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Abenteuer Wüste mit Stefan Gastager, Hofbräuhaus Las Vegas

Die Sonne flimmert über den glatt gestrichenen Wüstensand und lässt eine Fata Morgana von einer Stadt entstehen, die seit jeher Spieler, Spekulanten und Abenteurer in ihren Bann gezogen hat. Ein bisschen von allem steckt auch in Stefan Gastager, dem deutschen Gründer und Chef des Hofbräuhauses in Las Vegas. „Wenn die Amerikaner mitten im Nichts Venedig erschaffen können, dann kann ich das auch mit der berühmtesten Bierhalle der Welt machen“ erzählt er mir stolz über seinen tollkühnen Plan aus dem Jahr 2000.

Doch der Weg war kein leichter, denn der gelernte KFZ-Mechaniker und BMW Malaysia Pionier, musste nicht nur die Führungsriege von Hofbräu München überzeugen. Ganz nebenbei galt es noch 12 Millionen Dollar aufzutreiben und ein passendes Grundstück zu finden. Nicht zu vergessen sei der Erwerb einer Schanklizenz, dem ein Eignungstest aus 60 Fragen vorausging, welcher von einem zweistündigen Polizei-Interview ergänzt wurde. Erst danach durfte Stefan Gastager dem Stadtrat seine Gründe vorlegen, warum denn ausgerechnet noch ein Hofbräuhaus in der Wüste Nevadas fehle. Die Verhandlung wurde übrigens live und in Farbe im amerikanischen TV ausgestrahlt. „Tja. Datenschutz den gibt es hier in Amerika nicht wirklich. Alles ist öffentlich. Es gibt keine Geheimnisse“ lächelt der Hofbräuhaus-Chef diese anfänglichen Hürden einfach weg. „Gottseidank werden dir solche Klötze scheibchenweise vor die Füße gelegt. Ansonsten hätte ich das Projekt sicherlich niemals umgesetzt“ gesteht er wenig später.

Die Idee für sein Hofbräuhaus-Projekt kam ihm übrigens während seiner Laufbahn bei BMW Malaysia, wo ein guter Kollege stets den heimischen Haxen und dem leckeren Münchener Hofbräu Bier hinterher geweint hat. So etwas müsse es in Malaysia geben, war die einhellige Meinung der beiden Leidensgenossen. Da ihm der Standort in Asien jedoch zu heikel war, ließ sich Gastager wenig später von einer Reise nach Las Vegas inspirieren.

„Die Stadt war damals im Wandel und hatte mit den neuen Casino-Hotels Venetian, Bellagio und Paris beeindruckende Themenwelten erschaffen. Das hat mir imponiert, so dass ich eines Morgens von der Arbeit nach Hause gekommen bin und meiner Frau den Vorschlag machte, doch ein Hofbräuhaus in Las Vegas zu eröffnen. Die Reaktion können sie sich in etwa vorstellen“ lächelt der heutige Hofbräuhaus-Chef. Doch Frau Gastager hat sich schnell vom ersten Schock erholt und ihren Mann bei allen weiteren Schritten kräftig unterstützt, so dass im Januar 2004 tatsächlich ein Hofbräuhaus in Las Vegas seine Tore öffnen konnte. „Die Fachleute in den USA haben nur mit dem Kopf geschüttelt und alles in Frage gestellt, was wir vorhatten“ erklärt mir Stefan Gastager. „Ihr habt nur ein einziges Bier im Ausschank? Ihr habt kein amerikanisches Essen? Und überhaupt: Amerikaner setzen sich nicht zu anderen Gästen an den Tisch“ waren die Gegenargumente.

Doch natürlich kam es anders und das Hofbräuhaus wurde auch im fernen Las Vegas zur Legende. „Lediglich ein paar kleinere Anpassungen mussten wir vornehmen“ gesteht Gastager. „So wird die Brezn warm serviert, die Weißwurst stets gegrillt und das Hendl brav von einer Sauce flankiert. Ansonsten wäre es dem Amerikaner viel zu trocken“. Jeden Abend spielt im Hofbräuhaus eine Live-Band auf, die extra aus Deutschland oder Österreich eingeflogen wird. Dazu gibt es kulinarische Schmankerl aus der Heimat und frisches Hofbräu Original direkt aus München.

Besonders stolz ist Stefan Gastager über die Nachbildung des Hofbräuhauses selbst, welches nach den Originalplänen des Münchener Stammhauses umgesetzt wurde. 70.000 Ziegel kamen dafür extra aus Bayern nach Las Vegas, um die Dachkonstruktion zu stellen. Die Wandmalereien wurden sorgfältig abfotografiert und mit Projektoren an die Wand geworfen, damit man sie möglichst detailliert nachzeichnen konnte.

Sogar der Himmel wurde aus Bayern nach Vegas importiert, denn natürlich trinkt und isst man im Biergarten unter einem künstlichen Firmament, da es im Winter meist zu kalt und im Sommer viel zu heiß für einen offenen Ausschank ist.

Einzig Stammgäste lassen sich für Stefan Gastager und sein Team schwer aufbauen, da der Durchschnittsgast nur 3 ½ Tage in Las Vegas verbringt, so dass man immer wieder aufs Neue beginnt, Gäste für das Thema Hofbräuhaus zu begeistern. Dabei helfen die vielen Fachmessen und die gute Lage etwas abseits des berühmten Strips, was bei Einheimischen gut ankommt, die ein feuchtfröhliche Erlebnis „Made in Germany“ erleben wollen.

„Besonders zur Oktoberfestzeit brennt bei uns die Hütte“ erzählt Stefan Gastager. „Am Anfang haben wir uns noch exakt an den Zeitraum des Originals in München gehalten, bis wir festgestellt haben, dass das hier in Amerika wirklich niemanden interessiert, so dass unsere Wiesn mittlerweile stolze 6 Wochen dauert“. Überhaupt sind Events der Aufhänger für steigende Gästezahlen, wie zum Beispiel die Kopie des berühmten Ball Drops aus New York, der an Silvester etliche durstige Kehlen ins Hofbräuhaus gelockt hat. Im nächsten Jahr soll es übrigens eine Interpretation des Münchener Faschings geben, um noch mehr bayerische Lebensfreude in die Spielerstadt zu tragen. So viel Unternehmergeist und Enthusiasmus ist einfach ansteckend, so dass es mittlerweile in Las Vegas einen offiziellen Hofbräuhaus-Las-Vegas-Tag gibt, der jedes Jahr am 31. Januar gefeiert wird. Alles schriftlich festgehalten in einer Urkunde, die das Team zum 10-jährigen-Jubiläum im Jahr 2014 vom Bürgermeister der Stadt Las Vegas höchstpersönlich überreicht bekommen hat.

Stefan Gastager hat es geschafft und seinen Traum von einem Hofbräuhaus in der Wüste Nevadas verwirklicht. Er hat alle Steine aus dem Weg gerollt und begrüßt heute Gäste und Showgrößen aus der ganzen Welt in seiner Bierhalle. Dazu zählen übrigens auch die beiden deutschen Legenden Siegfried und Roy, die es sich nicht haben nehmen lassen, den ein oder anderen Anstich im Hofbräuhaus zu inszenieren.

Man hilft sich in Amerika und ist stolz auf den Anderen, der es geschafft hat, im härtesten Markt der Welt Fuß zu fassen. Bleibt nur die Frage an Stefan Gastager, ob er bei all den Abenteuern in der Ferne nicht auch seine bayerische Heimat ein wenig vermisse. Die Antwort kommt klar und selbstbewusst, wie es seine positive und zielstrebige Art nun einmal ist: „Ich habe hier alles, was ich für ein gutes Leben brauche. Das hervorragende deutsche Essen, täglich schönes Wetter und die entspannte amerikanische Lebensart, von der wir Deutschen uns eine ordentliche Scheibe abschneiden können. Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas. So werde ich es auch halten“.

Frisches Hofbräu München direkt vom Fass, original bayerische Küche und dazu ein rauschendes Oktoberfest solange wie die großen Ferien. Das klingt für viele Besucher auf der ganzen Welt eindeutig nach dem Paradies. Ich verabschiede mich von Stefan Gastager mit dem Versprechen auf ein Wiedersehen und drehe mich ein letztes Mal um. Ein grünes Straßenschild schiebt sich nonchalant in die leuchtend strahlende Kulisse des Hofbräuhauses und gibt dem Ort die passende Adresse: Paradise Road.

Die Fata Morgana verschwindet im Rückspiegel meines Mietwagens und ich verlasse Las Vegas mit dem Gefühl, ein Stück Heimat mitten in der Wüste Nevadas gefunden zu haben.

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