auswahl und Können fühle ich mich tief in der Verantwortung auch entsprechend durchzutesten, so dass am Ende eigentlich ein gesättigt entspannter Seufzer stehen sollte, doch am Ende steht stets der Crumblebowl Brownie Fudge, der seinen Platz im ewigen Desserthimmel konkurrenzlos verteidigen konnte.

Oh Mama, schick mich nach diesem Festmahl noch einmal in die Berge und so empfiehlt mir der Flo zum Abschied die Tour zum Birnbachloch, wo ich auf den gleichnamigen Gletscher treffe, der Mitteleuropas tiefst gelegener ist und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts den Münchner Brauereien als zuverlässiger Eislieferant diente.

Allein der Weg ist das Ziel, sowohl mit dem Cabrio, als dann auch später die knapp 70 Minuten zu Fuß bis zu der kleinen Höhle, in der besagter Birnbach entspringt und sich ins Tal stürzt. Beeinflusst von der angebrachten Sitzbank, montiere ich die Wanderstiefel ab und wate im 3,9 Grad Celsius kalten Wasser Richtung Grotte. Man kann nicht sagen, dass es sich hierbei um eine Erfrischung handelt, es kommt eher einem Tauchgang in der Antarktis gleich und lässt den späteren Blick vom Gletscherrand wie einen Saunaaufguss aussehen.

Was für ein letztes Panorama auf die Leoganger Steinberge, die mir den Abschied vom mama thresl deutlich versüßen. Ich komme wieder, liebe Brothers and Sistas. Versprochen ist versprochen.

Dieser Bericht entstand mit freundlicher Unterstützung des mama thresl sowie dem tollen Support von Flo Köhler, Lisa-Maria Roos und den Kollegen von Stromberger PR in München.

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