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Director´s Cut mit Christian Eckert, The OMNIA

Tief versteckt in einem Seitental der Walliser Bergwelt liegt das Alpendorf Zermatt. Es ist so abgeschieden, dass es eine kleine Welt für sich bildet, die fernab der Städte, Autobahnen und Flughäfen unserer durchgetakteten Zeit funktioniert. Ich befinde mich in einem der exklusivsten Häuser des Ortes und lasse meinen Blick durch das Teleskop gleiten, um jedes Detail des berühmten Matterhorngipfels in mich aufzusaugen. Es sind die Details, die in der The OMNIA Mountain Lodge den Ausschlag geben. Man sieht sie im klaren Design der 30 Zimmer & Suiten, man spürt sie im aufopfernden Service der Mitarbeiter und man erlebt sie tagtäglich in Person des Managing Directors und Gastgebers Christian Eckert. Ein Gespräch über Menschlichkeit, Entschleunigung und dem Luxus, nicht jedem Trend Folge leisten zu müssen.

Was macht den Erfolg des The OMNIA aus?

„Das OMNIA wurde im Jahr 2006 eröffnet und mit Grundsteinlegung bis ins letzte Detail durchgeplant. Damit hatten wir quasi die Hardware erschaffen. Doch das Wichtigste ist für unser Haus nun mal die Software und das sind die Menschen. Eine meiner größten Stärken ist es, die richtigen Leute zu finden, die zu unserem OMNIA-Konzept passen. Das ist mit einem großen Rekrutierungsaufwand verbunden, denn die neuen Mitarbeiter müssen praktisch alles vergessen, was sie vorher in einem anderen Haus gelernt haben. Wir sind nun mal kein typisches Schweizer Grandhotel, sondern eher ein Nischenprodukt. Da spielt unsere maßgeschneiderte Uniform, die eher an einen modernen Business-Look erinnert, zum Beispiel eine große Rolle. Unser Designer hat lange Jahre für Marc Jacobs in New York gearbeitet und einen ganz eigenen Stil für das OMNIA kreiert. Pro Jahr werden zwei exklusive Kollektionen entwickelt, die wir auf Maß anfertigen lassen, was zur Folge hat, dass alle mächtig stolz sind auf ihre ganz besondere Garderobe. Derlei Individualität zeigt sich bei uns in vielen Facetten. So haben wir beispielsweise unseren eigens kreierten Bourbon und eine ganze Duft-Kollektion“.

Was ist bei der Mitarbeiterführung besonders wichtig?

„Man muss Menschen lieben in diesem Beruf. Das lebe ich jeden Tag für mein Team vor und gehe gerne selbst als Vorbild voran, ohne dass ich mich in den Vordergrund stellen mag. Mir macht der Umgang mit Gästen und Mitarbeitern einfach Spaß und ich verstecke mich ungern hinter meinem Schreibtisch, um ein paar Zahlenkolonnen zu beobachten. Meine größte Arbeit ist das Team zu hegen und zu pflegen, denn 50 Mitarbeiter sind wie eine große Familie. Ich spüre genau wie es dem Team und den einzelnen Abteilungen geht. Leadership heißt für mich, dass ich für die Mitarbeiter da bin und Sorge trage, dass es allen privat wie beruflich gut geht. Zudem ist es mir enorm wichtig, dass Mitarbeiter eigene Ideen einbringen können, um ihren Arbeitsplatz selbst zu gestalten. So kam das Team zuletzt mit dem Vorschlag zu mir, doch allen Gästen mit Matterhorn-Blick bei schlechtem Wetter ein Schokoladenstück in Gipfelform aufs Zimmer zu stellen. Dazu gibt es ein kleines Büchlein mit schönen Fotos vom Matterhorn bei Sonnenschein, was bei den Gästen unglaublich gut ankam“.

Welche Marketing-Tools sind im Tourismus entscheidend?

„Wir geben alles, aber prahlen nicht damit. Dieses Understatement zieht sich von der Besitzerfamilie über das Servicepersonal bis zu unserem Auftritt in den Sozialen Medien durch. Wir müssen nicht auf jeden neuen Trend aufspringen, auch wenn die Digitalisierung natürlich eine große Rolle für uns spielt. Neben einem neuen Buchungssystem haben wir unsere Social-Media-Kanäle ausgerollt und sind sehr aktiv auf TripAdvisor unterwegs. Meine Mitarbeiter schmunzeln schon über mich, doch ich beantworte alle Rezensionen selbst, was sehr gut ankommt. Gerade unsere Gäste aus den USA oder Asien achten stark auf die Bewertungen von anderen Gästen. Das ist für mich ganz klar die Zukunft im Reisemarketing. Doch bedeutet Digitalisierung auch, dass jedes Zimmer ein iPad haben muss? Nicht bei uns. Wir wollen unsere Gäste persönlich kennenlernen und drücken ihnen sogar noch echte Schlüssel in die Hand, damit sie zur Rezeption gehen und wir die Chance haben, mit ihnen ins Gespräch zu kommen“.

Wie reagiert das The OMNIA auf den Fachkräftemangel?

„Ich kann das Gejammer über den Fachkräftemangel einfach nicht mehr hören. Natürlich ist es nicht leicht, qualifiziertes Personal zu finden. Doch man muss Energie und Herzblut einsetzen und die Arbeitsmodelle an die private Situation der Menschen anpassen. So haben wir im Service einige junge Mütter beschäftigt, die vielleicht nur 20% oder 40% einer Vollzeitstelle ausfüllen, sich aber so sehr darüber freuen, dass sie uns im Ort weiterempfehlen, so dass wir mittlerweile immer mehr Anfragen bekommen. Das bedeutet einen Zusatzaufwand in der Administration und man muss flexibel reagieren können, da ein Kind über Nacht plötzlich krank werden kann. Doch die Frauen sind mit einem unglaublichen Arbeitseifer dabei und total happy, Teil unserer OMNIA-Familie zu sein. Heute muss man dem modernen Leben Rechnung tragen und schauen, dass es den Leuten privat gut geht. Wenn ich weiß, dass ein Mitarbeiter von weiter herkommt, dann gebe ich ihm auch mal 3 Tage frei, damit er seine Familie besuchen kann. So gelingt es uns, die Mitarbeiter 2-3 Jahre an das Haus zu binden, was in der Branche deutlich über dem Durchschnitt liegt“.

Was macht den Privatmensch Christian Eckert aus?

„Ich habe kein Instagram und kein Facebook. Lediglich LinkedIn pflege ich aktiv. Diese Sozialen Netzwerke kosten einfach viel Zeit, die mir nach einem 13-Stunden-Tag einfach zu kostbar ist. Mein absoluter Lieblingsplatz ist der eigene Balkon. Von dort blicke ich aufs Matterhorn und tanke meine Batterien auf. Gerne auch mit Freunden und Bekannten, für die ich mittlerweile viel zu wenig Zeit habe. Ansonsten habe ich keine ausgefallenen Hobbys, denn mein Beruf ist meine Passion, obwohl ich es gar nicht als Job betrachte. In den 5 Jahren, in denen ich hier bin, gab es nicht einen einzigen Tag, an dem ich keine Lust hatte zur Arbeit zu gehen. Ich freue mich früh morgens bereits auf die kommenden Gäste, denn jeder Tag ist anders, birgt Überraschungen und Herausforderungen. Schon während des Abiturs habe ich gerne in der Gastronomie mein Taschengeld aufgebessert. Als ich dann mit der Schule fertig war, wollte ich den Beruf von der Pike auf erlernen und habe zunächst eine Lehre im Hotelbereich gemacht, bevor ich die Schweizerische Hotelfachschule in Luzerne erfolgreich absolviert habe. Mit nur 33 Jahren wurde ich anschließend zum Managing Director im OMNIA ernannt, worauf ich natürlich sehr stolz bin“.

In welchem Hotel checkt Christian Eckert persönlich gerne ein?

„Wenn es ein Hotel gibt, wo ich selbst immer wieder gerne hinfahre, dann ist es das Beau-Rivage Palace in Lausanne. Ich hatte die Gelegenheit selbst einmal dort zu arbeiten, habe in dieser Zeit extrem viel gelernt und dem Haus einiges zu verdanken“.

Das Interview entstand im Dezember 2019 im Rahmen meines Aufenthalts im The OMNIA.

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