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Machu Picchu, Peru

Das Abenteuer Machu Picchu beginnt exakt um 3:45, als der Wecker die Nacht, die keine war, recht unsanft beendet. Das Taxi donnert auf einsamen Straßen zum Flughafen Jorge Chavez in Lima. Doch schon nach wenigen Flugminuten stellt sich Vorfreude ein, denn die Avianca gleitet über eine karge Andenlandschaft, die hin und wieder durch schneebedeckte Gipfel unterbrochen wird.

Am Flughafen in Cuzco wartet schon unser privater Reiseleiter von Kondor Path Tours mit dem Programm für die nächsten 2 Tage. Es geht ins Sacred Valley, ins heilige Tal der Inka. Meine Laune könnte kaum besser sein. Der Himmel stahlblau, der Blick auf die Millionenstadt Cuzco von der weißen Christusstatue atemberaubend und die anstehenden Exkursionen vielversprechend.

Cuzco_Peru_turnagain

Doch der Kulturschock lässt nicht lange auf sich warten, denn unsere Reiseleiterin lässt uns an einem kleinen Touristenmarkt die Füße vertreten. Und während man in Ecuador meist alleine unterwegs war, ist das hier schon eher Disneyland. Entsprechend passen sich die Auslagen der Händler an den Geschmack der Reisenden an. Flausch-Lamas, Panflöten und Ponchos stehen auf dem Programm. Kinder mit kleinen possierlichen Zicklein im Arm posieren professionell fürs Foto.

Cuzco_turnagain

Erst einmal durchatmen. Wird sicher besser. Nächster Stopp, die Lama-Farm. Hier sind alle Arten auf kleinstem Raum vertreten, was allerdings eher den Eindruck eines Zoogeheges vermittelt. Und überraschenderweise endet der kleine Rundgang auch in einem hochprofessionellen Luxus-Shop für Alpaka-Mode. Die Reiseleiterin wirkt, aufgrund meiner demonstrativen Kaufenthaltsamkeit, etwas irritiert. Was wollen diese Deutschen denn dann? Na ja, in erster Linie etwas sehen. Und dann legt sie los. Es geht in die Bergfestung der Inka, nach Pisac.

Pisac_Sacred_Valley_turnagain

Und zum ersten Mal erschließt sich mir der Zauber dieser Bergwelt, denn die Inka haben wunderbare Terrassen in den Fels geschlagen um dort Kartoffeln, Korn und manchmal auch Koka-Pflanzen anzubauen. Insgesamt waren die Jungs sehr „chillig“ unterwegs.

Sacred_Valley_Peru_turnagain

Es wurde viel zelebriert, hin und wieder eine Jungfrau geopfert und ansonsten gebaut und angepflanzt. Pisac bewacht den Südeingang des Valle Sagrado. Um den Nordeingang kümmert sich die Festung in Ollantaytambo.

Ollantaytambo_Peru_turnagain

Das Tolle hier: Gebäude, Inka-Terrassen und die engen Gassen befinden sich nahezu im Original-Zustand. Man bekommt einen guten Eindruck von der Bauweise und Stadtplanung der Inka. Jetzt aber erst mal Schluss mit Ruinen, wir widmen uns dem lokalen Bier namens Cusquena. Schmeckt nach mehr und liefert die richtige Stimmung für die Zugfahrt nach Aguas Calientes. Denn mit dem Auto ist Machu Picchu nicht beizukommen. Die Schlucht ist so schmal, dass nur der Zug hindurchpasst und mit dem Night-Train geht es dann durch die sternenklare Nacht dem Höhepunkt entgegen.

Aguas_Calientes_turnagain

Völlig übermüdet schäle ich mich aus dem Abteil, um direkt im Hotel zu landen. Aguas Calientes liegt in einem schmalen Tal, welches von hohen Felsen umgeben ist. Entsprechend gruppieren sich die paar Hotels und Backpacker-Unterkünfte direkt an den Schienen. Dazu ein kleiner Markt mit Kitsch & Co., ein paar Kneipen und fertig ist der ganze Wahnsinn. Die Möchtegern-Aussteiger verschwinden irgendwo in schummrigen Hostels und wir sind tatsächlich alleine im Hotel. Für 6 gefühlte Stunden zurück im einsamen Ecuador, denn dann klingelt auch schon wieder der Wecker. Spätestens um 6 Uhr musst du in der Menschenschlange für den Bus stehen, der dich in 30 Minuten auf den Machu Picchu bringt. Es ist noch tiefe Nacht, der Fluss rauscht wie Wahnsinn und die Reisenden stehen brav, Straßenzug um Straßenzug, um endlich hochgefahren zu werden. Oben angekommen, rauschen mir erst einmal üppige Nebelschwaden entgegen.

turnagain_machu_picchu_peru

Irgendwo da unten ist sicher die berühmte Inkasiedlung. Doch ich drossele meinen Puls, denn es ist gerade mal 7.10 Uhr. Und tatsächlich, erste Mauern und Tempel lassen sich ausmachen. Der Zuckerhut-Verschnitt Huayna Picchu blitzt teilweise durch. Ich knipse los wie ein Wahnsinniger, Inka Bridge, Temple of the Sun, Tempel des Kondors, alles kaum zu sehen, doch die Filter werden es schon richten. Mittlerweile schieben sich die Touristenmassen durch die engen Gassen der Ruinenstadt. Pro Tag sind 3.000 Besucher zugelassen. Aus meiner Sicht mindestens 2.000 zu viel. Man kann diesen, landschaftlich herausragenden Ort, kaum in Ruhe genießen, denn die Generation Facebook schiebt dir sicher gerade wieder einen Selfie-Stick vor die Nase. Unser Guide läuft jetzt zur Höchstform auf und lässt die Inka vor unseren Augen auferstehen. Im 15. Jahrhundert erbaut, 1911 entdeckt, für 1.000 Leute zugelassen, doch nur von 300 bewohnt. Am Ende waren wohl nur noch Frauen da und schließlich sind auch die einfach für immer verschwunden und haben die Buden niedergebrannt und die Schätze vergraben.

Machu_Picchu_turnagain

Nach der wirklich guten Führung haben wir noch 3 Stunden um die Anlage selbst zu erkunden. Und siehe da, der Nebel schwindet und die Sonne übernimmt die Vorherrschaft. Was für eine Landschaft, denke ich mir auch auf der Rückfahrt im Vistadome, dem Panoramazug, der über zusätzliche Dachfenster verfügt. Links und rechts türmen sich die 3.000er auf, im Hintergrund sind gar die schneebedeckten 6.000er zu sehen. Viel zu schön, um sich mit dem Smartphone zu beschäftigen. Eigentlich…

Vistadome_Peru_turnagain

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