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The Draycott, London

Von Hauptstadt zu Hauptstadt – von einem verlassenen Parkdeck in Berlin Wedding direkt in den Privatgarten des Draycott Hotels in Chelsea London. Der Tag hätte keine größere Wendung nehmen können, wenn ich an die letzten hektischen Drehminuten zum neuen Spot meines Kunden SportScheck denke und ihn mit der friedlichen Atmosphäre in einem der schönsten Privatparks von London vergleiche.

Und das Schöne, ich befinde mich Mitten im wunderschönen Stadtteil Chelsea und die edlen Shoppingmeilen, Restaurants und Galerien rund um den Sloane Square sind nur eine Sneakers-Spitze weit entfernt. Schon beim Verlassen der Underground, präsentiert sich die Stadt von seiner klassischen Seite und beim Anblick der roten Doppeldeckerbusse und schwarzen Cabs glaubt man, die Zeit wäre einfach stehen geblieben. Doch hinter der nostalgischen Fassade, stecken natürlich längst modernisierte Karossen, ähnlich wie im herrlich britischen The Draycott Hotel, das auf eine lebhafte Geschichte bis ins Jahr 1890 zurückblicken kann und mir zur Begrüßung erst einmal eine Tasse Tee mit Cookies serviert.

Meine Blicke schweifen von den dicken Stoffsofas im gemütlichen Salon direkt in den bereits mehrfach gerühmten Privat-Park, während im Hintergrund die Koffer dezent vom Butler-Service in die Suite getragen werden. „Welcome to the 1890s“. Die Zimmer im Draycott tragen keine Nummern sondern Namen und als sich die Türen meiner Vivian Leigh Suite öffnen, spüre ich den Hauch von Hollywood, denn das 45 Quadratmeter große Zimmer verfügt nicht nur über einen atemberaubenden Blick ins Grüne, sondern klotzt mit Prunk in Form eines gigantischen Kingsize Bettes, einer Sofasitzecke mit offenem Kamin, einem imposanten Glastisch mit Königssesseln samt Sekretär und Schminktisch (Danke dafür!) sowie einer voll ausgestatteten Küche.

Alles stilecht mit Stuck und Kronleuchtern dekoriert, so dass meine Zeitreise in die Vergangenheit zunächst anhält. Einzig das Wetter mag sich gar nicht meinen Klischeevorstellungen anpassen, knallt die Mai-Sonne doch mit erfreulichen 25 Grad ungebremst vom Himmel. Und das wird sie auch noch in den Folgetagen tun, so dass mein erster Weg am Samstagmorgen zum Coca Cola London Eye führt, wo ich mir den Ritt zum Himmel bereits online für rund 30 € reserviert habe.

Der Andrang hält sich dann in Grenzen, was vielleicht am Preis, den stark spiegelnden Scheiben oder auch am eingepackten Palace of Westminster liegt. Vom Big Ben ist jedenfalls nur noch das Uhrwerk ausgekachelt und man braucht schon deutlich Höhe, um den schönen Schein zu wahren.

Deutlich mehr Traffic ist dann schon in der Wedding Chapel der Royals mit Namen Westminster Abbey, wo ganze Generationen von Kindern und Kindeskindern immer noch auf ihre erste Krönung warten, doch solange Elisabeth II auf dem Thron sitzt, wird uns diese Zeremonie wohl weiterhin verwehrt bleiben. 22 Pfund beträgt der stattliche Eintrittspreis, mit dem man sich in die endlose Schlange einreihen darf, die im Einbahnstraßenverkehr durch die fast 800 Jahre alte Kirche geführt wird.

Auch wenn man sich mehr Einsamkeit zum Genuss gewünscht hätte, ist der Parcours vorbei an Gräbern (u. a. David Livingstone, Maria Stuart, Charles Darwin), Monumenten und Kapellen mehr als spektakulär und jeden Penny wert.

Es wird „hot in the city“ und die kleine Pause im St James´s Park, dem Vorgarten des Buckingham Palace, tut richtig gut, zumal sich halb London heute hier auf Liegestühlen wie in einem Strandbad fläzt. Danach ist der Akku zumindest wieder halbvoll, um entlang der exklusiven Boutiquen der New Bond Street zu bummeln und auf einen Caesars bei Aubaine Mayfair vorbeizuschauen.

Die Atmosphäre im Herzen der Stadt rund um den Piccadilly Circus ist wirklich außergewöhnlich, das Straßenbild mit den prunkvollen Bauten brutal berauschend und die Parkanlagen sind so sauber und gepflegt, dass sie aus einem Gartenpflege-Katalog entsprungen scheinen. London scheint so perfekt mit seiner Symbiose aus Tradition und Moderne, so vielseitig, reich und bunt, dass man den Briten den Brexit nicht verübeln kann.

Fehlt eigentlich nur noch der richtige Abschluss für den Abend und da kann es in Anbetracht der letzten warmen Sonnenstrahlen nur eine Lösung geben: Die Millennium Bridge. Über die, in tiefes orange getauchte Kuppel der St. Paul´s Cathedral, erreiche ich in wenigen Gehminuten das mit Menschen vollgepackte Ufer der Themse und möchte fast augenblicklich mit all den glücklichen Gesichtern auf den perfekt orchestrierten Tag anstoßen.

Aber die in der Ferne glänzende Tower Bridge treibt mich zunächst weiter durch das Pub- und Ausgehviertel um den Borough Market (unbedingt die Fish&Chips im zentralen fish! Restaurant probieren), wo selbst am Abend noch Spieße über dem offenen Grill gedreht werden und das Bier in Strömen fließt.

Es gibt so viele überragende Plätze in dieser Stadt, dass es einfach Willkür ist, dass ich letztendlich im Le Pont de la Tour versacke und mit einem Raspberry Daiquiri der berühmten Klappbrücke zuproste. Das mit dem versacken ist übrigens nicht meine Schuld, denn der Service lässt sich durchaus Zeit in diesem erstklassigen Franzosen. Erster Drink ca. 15 Minuten, erstes Brot ca. 60 Minuten, Hauptgericht ca. 100 Minuten, Rechnung nicht mal 5. Sei es drum: London ist immer eine Reise wert und wer dabei noch im Draycott wohnt, macht gleich noch eine selbige in die Vergangenheit.

Wem ein Sonntag in der City ein bißchen zu fad ist (was in Anbetracht verkaufsoffener Sonntage kaum vorstellbar ist), dem empfehle ich einen Abstecher nach Notting Hill. Auf der Portobello Road hat bisher noch jeder sein Liebhaberstück aus altem Trödel und kitschiger Souvenir-Ware gefunden und wem auch das zuviel Klischee ist, der schlendert einfach durch die imposanten Seitenstraßen, um auf den Spuren von Hugh Grant und Julia Roberts tolle Villen und prachtvolle Hinterhöfe zu entdecken.

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung des The Draycott Hotel in London und der wunderbaren Organisation von Maya Rebekina.

 

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