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Marrakesch, Marokko

Es ist 6.30 und die ersten Sonnenstrahlen hüllen die rote Stadt in ein milchiges, unwirkliches Licht. Es erinnert mich spontan an die Hollywood-Farbfilter, die man immer dann aufsetzt, wenn Szenen aus Mexiko gebraucht werden. Der Muezzin schreit vom 77 Meter hohen Minarett der Koutoubia-Moschee, dem Wahrzeichen der Medina, wie die Altstadt in vielen arabischen Ländern genannt wird.

An Schlaf ist nicht mehr zu denken und ich befinde mich auch nicht in irgendeiner Altstadt, sondern mitten in den verwinkelten Gassen und Souks von Marrakesch. Obwohl nur knapp 3 Flugstunden von München entfernt, hätte der Unterschied zur europäischen Großstadtkultur kaum größer ausfallen können. Am Flughafen sollte man für Sicherheitskontrollen und Gepäckband ein wenig Zeit einplanen, bis es dann für ein paar Dirham in die Medina geht. „Vergiss das mit dem Hotel. In Marrakesch brauchst du ein Riad“. Dem Rat eines guten Freundes folgend, quartiere ich mich für die nächsten 4 Tage in einem kleinen Stadtpalast, inmitten der Altstadt ein. Da dort kein Auto hinkommt, lässt mich das Taxi an einem chaotischen Kreisverkehr aussteigen und verschwindet wieder in dem Gewirr aus bleispuckenden Autos, Eselskarren und knatternden Mopeds.

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Der Schweiß steht in kleinen Perlen auf meiner Stirn und lenkt die unzähligen Fliegen kurz von den Auslagen im benachbarten Fleischmarkt ab. Ein Huhn wird geköpft, die Küken rennen rastlos durch ihren Käfig ohne je anzukommen. 1071 gegründet und vieles ist wohl noch so, wie es einst war. Ich drücke die Wegbeschreibung zu meiner Unterkunft einem alten, erfahrenen Eselsführer in die Hand. Der nickt nur und schmeißt meine Rimowa Salsa Air unsanft auf die Ladefläche. Doch die Dinger haben schon härtere Landungen überlebt. Links, links, dann rechts, Achtung Mofa, links, dann entlang einer erstaunlich einsamen Gasse und plötzlich stehe ich vor einer rot-gestrichenen, verschlossenen Tür.

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Ich bin angekommen, was der bereits aufgesetzte Pfefferminz-Tee beweist. Zentraler Ausgangpunkt für Erkundungen durch dieses Labyrinth ist der Djemaa El Fna.

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Während es zur Mittagszeit noch recht träge und touristisch zugeht, verwandelt sich der Platz am Abend in einen Jahrmarkt aus 1001 Nacht. Feuerschlucker, Schlangenbeschwörer, Wahrsager und orientalische Musiker sorgen für Entertainment, die vielen Garküchen für kulinarische Explosionen, die nicht selten zu folgenschweren Detonationen im WC-Bereich führen. Meine Freunde sahen am nächsten Morgen jedenfalls recht bleich aus. „Was habt ihr gegessen?“ frage ich belustigt. „Muscheln“ und dann sind sie auch schon wieder verschwunden.

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Für mich gilt also nur gucken, nicht anfassen und noch weniger konsumieren. Dafür gönne ich mir gleich drei Orangensäfte gleichzeitig, die hier umgerechnet nur 1 € kosten. Ich genieße die pulsierende Atmosphäre und statte der wundervoll angestrahlten Koutoubia-Moschee einen Besuch ab. Danach muss ich feststellen, dass ein Hotel in Marrakesch nicht zwangsläufig eine schlechte Wahl sein muss. Das La Mamounia geizt nicht mit orientalischer Exotik und ist „das“ Hotel am Platz. Ich bestelle einen überteuerten Drink und flaniere großkotzig durch den opulenten Palast, als wäre es der meine.

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Am nächsten Tag begebe ich mich zunächst zum El-Badi-Palast. Die riesige Anlage wirkt etwas verlassen und stellt gerade deshalb einen wunderbaren Kontrast zur quirligen Altstadt dar. Ein paar Störche nisten auf den Türmen, in der Ferne zeichnen sich Gipfel des Atlasgebirges ab.

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Nach einer Runde durch die bröckelnde Ruine brauche ich dringend einen Wachmacher. Der benachbarte Place des Ferblantiers scheint perfekt und bietet mit der Dachterrasse der Kosybar den idealen Chill-out-Place, mit dem besten Café Cortado der Stadt. Ich lasse die Zeit verstreichen und wechsle langsam von Kaffee zu Corona. Passt mindestens genauso gut. Mit dem Taxi geht es dann zum Jardin Majorelle, der durch den französischen Modeschöpfer Yves Saint Laurent zu einiger Berühmtheit erlangt ist.

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Dieser hatte das, in kraftvollen Blautönen gestrichene Haus, samt Kakteengarten 1980 gekauft und als Inspirationsquelle genutzt. Nach seinem Tod im Jahre 2008 wurde seine Asche im hiesigen Rosengarten verstreut. Alles in allem, hauen mich die Kakteen und Rosenbüsche nicht wirklich vom Hocker und so mache ich mich lieber auf den Weg zu den Saadiergräbern. Unweit der Kasbah-Moschee führt ein Tor zu einer beeindruckenden Anlage, die aus zwei Mausoleen besteht, deren Innenräume mit Mosaiken, Stuck und Zedernholz ausgestattet sind. Insgesamt befinden sich ca. 70 Gräber der Sultansfamilie in den Grabmalen und sorgen, verstärkt durch die grünlichen Lichtinstallationen, für eine gespenstische Atmosphäre.

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Nach 2 Tagen in diesem Gewusel der Altstadtgassen brauche ich eine kleine Auszeit vom Lärm und Geruch der Medina und so entscheide ich mich für eine Zeitreise zum etwa 400 Jahre alten Kasbah-Komplex Ait Benhaddou. Entgegen jeder Empfehlung, steige ich in den Mietwagen und mache mich selbst auf den Weg. Es läuft jedoch erstaunlich gut auf den Straßen südöstlich von Marrakesch. Einziges Problem sind die langsamen Laster, die auf der Gebirgsstraße kaum zu überholen sind. Doch mit etwas Mumm in den Knochen und der richtigen Portion deutscher Ungeduld, geht auch das.

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Die Gebirgslandschaft am 2.260 m hohen Tizi n´Tichka Pass ist atemberaubend, die Wolkenfetzen schieben sich zur Seite und geben den Blick auf schneebedeckte Gipfel frei. Ein paar Souvenirshops und Cafés laden zum Verweilen ein.

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Doch es ist frisch hier oben und so drücke ich lieber aufs Gas, um nach etwa 3 Stunden die Kasbah-Siedlung Ait Benhaddou zu erreichen. Auf einem Hügel sind gleich sechs dieser Festungen zu einer Wohnanlage verschmolzen. Zur Überquerung des Flusses werden Esel gereicht und 1 € später, stehe ich dann vor dem Haupttor dieser mittelalterlichen Siedlung.

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Viel Lehm und noch mehr Ziegel halten diese Behausungen halbwegs zusammen. Dank der UNESCO wird die Anlage Non-Stop restauriert und vor dem Verfall gerettet. Ich erklimme den Hügel und bin damit ganz oben angelangt. Mein Blick wandert über ein grünes Tal, welches wunderbar zur kargen Gebirgsszenerie kontrastiert.

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Wenn ihr nicht am gleichen Tag zurück nach Marrakesch fahren wollt, dann empfehle ich euch das Ksar Ighnda boutique-hotel. Diese kleine Festung liegt versteckt in einem der Nachbardörfer und bietet einen stilvollen Luxus in dieser biblischen Umgebung.

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