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Athen, Griechenland

Die untergehende Sonne verwandelt die Oberstadt in eine goldene Kuppel und pumpt ein Gefühl abhanden gekommener Leichtigkeit durch meine Venen. Es ist ein Anblick wie vor 3.000 Jahren, den man vom Observatorium auf die Tempelanlage der Akropolis genießt und es ist die Erinnerung an einen verlorenen Spätsommer, der auf den Straßen am Akropolishügel noch einmal zum Greifen nahe wird.

Ein Musiker zupft verträumt an seiner Gitarre und gibt ein wenig griechische Folklore zum Besten, während ein Maler seine Werke, den wenigen Touristen zum Kauf anbietet.

Wir kommen ins Gespräch und er erzählt mir vom Sterben der Zugvögel, die in diesem Frühjahr durch kalte Strömungen und starke Winde von ihrem Weg abgebracht wurden. Er sagt, es wäre ein Zeichen für Veränderung und damit sollte er wohl recht behalten. Doch er sagt auch, dass sich die Athener ihre Lebensfreude stets erhalten haben und die Geschichte dieser einzigartigen Stadt immer weitergehen wird. Und auch damit wird er wohl recht behalten, denn Athen ist eine Liebeserklärung an all jene Reisende, die sich von einer Stadt überraschen und verzaubern lassen wollen. Athen ist größer, vielseitiger, älter und gleichzeitig moderner, als man sich im Vorfeld auszumalen glaubt.

Also begeben wir uns auf eine Entdeckungsreise, die für jeden Besucher ein wenig anders aussehen wird, selbst wenn der Ursprung vielleicht derselbe ist. Für mich ist es jedenfalls das zeitgenössische New Hotel, welches im Herzen des Stadtteils Plaka direkt am Fuße der Akropolis liegt.

Der Besitzer Dakis Joannou ist ein begeisterter Kunstsammler, der das New Hotel vor 10 Jahren zu einer erlebbaren Vernissage mit Werken von Jeff Koons bis Laurie Anderson umgestaltet hat.

Dabei findet Kunst nicht nur in der Lobby oder den außergewöhnlichen Restaurants statt, sondern zieht sich bis in die 79 Zimmer hinein, von denen jedes ein wenig anders konzipiert wurde und damit reichlich Spielraum für einen Wiederholungsbesuch lässt.

Mein Lieblingsort im Hotel ist die coole Rooftop-Bar mit ihren Plüsch-Stühlen und goldenen Lampen, von dessen Dachterrasse man der hell erleuchteten Akropolis stilvoll zuprosten kann.

Athen zeigt mit dem New Hotel, wie es seine Traditionen erhält und Neues in Form von Kunst und mondäner Lässigkeit hinzuaddiert. Dieses Gefühl zwischen zwei Welten zu wandeln, sollte sich auch in meiner ersten Stippvisite durch das Plaka-Viertel manifestieren. Ich mache mir erst gar nicht die Mühe auf den Stadtplan zu schauen, sondern werde direkt von den geschäftigen Gassen verschluckt und in Richtung Monastiraki Flohmarkt getragen, dessen kitschige Geschäfte aus Kunsthandwerk, T-Shirts und Souvenirs mich spontan an die großen Basare in Marrakesch oder Istanbul erinnern.

Am Ende steht man auf dem gleichnamigen Platz und blickt auf eine architektonische Vielfalt aus Orthodoxer Kirche, Moschee und den Säulen der berühmten Hadrian´s Bibliothek. Typisch Athen eben, genauso wie das etwas skurrile Little Kook Café, das zu dieser Jahreszeit komplett als Geisterhaus im Halloween-Gewand dekoriert ist und die Instagram-Gemeinde in Verzückung bringt.

Mit einer unglaublichen Detailgenauigkeit haben die Interieur-Designer ihren Job gemacht, der sich viermal im Jahr wiederholt, denn neben Halloween gibt es auch noch eine Piraten-, Mary-Poppins- und Weihnachtsdekoration. Bei all den Hinguckern vergisst man fast seine Bestellung aufzugeben, was in Anbetracht von außergewöhnlich üppigen Crêpes und Waffeln viel zu schade wäre. Die Straßenzüge rund um das Little Kook sind übrigens vollgepackt mit optisch und kulinarisch erstklassigen Kneipen und Restaurants, die die Wahl am Abend in der Tat zur angenehmen Qual machen.

Ich habe mich jedenfalls für das thes Restaurant entschieden, welches auf kreative griechische Küche setzt und Kreationen außerhalb der klassischen Komfortzonen anbietet. Unbedingt reservieren und hingehen! Auf dem Weg lohnt sich zudem ein Besuch des Tempel des Hephaistos, der etwa 430 Jahre vor Christus fertiggestellt wurde und noch sehr gut erhalten ist.

Hier kann man im Schatten der berühmten Akropolis relativ ungestört über die archäologische Stätte spazieren und Geschichte Revue passieren lassen.

Am nächsten Morgen starte ich den Tag mit einem Power-Frühstück im New Hotel, das aus Rührei mit Speck, einem vollgepackten Korb an Brotspezialitäten und dem frisch gepressten Orangensaft besteht. All das wird nötig sein, denn trotz aller Vorurteile gegen Planungsfanatiker, habe ich meine Tickets für den Besuch der Akropolis bereits online gekauft und ausgedruckt.

Doch am frühen Samstag ist noch wenig los, so dass man ohne Gedränge durch die Ruinen und Säulenreste langsam den Aufstieg zum 156 Meter hohen Hochplateau angehen kann, wo die Überreste der Propyläen, das Erechtheion, der Niketempel und der weltbekannte Parthenon tief beeindrucken.

Dabei überrascht mich vor allem die schiere Größe des Geländes, da es aus mehreren Tempelanlagen besteht und mit dem etwas unterhalb vom Haupthügel gelegenen Odeon des Herodes Atticus, noch ein sehenswertes Theater besitzt, das seit den 1930er-Jahren regelmäßig bespielt wird.

Allein hier könnte man Stunden verbringen oder dem berühmten Akropolis-Museum einen Besuch abstatten, wenn nicht noch weitere Höhepunkte wie der Nationalgarten, der Syntagma Platz oder das Grabmal des unbekannten Soldaten auf mich warten würden. Das Denkmal ist dann auch der Ort für die alltägliche Wachablösung der ehemals königlichen Leibgarde, die sich vor dem heutigen Parlamentsgebäude in klassischer Montur zu extremen Verrenkungen hinreißen lässt.

Ein Hingucker ist es auf jeden Fall, genauso wie die Aussicht vom 277 Meter hohen Lykabettus Hügel, der die gefühlte Mitte der Stadt bildet. Mit einer Standseilbahn kann man sich die anstrengenden Stufen und steilen Wege bis zur Spitze erleichtern und sich anschließend von der puren Größe Athens einfach begeistern lassen.

Ein unglaublicher Ausblick auf ein nimmer endendes Häusermeer, auf die Akropolis und den Hafen von Piräus tun sich auf und machen ebenso sprachlos, wie der abschließende Banoffee-Kuchen samt Freddo Espresso im Tazza caffe.

Was wie eine Aneinanderreihung von Höhepunkten klingt, ist nur ein kleiner Ausschnitt eines großen Ensembles aus antiken Bauwerken, coolen Graffiti-Walls, innovativen Cafés und Restaurants sowie einer unbeschreiblichen Stimmung in den Straßen des Plaka-Viertels. Am Ende stehe ich ganz begeistert ein letztes Mal auf der Dachterrasse vom New Hotel, proste der Akropolis zu und freue mich auf die Rückkehr der Zugvögel. Ich kann sie fast schon kommen sehen.

Dieser Artikel entstand auf Einladung des New Hotel in Athen. Mein Dank gilt der wunderbaren Nadia Paschali für die Betreuung in Athen und Villy Giovaniti für den Support von München aus.

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