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Service please mit Sandra La Rosa, William Blue Dining

Ihre Eltern kamen einst aus Italien, um in Down Under ihr Glück zu versuchen und ein neues Leben zu beginnen. Für Sandra La Rosa war es ein Segen, denn das Leben am anderen Ende der Welt taugt ihr. So sehr, dass sie heute nicht viel mit ihrer eigentlichen Heimat im fernen Europa verbindet. Sie hat sich längst an den lässigen „way of life“ in Australien gewöhnt und ist ein Teil der Kultur und Bräuche geworden.

Was sie denn am Heiligabend so mache, frage ich Sandra bei meinem Besuch im William Blue Dining Anfang Dezember. Ein breites Lächeln erscheint auf ihrem Gesicht und sie erzählt mir vom Ausflug an den Strand, wo sie sich jedes Jahr mit Freundinnen trifft, um ein wahres Kostümfest abzuhalten.

Von Fluch der Karibik bis hin zum Großen Gatsby war schon alles dabei. Tannenbaum, Weihnachtlieder und Glühwein: Fehlanzeige. Wir sind schließlich in Sydney und draußen weht eine leichte Brise bei 28 Grad Celsius. Ich bin in den Rocks, dem Ursprung der 5-Millionen-Einwohner-Metropole und besuche das Akademie-Restaurant William Blue Dining. Eigentlich ein glatter Zufall, denn ich bin einfach die Liste der Top-Restaurants bei TripAdvisor durchgegangen und schließlich hier im Herzen der Stadt gelandet.

Ich konnte ja nicht ahnen, dass der Abend solch eine Show bereithalten wird, denn das William Blue ist die Freilichtbühne der College Studenten vom Sydney Campus, die hier praktische Erfahrungen an lebenden Objekten durchführen.

Und das sind heute Abend junge Pärchen, die direkt aus dem After-Work gekommen sind und ein paar wenige Touristen, die sich neugierig auf das Abenteuer William Blue einlassen. Obwohl das Restaurant komplett belegt ist, gibt es hier keine Engpässe im Personal, denn gefühlt hat jeder Tisch seinen College-Studenten, der voller Eifer Speisen und Getränke von der Küche an den Tisch jongliert.

Immer angetrieben durch die omnipräsente Sandra La Rosa, die alle paar Minuten ihr legendäres „Service Please“ durch das Restaurant ruft. Läuft mal etwas schief, gibt es eine Teambesprechung. Läuft etwas sehr gut, gibt es ein Lob und eine Teambesprechung. 14 Tage lernen die Studenten, wie es sich später einmal anfühlen wird, in einem großen Hotel oder Restaurant zu arbeiten. Dabei geht es den Nachwuchskräften nicht um eine Ausbildung im Service, sondern um ein Management-Studium, zu denen aber letztlich auch das Handwerk zählt. Ich unterhalte mich mit einer Studentin aus Nepal, die voller Begeisterung über ihre Erfahrungen in Sydney spricht. Ihr macht das Leben hier Spaß und sie genießt jede Stunde in dieser einzigartigen Stadt. Doch nach der Ausbildung möchte sie zurückkehren und das Restaurant ihrer Eltern übernehmen und ausbauen. Mit den Kenntnissen aus dem William Blue Dining versteht sich. Man lernt beim Zuschauen eine Menge über das Arbeiten in einem Restaurant und vergisst dabei fast das Essen. Was ein Fehler wäre, denn es gibt knusprig gebratene Ente mit Chinakohl und Püree.

Dazu einen Chardonnay aus dem Hunter Valley, der als Dessertwein äußerst edel daherkommt. Ich genieße das Essen und den Wein, plaudere mit Sandra über ihre Lieblingsplätze und die Arbeit mit Studenten und habe das Gefühl, einen sehr glücklichen Menschen getroffen zu haben. Seit 6 Jahren ist sie bereits Trainerin am William Blue College of Hospitality und freut sich über jeden Tag mit den jungen Studenten und den „alten“ Gästen. Und wenn sie mal Ruhe und Zeit für sich braucht, dann nimmt sie eine der zahlreichen Fähren am Circular Quay und lässt sich einfach durch das vibrierende Hafenbecken von Sydney treiben.

Immer ein Lächeln auf den Lippen, immer hilfsbereit nach vorne schauend und immer einen guten Tipp für ein unvergessliches Erlebnis auf Lager. So empfiehlt sie mir für meinen letzten Abend noch einen Besuch im Cafe Sydney mit Blick auf Harbour Bridge und Opera House. Man kann sich schon an diese Stadt gewöhnen, die so gänzlich anders ist, als alles was wir in Europa kennen. Ein Stückweit entspannter geht es zu, ein wenig mehr Genuss findet statt und vielleicht wird auch etwas mehr geträumt. Solange bis es wieder heißt: Service please!

Wie man eines der besten Hotels in der Schweiz managt, lest ihr in meinem People-Interview mit Christian Eckert, dem Direktor des The Omnia in Zermatt.

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