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Paula Wiesinger Apartments & Suites, Seis am Schlern

Mit voller Konzentration blickt sie hinab auf das steile Gefälle der Nuvolau-Scharte. Die Piste ist kaum auszumachen unter all den Schneemassen, die schweren Holz-Ski, die sie zuvor über 2 Stunden den Hang hinaufgetragen hat, liegen wie Beton unter den Füßen. Sie zupft ein letztes Mal an ihrer dünnen Windjacke und dann verschwindet ihr kohlschwarzer Haarschopf und stürzt sich hinab in Richtung Cortina d´Ampezzo.

Es ist das Jahr 1932 und die Bozenerin Paula Wiesinger gewinnt die Weltmeisterschaftsabfahrt in rekordverdächtigen 7 Minuten und 13 Sekunden und lässt damit ihre österreichische Konkurrentin Inge Lantschner ganze 4 Sekunden hinter sich. 85 Jahre später stehe ich ehrwürdig vor ihrer Holz-Skulptur und spreche mit Michael Steiner über Paula und eine ihrer vielen Hinterlassenschaften, die Michael 2015 zu einem Apartment-Hotel umgebaut hat.

„Wir sind seit Jahren mit Paula und ihrer Stiftung eng verbandelt. So führen wir nicht nur diesen recht neuen Komplex, sondern mit dem Hotel Steger-Dellai auch noch ein Traditionshaus direkt auf der Seiser Alm“ verrät der stolze Pächter. Die Paula Wiesinger Apartments & Suites liegen im Herzen von Seis und offerieren einen perfekten Bick auf den mächtigen Gipfel des 2.450 Meter hohen Schlern. Schon der Empfang zeigt wie hier mit Materialien aus der Region umgegangen wird: „Der Fußboden besteht aus purem Dolomiten-Gestein, die Vertäfelungen aus heimischer Lerche und für die Aufgänge setzen wir auf modernen Beton“ verrät Michael Steiner. Die Appartements selbst entpuppen sich als voll funktionsfähige Wohnungen, in denen man gut und gerne einen ganzen Sommer verbringen kann.

Sie verfügen über eine top-ausgestattete Küche mit gemütlicher Sitzecke und angrenzendem Wohnbereich. Davon abgetrennt befindet sich ein zeitlos modernes Schlafzimmer, welches durch eine große Glasfront vom Badezimmer abgetrennt ist. Das wirkt alles sehr offen und großzügig und wird durch einen aussichtsreichen Balkon noch abgerundet. Adieu dem muffigen Holzhauscharme der 70er Jahre, hier kommt eine neue Generation von Hoteliers, die weiß, wie man Materialien kombiniert, um einen modernen Alpen-Chic zu kreieren.

Beim Frühstück sprechen Michael und ich über die bevorstehende Wanderung und er wartet mit einem echten Klassiker auf. Über das Schlernhaus zum Tierser Alpl, dann über die spitzen Rosszähne hinab zur Seiser Alm und wieder zurück nach Seis. „Bist gute 6 Stunden unterwegs. Das sind locker 20 Kilometer“ ruft er mir noch hinterher. Es wird schon nicht so schlimm kommen, denke ich mir, da ich in der Regel ganze Tagestouren in lockeren 4 Stunden-Häppchen durchmarschiere. Wie immer ist der Start gut auszuhalten, besteht er doch aus einer 15-minütigen Seilbahnfahrt auf den Compatsch, den man vor 9 Uhr morgens auch noch mit dem Auto erreichen kann. Danach ist die Seiser Alm stets bis 17 Uhr für alle Fahrzeuge gesperrt und das ist auch gut so, will man die herausragende Natur doch möglichst abgasfrei genießen. Oben angekommen, trüben zunächst ein paar Wolkenfelder meine Stimmung. Die „aufbrausenden Freunde“ legen sich wie eine gigantische Zuckerwatte über alle renommierten Gipfel der Hochebene.

Es hilft ja nichts und so beginne ich mit einem leichten Anstieg über den romantischen Wanderweg Nummer 10, der kurze Zeit später bereits alle fleißig gewonnenen Höhenmeter recht leichtfertig an eine Senke nahe der Saltner Hütte verliert. Ich fange praktisch wieder bei null an und werde beim Anblick der Felswand unwillkürlich an meine Hitzeschlacht im Grand Canyon erinnert. 1.200 Höhenmeter stehen heute auf dem Programm und ergo geht es steil bergan. Man gewinnt schnell an Höhe und der ablaufende Schweiß spült einen kompletten Voll-Waschgang mit meinem Wandershirt durch. Nach knapp 3 Stunden stehe ich dann inmitten tiefhängender Wolken am wunderschön renovierten Schlernhaus auf 2.457 Metern Höhe. Keiner sitzt draußen, also nix wie rein an den prächtig gekachelten Holzofen, der allerding bereits im Jahr 1930 seinen Geist aufgegeben hat.

Ich fange unwillkürlich an zu frieren und greife notgedrungen zum kulinarischen König der Berge mit Namen Kaiserschmarrn, der sich auf Südtirols Berghütten ausnahmslos sehen lassen kann.

Genauso fluffig verläuft die nächste Stunde auf dem Rücken des sagenumwobenen Schlern, der angeblich immer noch von Hexen, Zwergen und Geistern heimgesucht wird, die dann, bei locker organisierten Ehemaligen-Treffen, furchtbare Unwetter herbeizaubern. Ganz so schlimm wird es heute nicht, denn erste Wolkenlöcher lassen bereits die Sonne durchblitzen. Und nur kurze Zeit später, stehe ich mit offenem Mund vor den ausgefrästen Zacken des Rosengarten-Massivs.

Alles für diesen Moment, denn die durchpeitschenden Nebelschwaden untermalen die mystische Stimmung und lassen das rote Dach des Tierser Alpl fast märchenhaft erscheinen.

Keine Zeit für lange Pausen, denn Michael hat mir schon längst eine SMS geschickt: „Habe dir einen schönen Tisch in der Furscher Mühle reserviert. Um 19.30. Schaffst du das?“ Na und ob ich das schaffe. Die kantigen Rosszähne werden in Paula Wiesinger Manier per Slalom erledigt, dann geht es Schuss hinab ins breite Tal der Seiser Alm, um nach 6 Stunden und 15 Minuten etwas abgekämpft wieder an der Compatsch Seilbahn zu stehen. Im Hotel beordert mich Michael direkt mal in die Wellness-Lounge. „Jetzt nimmst du erst einmal ein schönes Dampfbad, danach gehst du in den Infrarot-Raum und entspannst danach im wunderbar temperierten Relax Raum. Und dann zeig ich dir, wo die Furscher Mühle liegt“.

Die Wegbeschreibung wirkt wie ein Dampfhammer nach dem heutigen 20-Kilometer-Marsch: „An der Poststube links, dann durchs ganze Dorf. Kurz vor dem Fluss stehen links ein paar Häuser. Die darfst du nicht verpassen. Hinter dem dritten Haus gibt es einen schmalen Wanderpfad nach St. Vigil. Und dann immer geradeaus, bis du zum Furscher Weiher kommst“ referiert Michael. „Wie lange bin ich da unterwegs?“ verzweifeln meine müden Augen. „Also ich schaff das in 10 Minuten“. Aha! Es sind stramme 15, aber jede Minute „downhill“ sollte sich lohnen, denn die Furscher Mühle, die seit 3 Jahren von Inga und Hannes Malfertheiner geführt wird, ist eine Lokalität wie aus dem Bilderbuch.

Wie es sich für eine 200 Jahre alte Mühle gehört, liegt sie direkt am murmelnden Bergbach mit Blick auf den Schlern. Es gibt 7 Tische draußen und exakt 6 in der Mühle, die so individuell in Nischen verbaut wurden, dass man sich gar nicht entscheiden mag, wo der perfekte Platz zum Dinner ist. Die Küche versprüht Kreativität und Abwechslung und kratzt verdammt nah am Michelin-Stern. Inga flitzt eloquent mit den Gästen flirtend zwischen den Tischen und Gängen hin und her, Hannes zaubert im Hintergrund und meldet sich, bei Fertigstellung der kleinen kulinarischen Kunstwerke, auf seine ganz eigene Art bei seiner Inga. Eine Glocke läutet, Inga hält kurz inne, lächelt und stürmt dann mit einem „Jetzt klingelt er wieder und ich renne wie so ein alter Laufesel hin und her“ in die Küche, umso wunderbare Dinge wie ein Tomaten Risotto, Tagliatelle mit Kaninchen oder eine Taube aus Südfrankreich zu servieren.

Die Mühle ist außer am Sonntag nur abends geöffnet und eigentlich nur den Einheimischen bekannt, da der schmale Pfad durch Zufall nicht zu finden ist. Und so drückt mir Inga für den stockfinsteren Heimweg noch eine Taschenlampe in die Hand. „Damit du auch sicher ankommst. Gib sie dann einfach dem Michael zurück“. Tja, hier in Seis am Schlern kennt man sich halt und das macht auch die besondere Atmosphäre aus. Man ist nicht Gast, sondern Freund. Und als Freund kehrt man immer wieder gerne zurück.

PS: Wer auch mal Lust auf eine ehrliche Pizza hat, dem sei die Mafiatorte in der Poststube in Seis empfohlen. Doch Vorsicht: Das Preis-Leistungsverhältnis ist hier mächtig aus den Fugen geraten, denn die Pizza Al Capone mit Extra-Knoblauch und Hauswein-Fusel ist im Verhältnis zum unglaublichen Geschmack ein echter Schnapper!

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung des Hotels Paula Wiesinger Apartments.

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