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Sass Pordoi, Südtirol

Leicht verspätet setzt die Maschine aus Hamburg auf dem regennassen Asphalt der Landebahn am Franz Josef Strauß Flughafen auf. Um möglichst schnell ins Wochenende zu gleiten, akzeptiere ich sogar Sitzplatz 7B und lasse mich von zwei gut beleibten Schlipsträgern ordentlich ins Sandwich nehmen. Denn dieses Münchner Übergangswetter aus Rollsplitt und Nebel werde ich mir definitiv nicht antun.

Zumal in meiner Wahlheimat Südtirol zwei mal 10 Sonnenstunden prognostiziert sind. Doch ich habe die Rechnung natürlich ohne die alljährliche Sicherheitskonferenz gemacht. Es staut sich etwas und die Autobahnbrücken glänzen mit einem Überproporz an Polizeipräsenz. Da hilft nur RedBull gepaart mit meinem inneren Antrieb, noch vor Mitternacht im Zielgebiet zu erscheinen, denn schließlich wartet Nadia Grones Feichter aus dem Hotel Grones in St. Ulrich auf mich.

Es ist exakt 23.04 Uhr als der letzte Gast die Rezeption betritt und sich über einen herzlichen Empfang freut. Sie müssen unser Schwimmbad ausprobieren, unbedingt das wundervolle Essen und unser Kamin ist besonders schön am Abend. Und ach ja, da hätte ich noch eine ganz besondere Skigebiets-Empfehlung für sie. An einschlafen ist danach nicht mehr zu denken. Beflügelt durch den Energydrink und die zahlreichen Tipps für den Samstag, gehen meine Gedanken erst einmal auf eine veritable Achterbahnfahrt.

Der Wecker rasselt um 7 Uhr und erste Sonnenstrahlen mühen sich bereits über die imposante Sella Gruppe. Vor dem Start noch ein butterzartes Croissant mit Nutella und dann wähle ich Wolkenstein mit dem Kabinenlift Dantercepies als Einstieg in die Sellaronda. Schon beim Anstieg wird klar, warum die Südtiroler mittlerweile Wissenschaftler ihren Kunstschnee anrühren lassen. Diese analysieren die Schneekristalle, setzen sie in Korrelation zur Außentemperatur und lassen das Gemisch dann über die ca. 5.000 Schneekanonen ins wunderbare Dolomiti-Superskigebiet zerstäuben.

Und tatsächlich, der Schnee fühlt sich mittlerweile bis zum späten Nachmittag hervorragend an und das, obwohl die Sonne unbarmherzig die gewaltigen Hänge zum Schmelzen bringt. Ich lasse mich genussvoll über die Abfahrten 41 (rot) und 40 (baby-blau) nach Golfosco und anschließend mit der Gondel direkt nach Corvara bringen. Danach wähle ich die kilometerlange Talabfahrt nach San Cassiano, nur um kurz vor dem Ziel nach Armentarola abzuzweigen.

Denn von hier soll der Shuttlebus den Skifahrer über die Passstraße ins Landschaftsmonster Lagazuoi bringen. Diesen Geheimtipp habe ich heute allerdings nicht exklusiv bekommen und so warten bereits rund 100 genervte Skifahrer auf einen Bus, der niemals kommen wird. Stattdessen kreist hier die Dorfmafia in Form von drei Sammeltaxis, die für 6 zusätzliche Euros/Person, den Service übernehmen. Aber nur, wenn sich 5 Mitfahrer finden. Die finden sich, aufgrund des Ansturms, allemal und so breche ich etwas ernüchtert ab. Die Laune ist jetzt deutlich unter der Außentemperatur. Da helfen nur Kalorien in Form eines Kaiserschmarrens, den ich mir im Refugio Plan Boe kredenzen lasse. Ist okay, aber nicht überragend und für 14 Euro deutlich zu teuer. Entspanne dich, denke ich mir und lenke mich mit ein paar meiner Lieblingsabfahrten vom Pralongiá ab. Die Hütte am Cherz wurde vollkommen renoviert, warum nur, die war doch super? Von Arabba gibt es jetzt anstatt zwei, gleich drei Kabinenbahnen, die den Skifahrer auf die orange Sella katapultieren. Aha.

Auf dem Porta Vescovo überragt ein schickes Mountain Resort in knapp 2.500 Metern Höhe. Könnte man auch mal hin. Noch bin ich nicht im Wohlfühlmodus, bis ich schließlich die etwas versteckt gelegene Seilbahn auf den Sass Pordoi entdecke.

Die Auffahrt ist nichts für Skifahrer, denn auf dem 2.950 Meter hoch gelegenen Plateau gibt es keine Pisten. Also Skier abschnallen und mit der Gondel (der Preis ist im Superski-Tagespass enthalten) in einem Rutsch ins Steilgehänge. Was für eine Aussicht und das gleich auf zwei Plattformen.

Ich schließe meinen Frieden, mit dem abgebrochenen Tag und genieße die goldig-gelben Sonnenstrahlen, die die majestätischen Klötze in ein Amphitheater verwandeln. Moment mal: goldig-gelb? Es ist bereits 15.30 und in 90 Minuten schließen sämtliche Liftanlagen, während ich noch zwei Skigebiete im Uhrzeigersinn zu überwinden habe. Leider so manch anderer Skifahrer auch und so türmen sich erste Menschenpyramiden vor den Liftanlagen. Was jetzt beginnt, erinnert etwas an den Wettlauf gegen die abgestorbene Tanknadel.

Ich stelle augenblicklich das Fotografieren ein, erhebe mich aus der „Hoffentlich-fall-ich-nicht-hin-Hocke“ und verzichte weitestgehend auf Schönheitskurven. Der Lohn des Endspurts, ist die Zieleinfahrt um exakt 16.57 Uhr. Was mache ich jetzt bloß mit den restlichen 3 Minuten? Fortsetzung folgt…

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung des Hotels Grones.

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