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Hotel Vinea, Dorf Tirol

“Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden“ sagte einst Mark Twain, der damit aber leider nicht meine Zahnärztin umstimmen kann, denn ihre Diagnose lautet trocken und gnadenlos: „Der muss raus, keine Diskussion. Und zwar sofort!“. „Nein, das geht nicht“ flehe ich, denn schließlich muss ich ins Hotel Vinea nach Meran. „In den Iran?“ schnellt es zurück, Zange und Meißel schon in der Hand. „Nein, nur nach Südtirol“ nicke ich zeitschindend und so bleibt der entnervte, aber gespaltene Beißer noch übers Wochenende in meiner Obhut und ich genieße den Aufschub im nagelneuen „Refugium für die Seele“ inmitten der Wein- und Obstberge der norditalienischen Kurstadt.

Der Spruch von Mark Twain fiel weder vom Himmel, noch gehört er zum Standardrepertoire meines Langzeitgedächtnis, sondern ist vielmehr Credo für das im April 2018 eröffnete Vinea Hotel, dass sich ganz auf anspruchsvolle Pärchen positioniert hat, die den Luxus der 32 Apartment-Suiten schätzen.

„Für die Familien gibt es Ferien auf unserem Bauernhof, dass Vinea hingegen richtet sich an Reisende ab 14 Jahren, die gerne Abends in guten Restaurants speisen oder selbst eine Kleinigkeit kochen möchten“ erklärt mir Inhaberin Anna Rohrer, deren Familie in  Meran und Umgebung insgesamt 3 Herbergen betreut und auch Wein und Obst anbaut. „Der Apfelsaft ist frisch gepresst und hausgemacht. Da kümmert sich mein Bruder drum“ freut sich Anna und sieht an meinem Gesicht, dass ich heute Morgen zum Orangensaft gegriffen hab.

Doch in der Tat schmeckt man die frischen Speisen und Zutaten aus der Region, genauso wie man die verwendeten Materialien aus dem Weinbau erkennt, wie das hochwertige Eichenholz, dass sich nicht nur für Weinfässer, sondern auch für Boden- und Wandverkleidungen in den Suiten bestens eignet.

Bereits am Eingang trifft man auf den ersten „Waal“ und was im Mittelmeer die Sensation wäre, ist hier ein kleiner in den Boden eingelassener Wasserlauf, der das typische Bewässerungssystem im Meraner Land darstellt. Denn Weinreben bestimmen das Landschaftsbild rund um das Vinea und so blicke ich von meiner 50 qm großen Experience Suite direkt in einen Hang aus Reben, die von schneeüberzuckerten Bergriesen flankiert werden. Noch mehr Panorama gibt es nur von der Dachterrasse im 6. Stock, auf der sich auch die entsprechende Panoramasauna befindet.

Also heize ich mich mal eben auf 90 Grad hoch, um dann die nebenstehende Eistonne zu meiden und lieber im beheizten Infinitypool zu baden. Muss ich heute überhaupt das Hotel verlassen? Oh ja, meint Anna Rohrer, drückt mir eine Wanderkarte in die Hand und schickt mich vom Dorf Tirol auf den aussichtsreichen Gnaidweg hinunter nach Meran.

Vorbei an unzähligen Weinstöcken geht es durch ein botanisches Gesamtkunstwerk, dass wirklich einmalig in dieser Region ist, vor allem an der Stelle wo der Gnaid- durch den Tappeinerweg abgelöst wird. Und Meran so? Zu klein zum Shoppen? Zu wenig Auswahl an guten Mode-Läden? Zumindest waren die Taschen zu schwer, um die Stufen und Kehren hinauf ins Dorf Tirol zu Fuß zurückzulegen. Gottseidank gibt es ja den kleinen Sessellift der dich für 3,50 € fast direkt zurück ins Vinea trägt, wo ich am Abend meinen Fauxpas vom Frühstück revidieren kann und den hervorragenden Vernatsch der Familie Rohrer probiere.

Die Nacht bringt den ersten Neuschnee und vergisst dabei glatt, dass es Mitte August ist und wir den Jahrhundertsommer eingeläutet hatten. Sei es drum, die kühleren Temperaturen schenken mir eine gehörige Mütze Schlaf und den umliegenden Gipfeln ein weißes Kleid aus feinsten Flocken. Und wenn es einen Gipfel gibt, der selbst die 70 Kilometer Luftlinie tosend durchbricht, dann ist es der König Südtirols, dann ist es der Ortler, jener fast 4.000 Meter hohe Gletscherkopf, der mich schon seit Jahren magisch anzieht.

Dennoch sollte die heutige Tour eine Premiere sein, denn noch nie in meinem Leben bin ich hoch ins abgelegene Sulden gefahren, um die Eiswände aus nächster Nähe zu bewundern. Trotz der Hochsaison, die man in Meran durchaus spürt, ist hier am Ende der Straße nicht viel los und ich nehme den Sessellift hinauf auf die Kanzel, um von dort den sagenhaft schönen Panoramaweg zur Düsseldorfer Hütte auf 2.721 m anzutreten.

Noch sind Ortler und Gran Zebru hinter weißen Wolkenfeldern verdeckt, doch die Sonne schiebt sich bereits durch die weißen Fetzen und lässt die Gletscher würdevoll erstrahlen. Knapp 400 Höhenmeter geht es beschaulich bergauf durch ein grünes Tal, das von einem milchig schimmernden Gletscherfluss durchrissen wird. Die frisch beschneiten Berge wirken dabei ebenso perfekt gecastet wie die zahlreichen Tiroler Grauvieh-Kühe, die fotogen direkt am Bach weiden. Es ist eine so perfekte Welt, der sich letztlich auch der Ortler hingeben muss und sein Kleid aus Wolken gänzlich ablegt, um in voller Pracht vor den wenigen Wanderern an der Düsseldorfer Hütte zu erscheinen.

Direkt hinter der Schutzhütte ist noch ein kleiner See, der ein wunderbares Fotomotiv abgibt und zum Verschnaufen einlädt. Immer entlang des reißenden Flusslaufs geht es auf dem Wanderweg Nummer 5 zurück zur Talstation, wo in unmittelbarer Nähe noch das MessnerMountainMuseum Ortles auf mich wartet. Nachdem Firmian bei Bozen so etwas wie das Herzstück der Ausstellungsstätten des Südtiroler Bergsteigers ist, sich Corones auf dem Gipfelplateau des Kronplatz um den traditionellen Alpinismus kümmert, ist Ortles ganz dem Thema Eis gewidmet.

Das Museum ist unterirdisch gebaut und beherbergt zahlreiche Bilder aus der Berg- und Gletscherwelt, die von den akustischen Effekten einer Schneelawine oder knackendem Packeis untermalt werden. Das Besondere dabei ist sicher die architektonische Umsetzung und Einzigartigkeit der einzelnen Messner-Museen. Wer nur deswegen nach Sulden hochgefahren ist, der wird eher enttäuscht sein, da es im Vergleich zu Firmian deutlich kleiner ist und man in etwa 30 Minuten alles gesehen hat. Wer dann noch Lust auf frisches Yak hat, der kann im Messner Restaurant Yak & Yeti noch selbiges verputzen oder zurück ins heißgeliebte Meran fahren, um die Nacht im Vinea Aparthotel zu verbringen.

Und was wurde aus dem Backenzahn?

Der ist mittlerweile gezogen und blickt glücklich, aber vielleicht auch ein bisschen wehmütig auf ein wundervolles Wochenende mit Angus-Burger, Kaiserschmarrn und frischen Crêpes zurück.

 

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung des Aparthotels Vinea The Living Experience in Dorf Tirol.

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