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Grand Staircase-Escalante National Monument, Utah

Wie sieht wohl der totale Detox zur Spielermetropole Las Vegas aus? Vielleicht ja wie eine Übernachtung auf der Boulder Mountain Guest Ranch in der Nähe von Escalante. Allein die Anfahrt verspricht Entschleunigung, führt sie doch durch die Einsamkeit der Wüste Nevadas, durchfährt den leidenschaftlich schönen Zion Nationalpark, touchiert den Bryce Canyon und schält sich mitten durch das grandiose Grand Staircase-Escalante National Monument.

Das ist Landschaftserlebnis pur und man möchte schier jede Parkbucht ausnutzen, um ein paar Momente für die Ewigkeit zu schießen.

Ich bin mittlerweile zum zehnten Mal in dieser Gegend, doch vermisse sie jetzt schon wieder, denn Utah ist so großartig mit all seinen Canyons, Felsformationen und Westernstädtchen, dass man sich jedes Mal aufs Neue verliebt. Der Winter wird dabei so langsam zu meiner favorisierten Jahreszeit, da die Tage meist klar sind, der Himmel stets stahlblau und die roten Canyonwände noch intensiver leuchten als im Sommer.

Einzig die Infrastruktur in den Touristenzentren ist oft eingeschränkt, so dass ich mich umso mehr über die Einladung der Boulder Mountain Guest Ranch freue, die fernab der Zivilisation etwa 20 Meilen östlich von Escalante liegt. Der Uhrzeiger ist deutlich jenseits der 18-Uhr-Marke und die Nacht hat mittlerweile die Vorherrschaft über den Tag gewonnen, so dass ich fast den Abzweiger vom Highway 12 verpasse, wäre da nicht ein unachtsames Reh auf der Straße, welches sich in meinem Lichtkegel verfängt. Es huscht zur Seite und ich fahre die letzten 5 Kilometer in völliger Einsamkeit, bis ich plötzlich vor der schwach erleuchteten Main Lodge stehe, wo bereits ein Umschlag mit Lageplan und Schlüssel für die Cabin 1 auf mich wartet.

In der Off-Season sind Rezeption und Restaurant geschlossen, was einerseits natürlich schade, aber andererseits auch großartig ist, da ich in einem Außenposten von Supermarkt, alles für ein italienisches Gala-Dinner besorgt habe.

Die Cabin selbst ist einfach unwiderstehlich und besteht aus zwei Schlafzimmern, einem rustikalen Wohn- und Kochbereich sowie der umfassenden Veranda, die den Blick auf die umgebende Canyonlandschaft freigibt. Die Main Lodge ist auch im Winter geöffnet und der einzige Ort mit Wifi, denn in den Cabins ist nach wie vor „Detox“ angesagt, was tatsächlich gut tut nach der CES in Vegas.

Ich schlafe wie ein Stein und hole mir die nötige Energie für einen Tag, den man getrost in die Geschichtsbücher meißeln kann, jagt er doch dem Mythos Hole-in-the-Rock-Road nach. Doch bevor ich mich auf die knapp 30 Meilen lange Schotterpiste begebe, tanke ich nochmals auf und lege eiskalt 2 Bud Light auf den Tresen. Daraufhin lacht mich die Tankstellen-Verkäuferin gnadenlos aus und meint, dass sie mir unmöglich 2 Bier verkaufen könne, da in den Staaten die Einheit Gerstensaft nun mal bei „Six-Pack“ beginnt. Na ja, man soll ja genug Flüssigkeit mit auf diesen Trip nehmen, von dem ich in Blogs und Foren schon wahre Schauergeschichten gelesen habe. Doch die Hole-in-the-Rock zeigt sich heute von ihrer guten Seite und man kommt mit etwa 60 km/h sehr gut voran auf dem sandigen Untergrund.

Nach etwa 15 Meilen folgt der erste Abzweig zum Devils Garden, wo ein 1,6 Kilometer langer Rundweg an verwegenen Felsbrücken, Monolithen, Hoodoos und Arches vorbeiführt. Die Morgensonne knallt erbarmungslos auf die Felsen und hinterlässt ein gespenstisches Schattenspiel im Schnee. Was für ein toller Auftakt, den man unbedingt am Tagesanfang machen sollte, denn die großen Energiereserven werden 27 Meilen später benötigt, wo der verlassene Parkplatz zum Dry Fork mitten im Nirgendwo liegt. Wer über ein Allradfahrzeug mit hohem Radstand verfügt, kann sogar noch ein Stück weiter direkt bis zum Trailbeginn fahren. Nach dem Glatteis-Desaster von Aspen, war mir die Strecke jedoch zu heiß, so dass ich lieber zu Fuß die gewisse Extra-Meile gehe, bevor ich mich erst einmal ordentlich im Gelände verlaufe.

Einen richtigen Trail gibt es einfach nicht und man folgt stets alten Fußspuren, die sich in den neuen Schneefeldern schnell verlieren, so dass ich zunächst in einem Slotcanyon des Dry Fork lande, bevor ich 30 Minuten später den eigentlichen Einstieg zum Peek-a-Boo finde, der etwa 7 Meter über dem Boden liegt und unbezwingbar erscheint.

Die Blogger-Gemeinde empfiehlt an dieser Stelle ein Seil sowie einen athletischen Freeclimber, der stets wegweisend voraus geht. Ich habe weder das eine, noch bin ich fit genug für das andere, so dass ich auf die Hilfe der zwei einzigen anderen Wanderer setze, die mir beim Aufstieg dieser Hürde Hilfe leisten, bevor ich in einem gnadenlos schmalen Felsenlabyrinth verschwinde.

Wer einmal im berühmten Antelope Canyon von Page war, wird sich im Nachhinein über diesen Seniorenausflug totlachen, denn hier ist man völlig allein unterwegs und windet sich durch 30 Zentimeter breite Spalten. Hätte ich die ganzen Netz-Geschichten nicht gelesen, wäre ich keine 10 Meter weit gegangen, doch irgendwie zwängt man sich durch jede noch so kleine Windung und ist froh, dass kein Gegenverkehr in Aussicht steht.

Wer ein spektakuläres Abenteuer sucht, der ist hier genau richtig, denn nachdem man den Peek-a-Boo irgendwie gemeistert hat, geht es mit dem Spooky Slot Canyon weiter, der seinem Namen alle Ehre macht. Glaubt man dem Gossip im Internet, sind hier schon manche Silikon-Träume an den engen Felswänden zerplatzt und man bekommt das klaustrophobische Gefühl, dass sich die Canyonspalten aufeinander zubewegen.

Es ist einfach großartig, spektakulär und eindeutig ein Erlebnis für die Ewigkeit. Für den gesamten Rundweg empfehle ich euch die All Trails App, deren GPS interessanterweise auch offline funktioniert, so dass ihr jederzeit schauen könnt, ob ihr noch auf dem richtigen Weg seid. Nach gut 4 Stunden sitze ich wieder im Fahrzeug und fahre frohen Mutes zurück nach Escalante, im Kopf bereits die Fata Morgana von Scrambeld Eggs und Würstchen, die selig in der Pfanne der Boulder Mountain Guest Ranch brutzeln. Doch soweit kommt es erst einmal nicht, denn bei Verlassen der Schotterpiste leuchtet plötzlich die Warnlampe mit dem Reifendruck-Symbol dunkelrot auf.

Mit mulmigem Gefühl fahre ich noch 10 Kilometer bis zu meinem geliebten Griffin Grocery Store, wo ich nach ausführlicher Inspektion einen völlig platten Reifen ausmachen muss. Einen „Platten“ am Samstag! Na Glückwunsch, denke ich mir, unterschätze aber die Hilfsbereitschaft des A-Teams von Escalante. Die Kette beginnt mit Store-Besitzer Jack, der „Zufalls-Kunde“ Jake fragt, was nun zu tun ist, woraufhin Jake seinen Freund Tom zur Hilfe holt. Dieser kommt jedoch mit der Ausrüstung im Nissan nicht klar, kennt aber Werkstadtbesitzer Ryan, der zufällig seinen Cousin und Neffen Rob und Jack zu Besuch hat.

Zu Dritt bocken sie die Kiste auf, schrauben das Desaster von einem Reifen ab, flicken ihn so gut es geht, um dann das Reserverad aufzuziehen. Ryan, du bist ein Gott, Escalante du gehörst auf die Bucket-List vom Lonely Planet und Boulder Mountain Guest Ranch, du sitzt zurecht auf dem TripAdvisor Thron der besten und gemütlichsten Unterkünfte in ganz Utah, denn natürlich ging der Abend mit Scrambled Eggs und Würstel in der legendären Cabin Number 1 zu Ende.

Dieser Artikel entstand auf Einladung der Boulder Mountain Guest Ranch und der Organisation der wunderbaren Brandie, die mich eigentlich noch über die gesamte Ranch führen wollte. Ein platter Reifen kam dieses Mal dazwischen. Doch wir holen das nach, versprochen! Denn Utah wird mich immer wieder sehen. Du Land der tausend Abenteuer.

Noch mehr Ranch-Feeling gibt es in meinem Artikel über die Sorrel River Ranch in Moab.

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