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Kitzhof, Kitzbühel

Der Schnee fällt noch etwas ungeschickt aus dem tiefverhangenen Novemberhimmel, so als würde er dem plötzlichen Wintereinbruch selbst nicht so recht trauen. Überrascht von den eigenen Möglichkeiten, überrascht von der eigenen Magie, ziert ein dünner Puderzuckermantel die umgebenden Gipfel, allem voran den berühmten Hahnenkamm mit seiner Streif, jener Skipiste, die als gefährlichste der ganzen Welt gilt.

Das Mountain Design Hotel Kitzhof bietet den vielleicht besten Blick auf die Zieleinfahrt und so kann ich mir den Lärm der zigtausenden Fans und Promis im Januar ganz gut vorstellen, als ich in die Einfahrt des 4-Sterne-Superior Hotels einbiege und gleichmal die Feuerwehrausfahrt zuparke.

Die Skier schmoren derweil noch im heimischen Keller, denn schließlich ist das alljährliche Wunder von Kitzbühel angesagt, was in der direkten Übersetzung ganz humorlos „Strategie-Workshop“ mit meiner coma AG heißt. Arbeiten, denken, Flip Charts basteln, an Stelle von genussvollen Schwüngen und heißem Glühwein auf urigen Hütten.

Doch ganz so spartanisch sollte es dann doch nicht werden, als ich mein Zimmer mit der offiziellen Nummer 383 betrete. Die Kitzhof Suite mag mit ihren 170 m² vielleicht etwas überdimensioniert für eine Person erscheinen, doch als Kombination aus Arbeits- und Schlafzimmer ergibt das Ganze plötzlich Sinn.

Und ganz ehrlich: wenn schon Kitzbühel, dann lassen wir es doch mal so richtig krachen. Gedacht, getan und schwubs glimmt auch schon der wundervolle Gas-Kamin, der Loewe TV ist auf Präsentationsmodus und die Espresso-Maschine röhrt entspannt im Hintergrund. Denkste, denn weder mein Vorstandskollege noch ich sind in der Lage, diese wunderbaren Assecoires in Eigenregie auf Betriebstemperatur zu fahren. Ganze dreimal muss der Haustechniker anrücken, um der vermeintlichen Technikagentur aus der Patsche zu helfen, doch am Ende lassen wir uns entspannt im riesengroßen Wohnzimmer einschneien und besprechen die Strategie des nächsten Jahres. Kann ja nur erfolgreich werden, bei dieser Aussicht auf die Kirchtürme und Hausberge dieses elitären Domizils.

Wer arbeitet muss auch wellnessen und da ist man im Kitzhof wirklich an der richtigen Adresse, denn der Spa-Bereich bietet mit seinem 15×5 Meter großen Indoor-Pool ein erstaunliches Bassin, um vor dem Abendessen noch schnell ein paar Bahnen durchzuziehen. In völliger Stille und Einsamkeit gleite ich durch die blaue Grotte und verzichte nur deshalb auf den Ruheraum, weil meine Zwei-Zimmer-Suite förmlich nach Beachtung schreit.

Wer sich also ein wenig Luxus gönnen möchte, kann hier durchaus mit 4 Personen nächtigen, da die Kitzhof Suite neben zwei wunderbaren Schlafgemächern, auch zwei Badezimmer, einen durchgängigen Dachbalkon, eine Gästetoilette, eine Bar samt Miniküche sowie als Herzstück, den wunderbar eingerichteten Wohnbereich, anzubieten hat. Man fühlt sich sofort heimisch und möchte das Zimmer eigentlich gar nicht erst verlassen, was natürlich viel zu schade wäre, denn der kleine Ortskern weiß mit seinen exklusiven Cafés und Boutiquen durchaus zu verzaubern.

Im November ist vom Trubel der kommenden Tage wenig zu spüren und viele der Restaurants befinden sich sogar noch im wohlverdienten Winterschlaf. Auf eine liebgewonnene Institution muss man trotzdem nicht verzichten.

Der Tiroler Bauernstandl offeriert mitten auf dem Rathausplatz herzhafte Käse-Schinken-Kombinationen und stellt den vielleicht besten Marillenlikör der Region her. Nach 1-2 Schnäpschen läuft’s dann auch erstaunlich gut mit der Strategie und so lässt sich wohl das neue Motto „Eier und Simplicity“ erklären. Was das heißt? Fällt mir bei der nächsten Marille sicher wieder ein.

Nächtigen ist das Eine, schlemmen stets das Andere. Das Frühstück kriegt eine glatte 1, auch wenn ich es nie wirklich über den überragenden Mohn- und Nuss-Zopf hinausgeschafft habe. Für den Abend sollte man dann lieber reservieren, denn das Hausrestaurant Weißer Hirsch ist gut gebucht und auch beliebt bei fremden Gästen. Mit ein wenig Geduld, bekommt man dann aber ein 4-Gänge-Menü mit Spezialitäten aus der Region, von denen ich den rosa gebratenen Rinderrücken und den abschließenden Topfenknödel mit Mandelbrösel und Erdbeereis herausheben muss.

Da kann man dem talentierten Martin Reiter und seiner Küchen-Crew eigentlich nur gratulieren, wie auch dem eigenen Team, dass am Wochenende viele neue Ideen für ein digitales Feuerwerk in 2018 aus der Pudelmütze gezaubert hat.

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One comment

  1. Wow, das klingt nach einem tollen Aufenthalt. Bisher war ich noch nie in Kitzbühel, aber da muss ich unbedingt noch hin. Mein letzter Urlaub in Sölden ist auch schon wieder viel zu lange her. Es wird Zeit, dass ich wieder auf die Skier komme!

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