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Latemar, Südtirol

Auch wenn der Latemar ein wenig nach einer neuen Kaffee-Schöpfung aus dem Hause Starbucks klingt, gehört der markante Gebirgszug zwischen Südtirol und Trentino zu den spektakulärsten in den Alpen. Etwas vergessen und touristisch zu Unrecht vernachlässigt, schlummert der Latemar etwa 20 Kilometer östlich von Bozen im beeindruckenden Eggental.

Doch es gibt einen Trail in diesem schlafenden Riesen, der alles in den Schatten stellt. Mein Ausgangspunkt ist das Hotel Cristal in Obereggen, welches für mich zu den besten der Region zählt. Die 4,5 Sterne sind gefühlte 5, der nagelneue Spa-Bereich mit Outdoor-Pool ist der Hammer und das Dinner gehört kulinarisch zu den besten in ganz Südtirol. Und das heißt wirklich was! Ihr wollt eine Kostprobe? Na wie wäre es denn mit „Rosa gebratenem Hirschrücken auf Apfelblaukraut mit Preiselbeercrepes“ oder „Schokoladenträne mit Erdbeerparfait“?

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Karin Thaler managt die Premiumherberge mit ihrem Mann und ist sichtlich stolz auf den Anbau mit schicken Suiten und Konferenzbereich. Im Winter kommt noch eine elegante Aprés-Ski Bar hinzu, die den Skifahrer direkt an der Piste mit Glühwein und Bombardino begrüßt. Und dann fragt sie mich, was ich denn gestern so gemacht hätte? „Na ja, die Vajolet Türme habe ich erklommen“ prahle ich stolz „Ok, kann man schon machen“ quittiert sie eher nüchtern „unser Gebirge hier ist der Latemar. Und das wird dich schier umhauen“ verspricht sie mit vor Begeisterung sprühenden Augen. Kurzerhand drückt sie mir ein Touri-Mäppchen in die Hand und skizziert die größtmögliche Schleife, die man erwandern kann.

Zum Einstieg gönnt sie mir aber dann doch den Panorama-Sessel-Lift in Obereggen, der die ersten 600 Höhenmeter übernimmt. Danach ist man auf dem Plateau mit Namen Oberholz und von dort heißt die Richtung verheißungsvoll Latemar-UNESCO oder weniger romantisch einfach Wanderweg Nummer 18. Und so humorlos führt er dann auch nach oben. Der Schweiß tropft ungebremst auf nackten Fels und ich frage mich so langsam, was denn die liebe Karin so unter „umhauen“ versteht. 45 Minuten später kann ich leider nur sagen, dass sie maßlos untertrieben hat.

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Unmittelbar und ohne jede Ankündigung steht man inmitten eines Labyrinths aus steinernen Nadeln und schroffen Felsen. Ein Spielplatz der Giganten, durch den man staunend hindurchschreitet und ganze Speicherplatten vollknipst. Das ist großes Kino, welches auf der anderen Seite mit neuen Inhalten gefüllt wird, denn jetzt erinnert mich die Landschaft plötzlich an den Grand Canyon in Arizona.

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Das Wetter zeigt zudem, was Umschwung im Gebirge so bedeuten kann. Man startet mit Sonnenschein, durchsticht wenig später dicke Wolkenschichten, um von Hagel und Regen erfrischt und anschließend wie ein begossener Pudel auf den Weg geschickt zu werden. Danach das Ganze wieder von vorne. Der Weg führt weiter zur Aussichtsplattform um das Rifugio Torre di Pisa, auf 2.671 Metern Höhe. Gerade die letzten Meter sind nichts für Nervenschwache, denn der Pfad wird deutlich schmaler und links und rechts wäre man im freien Fall ein paar hundert Meter unterwegs. Doch ein paar Drahtseile und die Griffigkeit der Felsen halten mich im Gleichgewicht.

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Da das Rifugio aktuell verschönert wird, geht es direkt wieder abwärts auf dem Weg Nr. 516 zur Baita Feudo Hütte, wo mir zum ersten Mal im Leben ein Strauben über den Gaumen läuft. Die Südtiroler Süßspeise ist so etwas wie eine Mischung aus Kaiserschmarrn und Krapfen. Das kann man schon mal machen und ist die richtige Stärkung für den Rückweg nach Obereggen, der an vielen schönen Hütten vorbeiführt.

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Die Tour aufs Dach des Latemar dauert insgesamt etwa 4 Stunden, fordert am Anfang gute Kondition, gehört aber zu den absoluten Höhepunkten der Dolomiten. Praktisch auch, dass der Wanderweg direkt zum Hotel Cristal führt. Während alle anderen jetzt im Auto ihre Rückfahrt antreten, entspanne ich schon wieder im gutbeheizten Außenpool.

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung des Hotels Cristal.

Eine weitere grandiose Wanderung führte mich zu den Vajolet Türmen.

 

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3 comments

  1. Mein Urlaub steht bald bevor. Dieses Jahr urlauben wir mal anders: Camping in Brixen. Mal schauen wie uns das Wandern gefällt. Zum Latemar werden wir sicher auch mal fahren, wir sind da ja frei. Sonst kennen wir ihn nur voller Schnee, wird bestimmt genauso schön – hoffen wir. Danke für den tollen Beitrag!

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