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Big Island, Hawaii

Die leichte Brise erzeugt fast so etwas wie einen Schauer auf der Haut. Oder ist es einfach nur Ergriffenheit beim Anblick des Haleakala, der in der untergehenden Sonne mit seinen 3.055 Metern deutlich aus den Wolkenfeldern heraussticht.

Eine hawaiianische Gitarre klimpert sanft im Hintergrund, ein Hulamädchen, weit abseits der 40, wiegt im Takt, doch die Besucher haben in diesem Augenblick nur Sinn für das orange-rote Gemälde, was sich da über den Pazifik schiebt.

Wir befinden uns im angesagten Lava Lava Beach Club auf Big Island, nippen am gleichnamigen Lava Lava Flow, eine Art Pina Colada mit Strawberry-Schuss, und genießen den Lava Lava Sunset. Wenn man Hawaii in einem Augenblick einfangen müsste, dann wäre es vielleicht dieser.

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Doch fangen wir 20 Jahre früher an. Da gab es diesen Club noch gar nicht und ich war das erste Mal auf Big Island. Gefühlt hat es damals nur geregnet und von sprudelnder Lava war weit und breit nichts zu sehen. Einziger Höhepunkt war der Helikopter Flug über den Hawaii Volcanoes Nationalpark. Heute kann ich über meinen damaligen Fehler nur lachen. Buche dir niemals ein Hotel in Hilo, denn das ist mit Abstand der regenreichste Ort der Insel. Kein Wunder also, wenn der Urlaubsfunke gar nicht überspringt. Dafür fehlt Hilo auch die Infrastruktur.
20 Jahre später lande ich an der Westküste von Big Island in Kona und checke im 50 Kilometer nördlich gelegenen Hilton ein. Die Sonne knallt auf erstarrte Lava- Felder und mein erster Weg führt mich in die Daylight Mind Coffee Company.

Andre_Gebel_Big_Island_turnagain

Besser kann man nicht frühstücken und den Tag beginnen. Hier treffen sich die Schönen und Entspannten, um so gegen 10, 11 Uhr so langsam in die Puschen zu kommen. Ein kleiner Bummel durch Kailua-Kona, vorbei an Bars und Souvenirshops zum Kailua Pier, wo alljährlich der Schwimmteil des berühmten Iron Man Triathlon startet.
Danach geht es weiter nach Süden und man merkt schnell, dass sich Big Island nicht so spielerisch umrunden lässt, wie die anderen Inseln des Archipels. Aufgrund der Straßenführung und Geschwindigkeitsbegrenzungen ziehen sich die Teilstücke wie erstarrte Lava. Erster Stop ist die weiß-blau gestrichene St. Peter’s Church, die wegen ihrer Lage direkt am Meer berühmt ist. Ein nettes Fotomotiv, mehr aber auch nicht.

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Deutlich interessanter wird es da im Puuhonua o Honaunau National Historic Park, ein ehemaliger polynesischer Zufluchtsort, der wunderbar restauriert wurde. Mehrere Holzgebäude, Kanus und die eindrucksvollen Holzpfähle hinterlassen einen bleibenden Eindruck.

Puuhonua_o_Honaunau_Big_Island_Hawaii_turnagain

Leider ist dies auch die Anlaufstelle der ganzen Tagestouristen und so wirken die wenigen Gebäude schnell überlaufen. Um die Steilküste ein wenig genießen zu können, wähle ich den Weg über die Lavaklippen und bin fasziniert von den vielen bunten Fischen, die in kleinen Tümpeln auf die herannahende Flut warten.

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Ganz interessant ist dann noch der Abstecher zur angrenzenden St. Benedict’s Church, deren ausgemaltes Interieur ihr auch den Beinamen Painted Church bescherte.
Auf dem Weg zum Hawaii Volcanoes Nationalpark lohnt eigentlich nur noch der Black Sand Beach, dessen schwarzer Sand einen brutalen Kontrast zu den Grünen Palmen bietet.

Black_Sand_Beach_big_island_hawaii_turnagain

Der Strand ist vor allem bei den Einheimischen beliebt. Die wenigen Touristen belassen es meist bei einem Spaziergang. Und dann geht es auch schon mitten hinein in die übereinander geschichteten Lavafelder des Nationalparks. Unzählige Ausbrüche des Kilauea lassen sich bestaunen. Leider ist die Straße am Crater Rim Drive aufgrund der andauernden Aktivität oft gesperrt und so erblickt man den eingesunkenen Kessel dieses Monster-Vulkans aus sicherer Distanz von einem Lookout. Das sieht von oben leider nicht sonderlich spektakulär aus. Hin und wieder zischt eine Rauchwolke hoch, doch wer glühende Lavaeruptionen erwartet hat, der wird wohl eher enttäuscht wieder abdüsen. Interessant ist sicher eine Wanderung im Talkessel, die durchaus möglich ist. Bei 30 Grad im Schatten, sollte man jedoch den späteren Aufstieg schon beim Abstieg bedenken. Und so nehme ich lieber die Stichstraße Chain of Craters Road, um dem Lavafluss bis ans Meer zu folgen.

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Hier warten dann tatsächlich noch einige Höhepunkte. Das Thurston Lava Tube ist ein erstarrter Lavatunnel, der 150 Meter lang, wie ein Tunnel durch den Dschungel führt. Fühlt sich ein bißchen wie „Inside an Alien“ an und sieht auch exakt wie bei Ridley Scott aus. Ganz am Ende der Straße führt ein Aussichtspunkt zum eindrucksvollen Holei Sea Arch und man stößt auf alte Highway-Schnipsel, die von zähflüssiger Lava kunstvoll vereinnahmt wurden.

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Hier kann man angeblich Tage verbringen, doch mein eigentlicher Höhepunkt auf Big Island liegt auf 4.025 Metern Höhe und ist nicht selten von Schneefeldern umgeben. Es gibt kein Bier auf Hawaii, aber Schnee den gibt es durchaus. Allein die Straße auf den Mauna Kea (weißer Berg) ist ein kleines Abenteuer.

Nicht selten ist der anhaltende Aufstieg durch zähe Nebelfelder getrübt, zudem ist die Steigung für kleine Mietwagen oft kein Vergnügen. Vor 20 Jahren bin ich hier mit qualmender Motorhaube kläglich gescheitert. Doch diesmal knallt die Sonne und die Mittelklasse schnurrt wie ein Kätzchen. Bis die geteerte Straße einfach endet. Ein letzter Außenposten, ein paar Parkplätze und drehende Autos. Was jetzt? Die Polynesierin im Coffee-Shop murmelt was von Gravel Road, gefährlich, besser umdrehen.

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Doch das ist mein Wetter und so geht es im ersten Gang über die hundsmiserable Lavapiste immer weiter nach oben. Nach 20 Minuten will ich eigentlich aufgeben, würde da nicht wie aus dem Nichts ein Economy- Fahrzeug erscheinen. Der Fahrer, sichtlich durchgerüttelt, aber glücklich. Seine Botschaft: „Halte durch Kumpel. Noch 10 Minuten, dann triffst du auf Teer“. Und so ist es dann auch.

Vorbei an Schneefeldern erreicht man das Mauna Kea Observatory, dass hier oben wie eine Mondstation wirkt.

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Der Ausblick auf die umliegenden Vulkankegel ist atemberaubend und die Einsamkeit kaum zu fassen. Ich bin alleine auf dem Gipfel des Mauna Kea. Ein übereinandergeschachtelter Steinhaufen, ein paar flatternde Stofffetzen und Erinnerungsstücke von Verstorbenen machen den Ort zu einer Kultstätte der Polynesier. Ein Platz voller Magie, Schönheit und Tragik. Ein bißchen so wie Hawaii halt.

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Noch mehr Hawaii gibt es in meinem Bericht über die Nachbarinsel Kauai.

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