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Cusco, Peru

Cusco ist so etwas wie ein wahrgewordener Touristentraum. Die einstige Inkahauptstadt, vereinheitlicht in ihrem Zentrum einfach alles, was man sich als Reisender so wünscht. Großangelegte Plätze, prunkvolle Kathedralen, sehr gute einheimische Restaurants und die bunte Vielfalt der Menschen Perus.

Doch der Reihe nach. Eingecheckt bin ich im JW Marriot, direkt im Historischen Zentrum. Und tatsächlich haben sich die knapp 300 $/Nacht gelohnt, denn zentraler kann man kaum wohnen. Zudem sind Frühstück und auch Dinner im hauseigenen Restaurant Pirqa wirklich top. Direkt um die Ecke ist die Plaza de Armas, so etwas wie die Keimzelle der Stadt.

Peru_Cusco_turnagain

Gleich 3 Kathedralen prägen dieses Gesamtkunstwerk. Und ich habe Glück, denn es ist „Festival of the Sun“, was bedeutet, dass wochenlang Straßenkarneval gefeiert wird und die Einheimischen in wundervollen Kostümen, ihre Paraden abhalten. Wiesn meets Karneval, doch ohne die Alkohol-Exzesse.

turnagain_Cusco_Fiesta

Ich lasse mich durch die engen Gassen aus Kopfsteinpflaster fallen und erreiche den Mercado San Pedro. Alle Touristen scheinen plötzlich verschwunden und man trifft wieder auf Cuscenians, die ihre Waren anbieten. Obst, Gemüse, Ziegenköpfe und sonstige Innereien. Das ist nicht immer ein optisches Vergnügen, aber spannend, weil so anders.

San_Pedro_Cusco_turnagain

Ein Besuch im Pisco Museum, wo es den berühmten peruanischen Pisco Sour besonders groß und stark gibt, darf ebenso wenig fehlen, wie der Abstecher zum Inka Museum. Auch wenn das eher etwas enttäuschend ist. Die Präsentation der Exponate wirkt deutlich in die Jahre gekommen. Aber bei 3 $ sollte man nicht meckern.

Cusco_Woman_turnagain

Doch Cusco ist natürlich auch der ideale Ausgangsort für Trecking-Touren in die Umgebung. Durch ein Foto auf Instagram bin ich auf einen etwas ungewöhnlichen Ausflug gestoßen. Der Rainbow Mountain liegt etwa 160 Kilometer südöstlich von Cusco entfernt, mitten im Hochgebirge der Anden. Normalerweise bedeutet das 2 Tage Trecking mit Zelt und Schlafsack. Nix für mich, dass muss doch schneller gehen. Und siehe da, es gibt eine Crash-Tour, die den ganzen Spaß in rund 16 Stunden abfackelt. Das heißt aber auch 2.20 Uhr aufstehen, denn um 3 Uhr steht der Private-Guide samt Fahrer an der Rezeption. Danach geht es rund 3,5 Stunden durch die sternenklare Nacht über Schotterstraßen auf über 4.000 Metern Höhe. Zwischendurch fehlt mal wieder ein Stück des Weges und Baumstämme und Steine werden händisch eingesetzt, um Flüsse oder Erosionsrinnen zu überwinden. Es ist immer noch stockfinster, als wir schließlich unser Basislager erreichen.

Base_Camp_turnagain_Peru

Der Guide lässt uns aufgrund extremer Kälte im Auto verweilen, um schnell ein Zelt an einem Flusslauf zu errichten und heißen Koka-Tee zu kochen. Wir sind zunächst völlig alleine hier oben, dazu läuft im Radio mal wieder „Sempre Sempre“ von Al Bano. Langsam geht die Sonne auf und die weiße Spitze des 6.384 Meter hohen Ausangate Mountain wird in erstes Licht getaucht.

Sunrise_Ausangate_Mountain_turnagain

Was für eine Stimmung! Die umso rüder von sechs weißen Mercedes-Sprinter unterbrochen wird, die touristisches Frischfleisch anliefern. Während diese in dicke Outdoor-Klamotten und selbstgehäkelte Alpaka-Mützen bis zur Unkenntlichkeit gegen die Kälte geschützt sind, sehen wir eher wie Reisende aus dem GQ-Magazin aus. Auf mein Haar kommt jedenfalls kein Alpaka-Strick. Geschlagene 45 Minuten später ruft unser Guide endlich zum Frühstück. Das provisorische Zelt schützt vielleicht vor Wind, vor Kälte tut es das nicht. Doch Tee und trockenes Käsebrot wirken Wunder.

Mount_Ausangate_Peru_turnagain

Folglich drücken wir auf die Tube, denn die Kollegen Outdoor wollen schließlich noch abgehängt werden. Doch die sind längst „on the road“, also nix wie hinterher. Und bereits nach wenigen Kilometern machen die meisten schlapp, japsen nach Luft und satteln aufs Pferd um. Das ist die Chance vorbeizuziehen.

Trail_Rainbow_Mountain_Peru_turnagain

Der erste Streckenabschnitt verläuft durch ein sanftes Tal, vorbei an Alpakaherden und vereinzelten Häusern der Hirten, die tatsächlich in dieser Einsamkeit leben. Die Andenlandschaft gleicht einem Gemälde, der Himmel stahlblau, die Temperatur steigt allmählich bis auf T-Shirt Niveau.

Alpaca_Peru_turnagain

Vor uns nur noch ein Mexikaner und ein paar Frauen aus dem Dorf, die Wasser und Bier, ja Bier, auf den Berg tragen. Und das jeden Tag. Die Mädels werden auch noch geschlagen, doch der Gaucho erweist sich als zäher Brocken, denn nun steigt der Pfad allmählich bis zur Endmarke von 5.000 Höhenmetern an. Der Puls beschleunigt, der Druck im Kopf steigt deutlich an, doch ich kämpfe mich bis nach oben. Aus veranschlagten 3, werden 2:15 Stunden und wir haben den einzigartigen Rainbow Mountain für uns ganz alleine. Mit Ausnahme von „Kollege Mexico“ und zwei kleinen Hunden, die wohl zum Berg gehören.

Rainbow_Mountain_Andre_Gebel_turnagain

Der Blick vom Gipfel ist ein perfektes 360-Grad-Panorama in alle Himmelsrichtungen. Unser Guide quittiert japsend die Laufleistung mit einem „very good“ und lässt eine Runde Snickers und Bananen springen. Selten hat dieser Erdnuss-Balken so überragend geschmeckt, so dass ich unserem Spender sein ewiges „very good“ gar nicht mehr übelnehme. „Alpaka is good“, „German Food is very good“ und „the dünne Luft hier oben is very very good“. Auf der Rückfahrt habe ich mich jedenfalls schlafend gestellt, um weiteren Weissagungen aus dem Weg zu gehen. Das war gar nicht so einfach, denn „the Kopfstütze in the car was leider not so very very good“.

Epilog: Nix gegen unseren Guide. Er war stets bemüht und motiviert das Optimale aus diesem einmaligen Ausflug herauszuholen. Mit Freude riss er sich um jedes Foto. Zu Recht…

turnagain

Mehr Peru gibt es in meinem Reisebericht über Machu Picchu.

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