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Villa di Campo, Gardasee

Lohnt es sich für ein Eis an den Gardasee zu fahren? Bevor wir uns der Frage widmen, lassen wir die Gegend sprechen, in der ich mich gerade befinde. Mitten auf einer Erhebung zwischen den Zacken der Brenta Dolomiten und dem Gardasee liegt das verschlafene Dorf Comano. Nur ein paar Häuser stehen inmitten der Olivenfelder und Gemüseplantagen, die von ihren Besitzern entweder liebevoll gepflegt werden oder längst verlassen wurden. Es ist so etwas wie der Gegenpol zum enervierenden Rummel am See, der mit der historischen Villa di Campo sogar ein echtes 4-Sterne-Haus mit Spa-Bereich beherbergt.

Ich erreiche den Ort am späten Freitagabend und fühle mich sofort in eine andere Zeit versetzt. Ein alter Steinbrunnen steht als Vorposten vor dem prunkvollen Gebäude und zeigt mir den Weg über die alten Kopfsteinwege bis zum hell erleuchteten Tower, wo unter einem opulenten Kronleuchter gerade das Abendessen serviert wird.

Ein Lächeln huscht über meine Lippen, als ich nur wenige Minuten später die oberste Turmzimmer-Suite öffne und den Blick in den Nachthimmel richte. Es ist schon ein ganz besonderer Ort, der so gar nichts mit dem üblichen Pauschalurlaub am Gardasee oder den Wellnesshotels in Südtirol zu tun hat.

Hier ist das Trentino noch so ursprünglich wie vielleicht vor 50 Jahren. Nach einem wunderbaren Dinner, wo es Perlhuhnbrust in Honigsauce und Mascarpone-Creme gab, stellt sich am nächsten Morgen bereits die knifflige Frage: Wasser oder Berge? Da ich noch nie einen Wanderstiefel auf die Pfade der Brenta-Dolomiten gesetzt habe, wähle ich den Einstieg am 20 Kilometer nördlich gelegenen Lago di Molveno, der heute wie ein Südseestrand in der Morgensonne glitzert.

Majestätisch spiegeln sich die Zacken und Türme der schneebedeckten Gipfel auf der sanften Wasseroberfläche, die im letzten Herbst mächtig in Wallung geraten ist. Denn nach einem Spaziergang durch den alten Ortskern von Molveno, dessen Gassen mit Jazzmusik aus der Musikbox beschallt werden und der anschließenden Gondelfahrt zum Rifugio la Montanara, sieht man sich unwillkürlich mit den Auswirkungen der apokalyptischen Unwetter aus dem letzten November konfrontiert.

Stürme und Regenfälle haben hier eine wahre Schneise durch das Wandergebiet geschlagen und hunderte Bäume entwurzelt, die über- und untereinander geschichtet den Hang hinuntergetrieben wurden. Es sieht aus als wäre eine Herde Orks über den Hügel gezogen, um alles Lebende dem Erdboden gleichzumachen. Nur eine kleine Gruppe Unverwüstlicher versucht den Quereinstieg aufs 2.339 m hohe Croz dell´Altissimo, der jedoch nach etwa 200 Höhenmetern unter ausgefrästen Wurzeln sein jähes Ende findet. Es hilft einfach nichts und wir entscheiden uns für den Panorama-Höhenweg Nr. 340B zum Rifugio Croz dell´Altissimo, welches immerhin namentlich dem angestrebten Gipfel seine Würdigung verleiht.

Auch hier gilt es hin und wieder einigen umgestürzten Tannen zu weichen, die sicherlich noch Monate hier liegen werden. Nach etwa 1 Stunde erreiche ich das heuer noch geschlossene Rifugio und genieße das Panorama, das mich förmlich reinzieht in die Bergwelt der Brenta Dolomiten.

Da ich jedoch die Frage: „Wasser oder Berge?“ mit „Beides an einem Tag“ beantwortet habe, trete ich den Heimweg an, erfrische mich kurz in der Villa di Campo und fahre auf der Serpentinenstraße SS421 nach Torbole am Gardasee. Geheimtipps gibt es hier wahrscheinlich keine mehr, doch mit der Pizzeria Al Porto und der Gelateria Liberty stehen in Torbole zwei Gourmet-Denkmäler, für die sich allein schon der Weg lohnt.

Besonders das halbgefrorene Eis, welches eher eine Sahneschlacht aus feinstem Amaretto ist, gehört in jeden Dessert-Absacker, der nach Caprese, Pizza, Lambrusco, Espresso und Limoncello endgültig den Deckel auf diesen wundervollen Tag macht. Zurück in meinem Turmzimmer zähle ich noch ein paar Sterne, bevor ich selig in die Nacht entschwebe, die mich am nächsten Morgen erst einmal vor einer Wand aus Nebel und Nieselregen absetzt. Berge oder Wasser? Immer das Gleiche hier und diesmal wähle ich sofort den See, um meinem zweiten Klassiker einen Anstandsbesuch abzuhalten.

Malcesine ist mit seiner Festung vielleicht die schönste Ansiedlung am Nordufer des Gardasees und zieht mit den romantischen Altstadtgassen und Geschäften die Urlauber in Scharen an. Von hier geht auch die Seilbahn auf das platt geklopfte Monte Baldo Massiv, welches von nächtlichen Schneefällen in ein weißes Kleid getaucht wurde.

Es sollte eigentlich nur ein kleiner Abstecher werden, der jedoch erst am späten Nachmittag in einem typisch italienischen Hafencafé bei Aperol Spritz, Antipasti und der unverwechselbaren Kulisse aus schaukelnden Booten, bunten Häusern und mächtigen Kalksteinfelsen endet.

Von daher muss ich die Frage, ob es sich tatsächlich lohnt, wegen eines Eisdielenbesuchs zum berühmten Gardasee zu fahren, eindeutig mit nein beantworten. Denn ohne Pizza, Caprese und Spritz sollte sich hier niemand auf den Heimweg machen. Oder was meinst du, Ted?

Dieser Artikel entstand auf Einladung des Hotels Villa di Campo und der wunderbaren Organisation von Cristina Cattoni.

Hier gibt es noch mehr Gardasee-Feeling sowie einen Bericht zur Stadt Verona.

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