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The Joshua Tree Tour 2017, Miami

Die vier Triebwerke schnurren wie ein Kätzchen, als der mächtige A380 durch den dichten Wolkenhimmel über Miami gleitet. Souveräner als mit dem König der Lüfte, kann man in dieser kunstverrückten Stadt kaum landen. Die schwüle Luft taut mein tiefgefrorenes Shirt in Sekundenschnelle auf und es schmiegt sich liebevoll an meinen Körper.

Für die kommenden 2 Tage habe ich mich im Lord Balfour und damit mitten ins Epizentrum von South Beach einquartiert. Ob man das nach 10 Stunden Flug wirklich empfehlen kann, lasse ich mal offen, denn der erste Streifzug am Ocean Drive erfordert starke Nerven.

Was hier an Kilos, auf den Hanteln und auf den Hüften, zur Schau getragen wird, sucht selbst in Las Vegas seinesgleichen. Dazu mitgezählte 30 Junggesellinnen-Abschiede und eine Car-Tuning-Parade in Dauerschleife. Die einstigen Art-Deco Diamanten wie das Colony oder Breakwater, sind heute Durchlauferhitzer für Cocktail-Enthusiasten. Man muss schon etwas abseits der Rummelmeile unterwegs sein, um einen ruhigen Platz mit Blick auf den Ozean zu erwischen. Die Sonnenterrasse des Ritz Carlton ist so eine Ausnahme und schafft es sogar, einen ordentlichen Bacon Cheeseburger zu servieren.

Am nächsten Morgen sieht die Welt schon anders aus. Die Sonne lässt den Art Deco Glanz der 50er Jahre noch einmal neu erstrahlen und zaubert ein fast friedliches Licht auf die frühen Jogger im Lummus Park.

Nach dem Frühstück im News Café, zieht es mich zunächst in den Graffiti-District um die Wynwood Walls. Was hier über unzählige Straßenzüge an Wände, Shops und Bars gesprüht wurde, sucht auf der Welt seinesgleichen. Im Jahre 2009 gegründet, wurde aus dem heruntergekommenen Viertel Wynwood mittlerweile ein künstlerischer Hotspot und die Anzahl der Kunstwerke geht in die Hunderte.

Neue entstehen, alte müssen weichen. Von daher lohnt ein Abstecher eigentlich immer. Neben coolen Galerien, haben sich einige Szene-Restaurants hier angesiedelt.

Doch Lunch muss warten, denn wer, wie ich, auf den Spuren der deutschen Premium-Soap „Bachelor“ wandelt, der erinnert sich natürlich an die wildromantische Tanzszene zwischen dem stets lispelnden Sebastian und der nicht minder sprachbegabten Kattia. Und diese fand im Cubaocho Museum statt, was nichts anderes als eine Kuba-Bar der historischen Superlative ist.

Getrunken wird an Tischen aus aufgenagelten Bildern, im Innenhof treffen sich die Künstler zur gemeinsamen Session, auf der Bühne jammen ein paar Musiker und an der Bar fließt der Rum. Hier trifft man auf Touristen wie Exil-Kubaner, die den wunderbar authentischen Stadtteil Little Havanna dominieren. Im Domino Park kann man den Alten beim gleichnamigen Spiel zuschauen und in der Little Havanna Cigar Factory & Lounge werden selbst am Sonntag echte Zigarren gedreht und verkauft.

Kuba war selten näher als an diesem Ort. Doch natürlich bin ich nicht nur wegen der Menschen und der Kunst hier, sondern vor allem wegen der Musik. Ohne sentimental zu werden, schließt sich für mich ein Kreislauf, der vor 30 Jahren im damaligen Müngersdorfer Stadion von Köln seinen Anfang nahm. Heute heißt der Ort des Geschehens vollmundig Hard Rock Stadium und steht im Norden von Miami. Die Band ist allerdings die gleiche und das Album, um das es geht, auch. U2 bitten zur Joshua Tree Tour 2017. Ich parke für lachhafte 35 $ direkt vor dem Stadion und kann mein Glück kaum fassen. 6 Stunden vor Beginn bin ich der erste Mensch am Einlass. Ungefähr so lange, bis ich auf die Schlange hingewiesen werde, die sich im Nordblock des Stadions gebildet hat. Doch auch mit der Nummer 725 sollte es für eine der ersten Reihen reichen.

Eines vorab. In Sachen Organisation macht den Amis keiner etwas vor. Es läuft alles ruhig und gelassen ab, ohne Gedrängel, denn schließlich wird man nach Numerierung ins weite Rund des Innenraums gelassen. Und siehe da, ganz vorne, direkt an der gigantischen Bühne ist noch ein Plätzchen frei. 2 Stunden später legen, pünktlich um 7 Uhr, One Republic los.

Die Band könnte mit ihren Hits gut und gerne selbst den Abend gestalten und so gibt es 60 Minuten lang volle Power vom hyperaktiven Lead-Sänger Ryan Tedder. Mit „If I loose myself“ endet ein gigantisches Set mitten im Publikum. Noch eine weitere Stunde stehen und schwitzen, bevor U2 um 21 Uhr die pre Joshua Tree Phase mit Sunday Bloody Sunday auf der B-Stage eröffnen. Diese kleine Bühne habe ich glatt übersehen und passt so gar nicht in meine Position, da sie 15 Reihen weiter hinten in meinem Rücken liegt. Nach gefühlten Ewigkeiten, in Wahrheit sind es nur 4 Songs, wird dann endlich die Main Stage mit „Where the Streets have no name“ betreten.

Was danach an Animationen über die Leinwand flimmert, ist schlichtweg der Oberhammer und unterstützt die 11 Songs der Joshua Tree ganz vorzüglich. Dabei sind es besonders die eher selten gespielten Titel, wie „One Tree Hill“, „Red Hill Mining Town“ oder das herzzerreißende „Mothers of the Disappeared“, die die Fans begeistern.

Mit den Zugaben aus der jüngeren Gegenwart, beschließt das krachende „Vertigo“ den Abend und die Lichter gehen wieder an. Nach über 6 Stunden „Shades of Steh“ mache ich mich zufrieden auf eine lange, sehr lange Reise Richtung Parkplatz. Aber gut, man kann ja nicht alles auf Anhieb finden.

 

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