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Auszeit Chalets, Großarltal

Wer über 5 Jahre Werbung für Franziskaner Weissbier gemacht hat, der sollte mit dem Begriff Auszeit eigentlich etwas anfangen können. Doch die gleichnamigen Chalets in Hüttschlag, mitten im Nationalpark Hohe Tauern, heben die Bedeutung auf ein neues, ungleich höheres Niveau. Nach dem sonnigen Start in München, trübt sich der Himmel immer mehr ein und erste Quellwolken zeugen von Wärmegewittern.

Spätestens mit dem Abzweig von der A10 erwischt es mich und die Scheibenwischer quietschen große Regentropfen zur Seite. Da meine Mundwinkel seit Geburt ans Wetter geknüpft sind, zeigen sie merkelmäßig gen Süden. Wer kann mich jetzt noch aufheitern?  Na, vielleicht ja Christina, die mich freudestrahlend an der Rezeption in Empfang nimmt. „Schön, dass du da bist. Wie war die Fahrt?“. War sie längere Zeit nicht draußen gewesen oder will sie meine Sorgenfalten einfach so wegbügeln? 5 Minuten später muss ich feststellen, dass schönes Wetter hier fast fehl am Platze ist, denn die sechs Chalets bieten auf 100 qm alpinen Luxus der Spitzenklasse.

Ich bewohne also das Chalet Weinschnabel direkt am kleinen See, der eigentlich ein erfrischender Pool ist. „So heißt hier ein Berg in der Umgebung“ meint Christina und legt danach mit ihrer Einführung in die Räumlichkeiten erst so richtig los. Bedient wird alles per Tablet. „Wenn du hier drauf klickst, geht das Licht an. So lässt du Wasser in die Outdoor-Wohlfühlwanne. Damit startest du die Soundanlage. Soweit verstanden?“ Schon, denke ich mir. Als dann am nächsten Morgen um 5 Uhr die Beats durch das Chalet blasen, war wohl doch eine Lücke in der Kommunikationskette. Also lieber schön aufpassen, denn Christina lässt gerade einen ganzen Bilderrahmen verschwinden, um einen Fernseher entstehen zu lassen. Champions League Finale gesichert, denke ich mir.

„Im Kühlschrank wartet bereits eine Jause auf dich und eine Flasche Großarltalsekt“. Danach betrachte ich den Abend als geritzt. Doch es geht weiter, immer weiter.  Im Erdgeschoss befinden sich Küche mit uriger Sitzecke und Weinschrank. „Die Marmeladen sind selbstgemacht. Kannst du dir mitnehmen“ meint Christina. Das Wohnzimmer umarmt mich mit einem offenen Kamin. Es ist zwar eigentlich zu warm draußen, aber wenn´s schöner ausschaut…hilft ja nix. Also rein mit dem Brennholz, das zweimal täglich frisch gebracht wird.  Und es hat auch noch ein Gästezimmer, so dass insgesamt 4 Personen hier nächtigen können.

Das Obergeschoss wird mit einem offenen Bad (Wanne plus Regendusche) feierlich eröffnet, nur um vom Master-Bedroom abgelöst zu werden. Und ich weiß, dass jetzt viele sagen werden: Was? Unten gibt es nur eine Sonnenterrasse mit Bergblick?!?“. Genau. Um dem vorzubeugen, gibt es oben auch noch den entsprechenden Balkon dazu…auch mit Bergblick, versteht sich. Der Plan für den nächsten Tag ist damit klar. Erstmal in den Pool, nein in die Zirbensauna, ach quatsch aufs E-Bike oder vielleicht doch in die Wohlfühlwanne?

Die Entscheidung wird mir abgenommen, denn vor der Tür steht „Bachelor-like“ eine große Kiste mit dem ersten „Date“ des Tages, namens Frühstück. Das wird standesgemäß im Zimmer serviert und umfasst ein ganzes Buffet aus Semmeln, köstlichsten Käse-Schinken-Kombinationen, butterweichen Croissants, Eierspeisen zur Selbstkreation, Müsli-Variationen und Lachs mit Senf-Dill-Sauce. Könnte ja jemand was vermissen.

Bewegung tut jetzt Not und auch da hat Christina den richtigen Tipp auf Lager. „Fahr einfach die 8 Kilometer bis ans Tal-Ende zum Gasthof Talwirt und von dort zu Fuß in 2 ½ Stunden hinauf zum Schödersee. Kann aber sein, dass der schon ausgetrocknet ist“ „???“ Die Auflösung folgt auf den Fuß: „Der Schödersee ist halt nur zur Schneeschmelze und nach starken Regenfällen mit Wasser gefüllt“. Also Gas geben, denn gestern ist ja „Einiges“ runtergekommen. Das erste Teilstück bis zum Ötzlsee verläuft noch recht ebenmäßig durch Wiesen und Auen, vorbei an alten Bauernhöfen und dem erfrischenden Kreealmwasserfall.

Danach geht es immer entlang eines donnernden Baches hinauf ins malerische Schödertal. Der Weg ist bereits das Ziel, so sehr begeistert mich der Anstieg über Fels und Gestein, welches hin und wieder etwas rutschig ist. Bergschuhe sind daher Pflicht, ausgefeilte Klettertalente jedoch nicht, so dass ich recht locker in gut 2 Stunden am wunderbar klaren Schödersee stehe.

Der liegt auf 1.440 Metern und ist der Auftakt für eine Vielzahl von alpinen Wanderungen im Nationalpark Hohe Tauern.  Doch ich will meine beiden Gastgeber, das Ehepaar Prommegger ungern warten lassen. Schließlich steht noch ein herausragendes Abendessen im Restaurant Auszeit-Alm auf dem Programm. Dabei erfahre ich, dass schon der österreichische Bundeskanzler in Spe, Sebastian Kurz, zu Besuch war und das das Chaletdorf im ersten Jahr bereits zu 90 % ausgelastet war. Das Konzept der individuellen Klasse, es gibt fast so viele Angestellte wie Gäste, scheint voll aufzugehen. „Wer einmal hier zu Gast war, kommt immer wieder“ bestätigt mir Rupert Prommegger und dem ist wirklich nichts hinzuzufügen.

Am nächsten Morgen drückt mir Christina zum Abschied noch ein Verpflegungspaket aus Hirschwurscht, Brotlaib und Badesalz in die Hand. „Komm gut heim und besuche uns bald mal wieder“. Das werde ich sicher tun, aber einen Abstecher gönne ich mir dann doch noch. Etwa 30 Kilometer nördlich von Hüttschlag, befindet sich mit dem Hochkönig der höchste Gebirgsstock der Berchtesgadener Alpen.

Eine Tal- und Auenlandschaft wie aus dem Bilderbuch, die durch die triumphalen Zacken des fast 3.000 Meter hohen Gebirgsensembles dominiert wird. Ich parke meinen Audi am Arthurhaus in Mühlbach und erreiche nach lockeren 30 Minuten die Zwischenetappe der Mitterfeldalm, wo ich mir bereits den Kaiserschmarrn für den Rückweg reserviere. Der Wanderpfad zum Gipfel wird als lang, anstrengend, aber landschaftlich herausragend beschrieben. Und auch wenn ich die ca. 1.600 Höhenmeter zeitlich gar nicht mehr schaffen kann, versuche ich wenigstens die Hälfte, um durch unberührte Schneefelder stapfen zu dürfen. Der Schweiß rinnt mir in Kaskaden von der Stirn, aber die Einsamkeit der brutal schönen Gebirgslandschaft pusht mich immer weiter nach oben.

Vielleicht fehlen am Ende 500 Meter, doch erste Quellwolken mahnen mich der Worte aus der Internetgemeinde. Sobald das Wetter umschlägt, verwandelt sich die Tour in eine „schwarze Bestie“ und man sollte besser umkehren. Zudem wartet ja an der Mitterfeldalm noch eine gehäckselte Eierspeise auf mich. Und einen Kaiserschmarrn sollte man nie warten lassen.

Ein paar flotte 360 Grad Videos habe ich euch bei VeeR abgelegt. Also einfach VR-Brille auf und schon seid ihr selbst da.

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