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Sonnenalp Hotel, Vail Colorado

Vail oder Aspen? Daran scheiden sich hier in den USA die Geister, denn beide Resorts gehören zur Champions League im alpinen Zirkus und waren Austragungsort zahlreicher Ski Weltmeisterschaften, wie zuletzt Vail im Jahr 2015. Das Foto vom damaligen Stargast Felix Neureuther ziert noch die Ahnengalerie im Sonnenalp Hotel, jenem Traditionshaus, dass schon seit 5 Generationen im Besitz der Familie Faessler aus dem Allgäu ist.

Genau wie das Mutterhaus in Ofterschwang, gehört auch das 5-Sterne-Ressort in Vail zu den Leading Hotels of the World und so fühle ich mich direkt ein bisschen heimisch in meiner Blue Spruce Junior Suite. Zwei dicke Stoffsessel gruppieren sich um einen knisternden Kamin, das TV-Gerät verschwindet gänzlich unamerikanisch in einem rustikalen Holzschrank, die Matratzen grinsen einladend wie ein dick belegter Cheeseburger und das elegante Marmorbad überrascht mit ausgedehnter Wellness-Wanne.

Jetzt noch raus zum Skifahren? Oder auf die exklusive Boutiquenmeile des East Meadow Drive? Nix da. Jetzt ist erstmal Spa-Time angesagt, denn schließlich verfügt die hoteleigene Wellness-Oase über einen großen „In-geht-über-in-Outdoor-Pool“ sowie drei blubbernde Jacuzzis, die mich in den nächsten Stunden ordentlich beschäftigen.

Zum Dinner tauche ich dann doch wieder auf und setze weiterhin auf rustikal. Nachdem TripAdvisor nicht nur die Sonnenalp auf 1 setzt, sondern auch die heimische Bully Ranch empfiehlt, schaffe ich es echt nicht mehr vor die Tür. Und der Laden knallt ganz ordentlich mit seinem Mix aus Alpenvorland meets Amerika. Davon lasse ich mich glatt anstecken und bestelle zu den weltmeisterlichen Spare Ribs einfach ein frisch gezapftes Hofbräu. Schmeckt fast besser wie in…na sie wissen schon.

Tag 2 und Colorado lechzt nach Neuschnee, der hier, wie auch in Aspen, bitter nötig wäre. Doch Petrus schickt den Sonnenschein und mir ein breites Grinsen ins Gesicht, das zumindest bis zum Kassenhäuschen anhält.

Danach greife ich beherzt zur Sauerstoff-Flasche, denn 189 $ für ein Tagesticket, sind mal eine ordentliche Ansage. Aber hey, das ist nicht einfach eine Liftkarte, wie ich dem frischgedruckten Stück Plastik anschließend entnehmen darf. Es ist die Einladung zu einem gottverdammten „epic day“!!! Die Amerikaner wissen halt, wie man einen netten kleinen Skiausflug zu einem Mega-Event hoch emotionalisiert. Doch sie haben da auch einen Berg vor der Tür, der unsere Definition von Weite, Breite, Einsamkeit und Schneegefühl auf ein neues Level hebt.

Anders als in Aspen, lässt sich das gigantische Gebiet bequem vom Vail Village aus erreichen und pendelt in einer Höhe zwischen 2.500 und 3.500 Metern. Die Pisten sind in einem sehr guten Zustand, was nicht nur für die stets gepflegte Front Side gilt, sondern auch für die kürzlich geöffneten Back Bowls, einer illustren Truppe an schwarzen Abfahrten, die sich auf der Rückseite des Berges befinden. Insgesamt gibt es sagenhafte 234 Abfahrten, die mit nur 25 Liftstationen versorgt werden und genau so fühlt es sich beim Fahren auch an. Man hat stets mindestens 3 Möglichkeiten, den nächsten Abschnitt zu erreichen.

Von Doppelschwarz bis hin zu Grün, von Buckel über Tannenslalom bis hin zur Open Range. Da ist für jeden etwas dabei und man ist locker eine halbe Stunde unterwegs, um    z. B. von Wildwood bis ins Village abzufahren. Einziger Wehrmutstropfen: Um 15 Uhr ist bei den meisten Liftanlagen bereits Schicht im Schacht und der „epic day“ nimmt ein apruptes Ende. Festzuhalten bleibt aber, dass ich selten so viel Spaß beim Skifahren hatte wie in Vail, was jetzt finanziell ungefähr so viel heißt wie: Lieber einmal richtig geil, als 5-mal öde „Gurkerei“.

Epilog:

Die Entscheidung fiel bei einem Croissant mit selbstgemachter Nuss-Nougatcreme, die sich ihren Platz im Frühstückshimmel bereits heute sichern konnte. Die Frage lautete recht simpel: „Another epic day“ oder „just an Otto-Normalverbraucher-Lonely-Ride-to-Denver“? Ein kurzer Blick durch das sonnendurchflutete Panorama-Fenster im Sonnenalp-Restaurant Ludwig´s reichte, um den Rückweg einfach zu verschieben.

Sch… auf die 189 $ Liftgebühr, wenn du eines der besten Ski-Resorts vor deiner Nase hast und in einem so wunderbaren Hotel wohnst. Während Patricia mir einfach meine Suite um eine Nacht verlängert, sitze ich keine 60 Minuten später erneut beim Ski Concierge des Sonnenalp, der direkt im Skihaus an der Piste platziert ist und lasse mir meine Ausrüstung vorgewärmt servieren, um in 2 Minuten in der Gondola One zu sitzen, denn schließlich fehlen noch das Blue Sky Basin und die westlichen Abfahrten von der Two Elk Lodge auf meiner Bucket List. Temperaturen wie im Frühjahr, wildromantische Abfahrten durch schneebedeckte Tannen-Wälder und als Aperitif einen Carrot-Cupcake im Mountain Cupcake Coffeeshop mit Blick auf die Plaza samt Eisfläche und Skigebiet.

Ein sonnengebräunter Amerikaner im kunterbunten Skianzug sieht mich an einer Feuerschale sitzen und wirft mir ein selbstzufriedenes: „What a Life“ entgegen, lächelt und verschwindet im Cupcake-Paradies. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung des Sonnenalp Hotel in Vail.

Wer sich nicht zwischen Vail und Aspen entscheiden kann, dem empfehle ich noch meinen Artikel über Aspen

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