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Travel Guide Santa Fe

„Es ist ein Ort voller Inspiration und explosiver Kreativität. Gefüllt mit Überraschungen, Zauber und Magie. Ein Ort, den man nicht beschreiben kann. Man muss ihn sehen, man muss ihn spüren, man muss ihn erleben“. Ich blicke in die funkelnden Augen meines Gastgebers Walt Wyss im Four Kachinas Inn und spüre Adrenalin und Vorfreude in mir aufsteigen. Er spricht von einem immersiven Gesamtkunstwerk namens „Meow Wolf“, doch genauso gut könnte er über seine Heimatstadt Santa Fe und den Nordosten New Mexicos reden.

„Land of Enchantment“, Land der Verzauberung, heißt es vielsagend auf den Autokennzeichen des amerikanischen Bundesstaates und das ist gleichzeitig auch das Motto der nächsten drei Tage, die mehr oder minder zufällig im verrückten „Meow Wolf“ von Santa Fe ihren Höhepunkt finden werden. Doch der Reihe nach, denn die Geschichte beginnt an einem Ort, den es für viele Jahre auf keiner Karte der Welt zu finden gab.

Ah-shi-sle-pah Wilderness

Du fährst auf dem Highway 550 für 28,3 Meilen von Bloomfield nach Süden. Dann biegst du rechts ab auf die SR 57, die nach etwa 3 Meilen von Teer auf Sandbelag wechselt. Dabei solltest du stets das Wetter im Auge behalten, da die Piste bei Regen und Schnee unpassierbar ist.

Nach exakt 18,3 Meilen lässt du dein Auto stehen und folgst zu Fuß für 0,6 Meilen der alten verlassenen Straße. Danach bist du auf dich allein gestellt. So in etwa lauten die wenigen Beschreibungen im Internet, die mich in diese Mondlandschaft der Ah-shi-sle-pah Wilderness mitten ins Indianerland New Mexicos verschlagen haben. Ein Canyon mit turmartigen Gebilden aus Sedimentgestein, den sogenannten „Hoodoos“, tut sich auf und scheint mich verschlingen zu wollen, da der lehmige Boden leicht nachgibt und für die ein oder andere unfreiwillige Rutschpartie sorgt. Doch die Faszination, alleine auf diesem „fremden Planeten“ gelandet zu sein, lässt mich die strapaziöse Anreise glatt vergessen.

Es gibt noch mehr von diesen schaurig-schönen Schauplätzen in New Mexico, die ein Fotograf im Jahr 2012 zufällig auf Google Earth entdeckt hat. Doch die Sonne neigt sich bereits dem Horizont entgegen und mein Gastgeber Walt erwartet mich im Künstlerstädtchen Santa Fe.

Four Kachinas Inn

Natürlich gibt es viele Hotels in Santa Fe. Wer allerdings der Atmosphäre dieser außergewöhnlichen Staaten-Hauptstadt gerecht werden will, der sollte so privat wie möglich in einem Bed & Breakfast übernachten. Das Four Kachinas Inn liegt direkt am Rande der historischen Altstadt und hat mit Walt Wyss nicht nur den besten Touren-Guide, sondern gleich noch einen herausragenden Cookie & Brot-Bäcker als Gastgeber.

Alles selbst gemacht und garantiert „Gluten-free“ was der gute Walt am frühen Morgen auf den Tisch zaubert. Dazu gibt es sechs individuell gestaltete Zimmer im spanischen Kolonialstil, die perfekt auf das historische Zentrum der Altstadt einstimmen. Jeden Morgen bespreche ich mit Walt das Tagesprogramm und lasse seine Empfehlungen für Restaurants, Galerien und Ausflugstipps mit einfließen. Dackel-Dame Hannah leistet uns dabei Gesellschaft und versucht den ein oder anderen heruntergefallenen Krümel von Walts berühmten „no knead bread“ aufzusaugen.

Man fühlt sich schnell wohl im Four Kachinas, so dass aus zwei geplanten Tagen plötzlich drei werden, die ich gut und gerne in eine Woche verwandelt hätte, denn Walt fallen immer tausend Dinge ein, die ich unbedingt noch sehen und erleben muss.

Historic District und Canyon Road

Santa Fe ist allein aufgrund der Architektur, die an ein riesiges indianisches Pueblo erinnert, einmalig auf diesem Planeten. Unzählige Galerien, Museen, Boutiquen, Cafés und die älteste Kirche Amerikas bestimmen das Stadtbild im historischen Zentrum und sorgen für eine Überflutung der Sinne.

Im Schachbrettmuster der Straßen rund um die zentrale Plaza, entdeckt man immer wieder neue Inspirationen, Orte und Menschen. So wie Stan Natchez, dessen imposante Galerie ich zufällig in der Palace Ave entdecke. Stan hat heute früher geöffnet als sonst, da er noch ein Bild zeichnen möchte, so dass er sich die Zeit nimmt, mit mir ein wenig zu plaudern.

Mit einem „Don´t be so German“ signalisiert er mir, dass ich mich ruhig von meinem Stehplatz auf den gegenüberliegenden Stuhl verpflanzen kann, um über seine Erfahrungen in meiner Heimatstadt München zu sprechen. Im Amerikahaus hat er einst seine Bilder ausgestellt, im Café Altschwabing gefrühstückt und mit der Lokalgröße Wolfgang Fierek die ein oder andere Spritztour auf der Harley Davidson unternommen. Am Ende gehe ich mit zwei Kunstwerken nach Hause, die nicht mal von Stan selbst, sondern von seinem Sohn kreiert wurden. Macht nichts, sagt der stolze Vater, der seine Galerie als Familienausstellung versteht, die in Santa Fe eine Einzelstellung genießt.

Wer jetzt auf den Geschmack von Kunst und Kreativität gekommen ist, der sollte noch den Abstecher zur berühmten Canyon Road wagen, wo sich ein wahres Dominospiel an Galerien bis zum Horizont ausbreitet.

Dabei gehen Kunst und Umgebung eine spannende Symbiose ein und sind prägendes Element eines einzigartigen Stadtbildes.

Restaurant Martin

Restaurantsuche heißt in Santa Fe die Qual der Wahl zwischen gut und großartig. Mir ist die Entscheidung dennoch leichtgefallen, denn mit dem Restaurant Martin gibt es einen leuchtenden Stern am Himmel New Mexicos, der regelmäßig ausgezeichnet und zum Strahlen gebracht wird. Was Küchenchef Martin Rios hier als 3-Gänge-Menü serviert, ist nicht nur den nationalen TV-Stationen ihre wertvolle Sendezeit wert, sondern diente mir zwei Tage lang in Folge als kulinarischer Abschluss eines perfekten Tages.

Ob Hähnchenbrust mit Gnocchi, Black Angus Tenderloin Steak oder Schottischer Lachs, ob Caesar Salad oder Chocolate Cheesecake: Hier hat einfach alles außergewöhnlich gut geschmeckt, sah kreativ zubereitet aus ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren. Lieber Martin Rios, ich vermisse dich jetzt schon.

Kasha Katuwe Tent Rocks

Etwa 45 Minuten außerhalb von Santa Fe liegt das Kasha Katuwe Tent Rocks National Monument, welches eine verrückte Felsen- und Canyonlandschaft bildet, die im Gegensatz zur Ah-shi-sle-pah Wilderness bestens mit dem Auto zu erreichen ist.

Entsprechend voll geht es an einem Samstag zu, da halb Santa Fe auf den Beinen ist und sich durch den spektakulären Slot Canyon windet oder begeistert auf die außergewöhnlichen Gesteinsformationen hinabschaut. Etwa 3 Stunden lasse ich mich auf dieses Landschaftsmonster ein und genieße die langen Schatten der Nachmittagssonne, die sich auf den roten und weißen Fels-Skulpturen brechen.

Skigebiet Taos

Das man in Santa Fe auch ordentliche Schwünge in den trockenen „New Mexico Powder“ fahren kann, weiß nicht nur der Walt. Und obwohl er mir das Hausgebiet in Santa Fe empfiehlt, entscheide ich mich spontan für die größere Variante im zwei Autostunden entfernten Taos, dass auf einer Höhe von 2.800 Metern bis 3.800 Metern über 100 Abfahrten anbietet.

Dabei ist allein der Gedanke, zwischen all der Pueblo-Architektur, ein perfektes Skigebiet vorzufinden, fast surreal. Ganz so perfekt ist es dann allerdings auch wieder nicht, da man als Skifahrer vom Parkplatz zunächst stehend in einem Viehkarren vom Jeep zum Kassenhäuschen gezogen wird. Um 120 Dollar erleichtert, wandert man dann zu Fuß durch ein kleines Skiresort, bevor der erste Lift ohne Sicherungsbügel bis auf 3.500 Meter behände in die Höhe schaukelt. Danach erwarten den Skifahrer allerdings bestens präparierte Pisten und Hänge zum Hinunterstürzen, die ein wenig Aspen-Feeling aufkommen lassen. An den Liftanlagen ist selbst an einem Sonntag wenig los, was man vom Bavarian Restaurant nicht gerade behaupten kann.

Der Laden rockt und erinnert mich mit seinen warmen Brezeln, dem Apfelstrudel samt Hofbräu Bier spontan an meinen Besuch im berühmten Hofbräuhaus von Las Vegas.

Meow Wolf

Wandern, Skifahren, Kunst, Gourmet und Schaufensterbummel. Was habe ich in Santa Fe noch übersehen? „Es gibt einen Ort voller Inspiration und explosiver Kreativität. Man kann ich nicht beschreiben, man muss ihn erleben“. Also gut, lieber Walt. Nichts wie hin zu Meow Wolf, jener Kunstinstallation, die die Macher um „Game of Thrones“ Schreiberling George R.R. Martin, in einer ausgedienten Bowling-Bahn errichtet haben.

Bereits am frühen Montagmorgen bildet sich eine ansehnliche Schlange an Besuchern, die vorab online ihre Tickets gekauft haben, um als erstes durch die 20.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche des „House of Eternal Return“ zu streifen. Was den Neuankömmling dann erwartet, lässt sich wahrlich kaum in Worte fassen, da man nicht nur das verlassene Haus einer kalifornischen Bilderbuchfamilie inspiziert, um persönliche Gegenstände wie Notizen, Fotos und Videoaufzeichnungen nach versteckten Botschaften zu durchsuchen. Nein, man öffnet eine Kühlschranktür und landet dabei in einem Reisebüro für Zukunftswelten.

Man kriecht durch einen offenen Kamin und strandet in einem Traum, der an die fantastischen 3D-Welten aus dem Hollywood-Blockbuster Avatar erinnert. Oder man gleitet in die illuminierte Trommel einer Waschmaschine und taucht an einem völlig anderen Ort vor den Augen halb erschrockener Besucher wieder auf. Meow Wolf ist bunt, leuchtend, dunkel und schaurig zugleich. Es ist voller Kreativität und verrückter Ideen, die dich immer wieder aufs Neue überraschen und sprachlos machen. Genau wie New Mexico, genau wie Santa Fe.

Lieber Martin, lieber Stan. Lieber Walt und liebe Hannah. Ihr lebt an einem inspirierenden Ort, dessen kreative Kraft mich bis nach Hause begleiten wird. Und wer weiß, vielleicht krieche ich ja eines Tages einfach in meine Waschmaschine und tauche bei euch in Santa Fe wieder auf. Meow!

Dieser Artikel entstand auf Einladung des Four Kachinas Inn in Santa Fe. Ein großer Dank gehört dem lieben Walt für die Gastfreundschaft, die wunderbaren Tipps sowie das beste Brot in den Vereinigten Staaten.

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