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Victoria-Jungfrau Grand Hotel & Spa, Interlaken

Der schneebedeckte Gipfel frisst sich mit all seiner Kraft durch das Lauterbrunnental und glänzt in der milchigen Novembersonne wie ein frischgekalbter Gletscher. Und obwohl die Jungfrau mit ihren 4.158 Metern in der alpinen Welt als recht einfacher Aufstieg gilt, möchte ich ihr heute nicht zu nahe treten. Etwas nachdenklich schwenke ich meinen Drink in der VICTORIA-Bar, blicke über die Terrasse direkt auf die Silberhorn Nordwand und proste meinem Gastgeber ein weiteres Mal zu. Peter Kämpfer ist der neue Direktor des grandiosen Victoria-Jungfrau Grand Hotels in Interlaken und nicht nur begeisterter Skifahrer, sondern auch Liebhaber dieser einzigartigen Bergwelt.

Ich frage ihn, ob es ihm eigentlich schwerfiel nach 19 Jahren, in denen er ebenfalls ein 5-Sterne-Haus in der Schweiz geführt hat, den Job zu wechseln.

Peter Kämpfer zögert leicht, schmunzelt und sagt dann leicht verschmitzt: „Keine Minute, denn man spürt sofort, ob ein Haus Atmosphäre und Klasse hat und vor allem, ob die Menschen ihren Job mit Leidenschaft ausfüllen. Und glauben sie mir, dass Victoria-Jungfrau ist eine Legende mit dem besten Team, das man sich als Direktor und Gast nur wünschen kann“. Ich lasse seinen Worten Raum und blicke mich ein wenig um.

Dieses Hotel ist in der Tat eine Grande Dame, welches problemlos die 800 erforderlichen Kriterien eines „Leading Hotel of the World“ erfüllt und seit 153 Jahren Reisende aus aller Welt in der Jungfrau Region willkommen heißt. Auf den alten Fotos, die überall in den Fluren zu bewundern sind, haben sie den Berg sogar noch etwas näher an die opulente Hausfassade gerückt, was wohl belegt, dass Photoshop eindeutig älter ist, als wir alle glauben. Die Wände und Decken sind reichlich mit Stuck verziert, die mächtigen Kronleuchter glitzern in der untergehenden Sonne, die Parkettböden glänzen, als würde auf ihnen gleich der Wiener Opernball ausgerichtet und hin und wieder bereichert ein Kunstwerk die großzügige Lobby mit den beiden Gastro-Tempeln La Terrasse und Ristorante e Pizzeria Sapori (Wahnsinns-Steak und grandiose Pizza!).

Dabei führte bis ins Jahr 1990 noch eine Straße mitten durch die heutige Empfangshalle und teilte die beiden Spitzenhotels Victoria und Jungfrau in zwei etwa gleichgroße Hälften. Nach der Wiedervereinigung, die respektable 120 Jahre auf sich warten ließ, wurde zunächst in eine gigantische SPA-Oase investiert, um jetzt nach und nach die insgesamt 216 Zimmer auf den neuesten Stand zu bringen. „Air Condition ist eine große Herausforderung für ein Hotel in der Schweiz“ erklärt Peter Kämpfer „Das haben wir bisher nie gebraucht, doch nach dem heißen Sommer, erwarten insbesondere unsere Gäste aus den USA eine klimatisierte Suite“.

Für das internationale Publikum ist das Grand Hotel eh der Inbegriff Schweizer Hotelkunst und so möchte es der neue Direktor auch in Zukunft sehen. „Ich würde mir wünschen, dass die Gäste irgendwann mal nur wegen dem Victoria-Jungfrau nach Interlaken kommen, um dann festzustellen, dass es sogar noch ein paar nette Berge in der Umgebung gibt“. Genauso fühle ich mich bei meiner Ankunft im Hotel und denke mir, dass ich diesen geschichtsträchtigen Ort voll Wärme und Behaglichkeit am liebsten gar nicht mehr verlassen möchte. Doch meine wunderbare Organisatorin Patricia Held hat mir schon den ersten Programmpunkt auf die Agenda gesetzt und der heißt Harder Kulm oder zu neu-schweizerisch: „Top of Interlaken“.

Mit der Drahtseilbahn geht es in 8 Minuten auf den 1.322 Meter hohen Aussichtsberg, von dessen Zwei-Seen-Steg man einen herrlichen Ausblick über den Ort, die Seenlandschaft und natürlich das Dreigestirn aus Eiger, Jungfrau und Mönch hat.

Leider sind sie im Restaurant nicht auf Gäste mit starker Abhängigkeit nach Kaffee & Kuchen ausgerichtet, so dass ich nach einem kurzen Rundblick schon wieder ins geliebte Victoria-Jungfrau fliehe. Zurecht, wie sich schnell herausstellen sollte, denn was Peter Kämpfers Mannschaft dort als Tea Time mit Champagner serviert, sucht im Berner Oberland wirklich seines- und ihresgleichen. Ich jedenfalls habe noch nie ein so reichhaltiges Törtchen-Buffet erlebt und weiß gar nicht so recht wo ich anfangen oder aufhören soll.

Mein zweiter Versuch mich der berühmten Bergwelt zu öffnen, startet am nächsten Morgen mit der Zugfahrt von Interlaken Ost aufs berühmte Jungfraujoch. Dank der lieben Patricia und dem Destination-Partner Jungfraubahnen rauschen die kleinen Ortschaften und mächtigen Gipfel heute sogar in 1. Klasse an mir vorbei, was an einem sonnigen Tag wahrlich eine Fahrt für Genießer ist. In Grindelwald ist dann kurzerhand Schluss mit Zeitreise, doch während ich noch verzweifelt versuche das markante Wetterhorn ohne Oberleitungen im Foto einzufangen, fährt bereits am gegenüberliegenden Bahnsteig die Zahnradbahn ein, die mich weiter bis zur Kleinen Scheidegg bringt.

Gäbe es noch Postkarten, würden sie sicher dieses Motiv tragen, denn Eiger, Jungfrau und Mönch gruppieren sich wunderbar vereint hinter die Schweizer Jungfraubahn und mit den angereisten Gästen aus Lauterbrunn geht es jetzt mitten durch die berühmte Eiger-Nordwand, vorbei am kurzen Fotostopp Eismeer, hinauf aufs Jungfraujoch.

Die Aussicht auf dieses Landschaftsmonster aus Eis und Schnee ist einfach nur der Hammer und die Gipfelspitzen von Mönch und Jungfrau kontrastieren vor einem stahlblauen Himmel, als würden sie sich bewusst in Pose schmeißen.

Ganz wie die vielen begeisterten Asiaten, die wahre Kunststücke für ihren Instagram-Account vollführen und fleißig eine weitere Attraktion von ihrer Europa-Liste streichen.

Leider ist der Wanderweg zur Mönchshütte heute gesperrt, so dass ich mich nach gut einer Stunde auf dem Dach Europas wieder hinab ins SPA der Welt begebe. Denn seien wir doch ehrlich, so ein Grand Hotel muss man einfach im Winter erleben, wenn es draußen dunkel wird und der eisige Wind durch die verwaisten Gassen von Interlaken pfeift. Von daher, lehne ich mich am Beckenrand zurück und verfolge den letzten Sonnenstrahl, der gerade hinter einem mächtigen Bergrücken verschwindet und von Nebelschwaden begleitet wird, die in großer Geschwindigkeit über den blubbernden Outdoor-Jacuzzi fegen.

Unter mir wirbeln wohlige 35 Grad, über mir gefrieren die aufsteigenden Dämpfe bereits zu kleinen Eiskristallen. In den lauschigen Nischen und Bars wird an Cocktails und Glühwein genippt, während vor dem Hotel die Schlittschuhbahn für den alljährlichen ICE MAGIC aufgebaut wird. Es ist an der Zeit: Der Winter kann kommen.

Epilog:

Am Ende meiner Reise sollte es mit der allerersten Ganzkörper-Massage eine waschechte Premiere geben. Etwas aufgeregt stehe ich pünktlich um 11 Uhr vor meinem freundlichen Therapeuten und werde in die „Basics“ der nun folgenden 50 Minuten eingewiesen, bevor mein Körper komplett mit Handtüchern zur Mumie drapiert wird. Nach dem opulenten Frühstück eine durchaus nachvollziehbare Entscheidung, genau wie die Fußreinigung, die sowohl am Anfang wie auch am Ende dieser ganz speziellen Therapie stehen wird. Anschließend werden einzelne Körperpartien immer wieder aufgedeckt, ordentlich durchgeknetet und mit einem zufriedenen Klaps in ihren Ursprungszustand zurückgelegt. Eigentlich könnte das nun ewig so weiter gehen, doch es endet mit einer etwas speziellen Kopfmassage, die in etwa mit dem Begriff „gut gemeinte Kopfnuss“ beschrieben werden könnte. Und so wuselt mein Therapeut durch das frisch gestylte Haar und treibt mir mit ordentlichem Spin auch die letzte Spur von Haarspray aus den Fasern. Danach noch ein beherzter Fingerzeig in beide Ohren und schon spüre ich den leisen Druck in einem Bond-Abenteuer gelandet zu sein. Da fängt es meist auch mit Martinis, Blubberpool und netten Mädels an. Doch der Mann hat schließlich ein Einsehen, verabschiedet mich in den Tag und hinterlässt einen entspannten Reiseblogger, der sich um 20 Jahre jünger fühlt und statt der Rückfahrt lieber noch zur Abschlussrunde durch die SPA-Arena schwimmt.

Dieser Artikel entstand auf Einladung des Victoria-Jungfrau Grand Hotel & Spa in Interlaken und dem Destination Partner Jungfrau-Bahnen. Mein besonderer Dank gilt dabei Patricia Held, die mich nicht nur in eisige Höhen, sondern auch in durchtrainierte Hände und blubbernde Quellen geschickt hat.

 

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