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Seceda, Val Gardena

Mit Entsetzen starre ich auf das heutige Kalenderblatt. Wir schreiben bereits den 07. Juli. Ein halbes Jahr ist schon wieder vorbei und bald werden wir sagen, wie der Sommer so gewesen ist. Zwischen zu nass, zu kurz und jahrhundertverdächtig, ist noch alles drin. Doch viel mehr Sorge bereitet mir die dahingleitende Zeit. Wir leben viel zu schnell, konsumieren Erlebnisse wie Snacks und verlagern das Private ins Virtuelle. Wenn man da nicht hin und wieder anhält, ist das Leben schnell vorbei. Nicht mit mir, denke ich und steuere auf der gut befahrenen A95 Richtung zweite Heimat.

Nirgends in den Alpen gibt es zackigere Gipfel, raffiniertere Menüs und urigere Hütten als in Südtirol. Da fügt sich das 4-Sterne-Superior Boutique-Hotel Nives in Wolkenstein ganz nahtlos in meine Hall of Fame ein.

Nachdem ich die Zufahrt glatt verfehlt habe und über den neu gestalteten Dorfplatz gepflastert bin, nimmt mich Familie Linder herzlichst in Empfang. Moderner Alpen-Schick in Zimmern, Lounges und den zwei wunderbaren Restaurants. Eines ist exklusiv für Gäste, das andere kümmert sich als A-la-carte um Touristen und Einheimische. Die 13 Zimmer versprühen eine alpine, zeitlose Eleganz und der wunderbare Indoor-Pool erinnert mich spontan an die blaue Grotte von Capri.

Der wahre Schatz ist jedoch im Keller verborgen. Einfach die Treppe herunter gehen und man landet in einem erstaunlich gut bestückten Weinkeller-Gewölbe. Und wer es tief romantisch mag, der reserviert sich den einzigen Tisch inmitten edler Tropfen und genießt ein grandioses Dinner.

Doch ich bin natürlich wegen der Berge hier, denn schließlich steht  im September kein Geringerer als der Kilimandscharo auf dem Programm. Um dann direkt so richtig in Schwung zu kommen, lasse ich mich von der Seilbahn für 19 Euro auf den 2.106 Meter hohen Col Raiser beamen.

Warum mühevoll durch die Halbhöhen stapfen, wenn das Panorama liegt so nah. Frontal erhebt sich die Geislergruppe, im Hintergrund Langkofel und Plattkofel und leicht links davon die Seceda, mein heutiges Tagesziel, in die ich mich im Internet verliebt habe. Doch ich stelle mein romantisches Date noch etwas zurück und mache meinen ersten Zwischenstopp bei den drei perfekt, choreografierten Jungkühen an der Regensburger Hütte.

Nichts kann diese Drei erschüttern, kein Wind, kein Donnern und kein wild knipsender Rheinland-Tiroler. Zeit für einen 360-Grad Schwenk und ich bin, wie immer, tief beeindruckt. Schöner kann es woanders kaum sein, als auf der Cisles Alm und so wandert man am Anfang recht gediegen, mit leichten Anstiegen, dann plötzlich entsetzlich steil auf die 2.597 Meter hohe Mittagsscharte. Welcher Teufel mich geritten hat, diese Passhöhe zu erklettern, soll sich zu erkennen geben.

Ich betrachte es mal als Training, denn außer einem Seitenblick ins Klettergebiet des Prachtburschen Sas Rigais, gibt es nichts zu sehen, aber viel zu schwitzen. Dann doch lieber die fotogenen Pieralongia Felsen ins Visier nehmen. Unzählige Fotos geistern durchs Netz und begeistern die Gemeinde, hier steht das Original.

Und was freue ich mich jetzt auf ein eiskaltes Erdinger Alkoholfrei auf der nah gelegenen Pieralongia Alm. Leider hat man sich dafür entschieden, Bier- und Außentemperatur anzugleichen. Schön warm rinnt es, leider nur recht träge, die Kehle herunter.

Weiter geht´s zum Höhepunkt. Von der Hütte sind es noch etwa 30 Minuten bergauf zur Seceda. Dabei kann man etwa auf Höhe der Foro-Pana-Scharte einsteigen. Der Blick auf die bis zu 3.000 Meter hohe Geislergruppe ist atemberaubend und gehört ins Repertoire jedes Hobbyfotografen.

Entlang des Bergkamms führt ein kleiner Pfad, der immer wieder Felsausbuchtungen parat hält. Einfach drauf klettern und durchknipsen, denn Wind und Sonne hinterlassen ein unglaubliches Licht und Schattenspiel auf den wilden Zacken der Dolomitengipfel. Ich bin begeistert und freue mich darüber, die Zeit für einen Moment angehalten zu haben. Kein Internet, keine Meetings, keine Randale und Anschläge. Nur die Schönheit der Natur. In diesem Sinne: Enjoy the Silence.

Eine weitere spektakuläre Wanderung führte mich auf den Latemar. Viel Spaß beim Lesen!

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung des Boutique-Hotels Nives.

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