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Zash Country Boutique Hotel, Sizilien

Irgendwo zwischen dem Gipfel des Ätna und dem wogenden Meer liegt das Zash Boutique Hotel, inmitten eines unendlich großen Obstgartens aus Orangen-, Mandarinen- und Zitronenbäumen. „Wenn du Lust auf frisches Obst hast, bediene dich einfach“ empfängt mich Carlo an der Rezeption und empfiehlt mir gleich eine kostenlose Radeltour über das 13 Hektar große Gelände.

Es ist Frühling auf Sizilien, die Obstbäume stehen in voller Blüte und verleihen der Luft eine süßliche Note, die meiner Stimmung sofort eine gewisse Leichtigkeit verleiht.

Vergessen ist die Fahrt entlang der Autostrada von Messina nach Catania, die mir all die Bausünden Italiens in verdichteter Intensität vor Augen führte. Hier im Zash ist die Welt wieder in Ordnung und die komplett in weiß designten Zimmer erinnern mich fast ein wenig an meine Zeit im Ushuaia Beach Hotel auf Ibiza, so cool und auch so gut duftend, dass man meint, Abercrombie hat im Nachbarzimmer eine komplette Filiale eröffnet. Ich reserviere einen Tisch im Restaurant für den Abend und vertreibe mir die Zeit am Pool, der stylisch als Infinity-Bassin dem Ätna einen Spiegel vorhält. Gefühlt kommen auf jeden Gast hier zwei Liegen, drei Sonnenbetten und ebenso viele Lounge-Sofas.

Einzig die Wassertemperatur lässt mich ein wenig erschaudern, so dass ich den direkten Weg in den SPA-Bereich nehme, wo mich ein beheizter Pool aus Lava-Stein (powered by Etna), eine Sauna und sogar ein Dampfbad recht schnell wieder auf Betriebstemperatur bringen.

Wohl temperiert mache ich mich auf den Weg ins Restaurant, das in einem alten Weinkeller untergebracht ist und moderne Glaswände mit rustikalen Elementen und Porzellan aus der Region verbindet.

Ähnlich kreativ zeigt sich dann auch Küchenchef Giuseppe Raciti, mit seinem eingerollten sizilianischen Schwertfisch und dem herausragenden Tartufo zum Dessert, welches von Weinen aus der Ätna-Region begleitet wird (Anspieltipp: Anemos Etna Bianco von Filippo Grasso).

Und ohne diese Begleitung geht es zunächst auch am Folgetag nicht weiter, wo ich dem höchsten Vulkan Europas aufs 3.350 Meter hohe Dach steigen will. Vom Zash Hotel sind es etwa 30 Kilometer den Hang hinauf bis zum Rifugio Sapienza (1.900 Meter), von wo aus der Triathlon aus Seilbahn, Unimog und „Hiking“ beginnt.

Während man ansonsten im April recht alleine auf Sizilien unterwegs ist, trifft man hier an der Talstation unweigerlich auf die, in dicke Outdoor-Klamotten gehüllte Seniorenfront, welche bereits ellbogenausfahrend die Schießscharten der vier Kassenhäuschen belagert. Für 64 € gibt es dann das volle Programm inklusive Guide, der einen angeblich einmal um einen Mini-Krater auf 2.950 Meter Höhe führt. „Ohne Führung geht gar nichts mehr im Nationalpark und die Besteigung des Ätna-Kraters könnte ich ja sowieso vergessen, wegen den ganzen Schneemassen. Ich soll doch im Mai wiederkommen“ so die entmutigende Aussage des Kassenwarts. Wir werden sehen mein Freund, wir werden sehen.

Die Seilbahn hat den 2. Weltkrieg anscheinend gut überstanden und fungiert im Winter sogar als Skilift. Jetzt setzt sie mich mitten auf dem erkalteten Lavastrom des Jahres 2001 ab, der sogar noch Platz für eine nicht asphaltierte Straße bietet, auf denen die Unimogs die Reisegruppen rauf und runter bugsieren. Mein Freund, der Ätna zeigt sich derweil von seiner schönsten Seite und stößt hin und wieder sogar Rauchschwaden in den stahlblauen Himmel. Dazu weht ein ruppiger Wind, der die Temperatur auf den Gefrierpunkt absenkt und meine Ohren zu kleinen Eisskulpturen formt. Auf einem Geröllfeld werden wir rausgelassen und schön im Halbkreis aufgestellt, um den Worten unseres Führers zu lauschen.

Das ist die Gelegenheit, um zunächst ganz harmlos den Einstiegskrater zu umrunden und um dann schnurstracks, vorbei an der Gruppe, die teils senkrechte (Achtung: Übertreibung) Eis- und Lavawand des Ätnas nach oben zu laufen. Da keiner etwas sagt und auch gerade keine Brocken aus dem Schlund fliegen, ist mein Motto: Mal schauen, wie lange das so gut geht. Obwohl es nur knapp 400 Höhenmeter sind, beginne ich recht früh zu japsen und werde unwillkürlich an meinen Aufstieg zum Kilimandscharo erinnert, so dass ich es etwas langsamer angehen lasse, da weder Wasser noch Proviant vorhanden sind.

Die Landschaft nimmt nun zum Teil bizarre Formen an, da erstarrte Eiskristalle direkt auf den schwarzen Lavasand treffen, der sich im oberen Kraterbereich gelb-grün vom Schwefel färbt. Die Besteigung ist dramatisch schön und für mich der Höhepunkt meiner Sizilien-Tour, denn oben angekommen, kann man tatsächlich in den gefräßigen Schlund schauen, der immer wieder von Wolkenschwaden durchzogen wird.

Die Eckzähne des ausgefransten Kraterrands sind mit Eis und Schnee bedeckt und verleihen dem Ganzen einen wirklich surrealen Charakter und ich muss die Kamera am iPhone mehrmals nachladen, da sie aufgrund der Kälte dauernd ausfällt.

Der Blick nach Westen zeigt eine aufsteigende Wolkenschicht und erinnert mich an die Wetterprognose, die für den Nachmittag tatsächlich Neuschnee im Gepäck hat. Also nichts wie runterrutschen, was auf dem Lava-Schnee-Mix erstaunlich gut funktioniert und zurück zu den Unimogs, die schon auf mich warten. Meine Exkursion scheint unbemerkt und so mache ich mich auf den Rückweg ins wundervolle Zash Boutique Hotel, wo bereits ein frisch gezapfter Orangensaft vom eigenen Hang auf mich wartet.

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung des Zash Country Boutique Hotels und der herausragenden Organisation von Federica Eccel.

Hier findet ihr übrigens meinen Artikel zur spannenden Metropole Palermo.

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