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Hotel Seehof, Davos

Wie es wohl ist, neben Angela Merkel aufzuwachen? Oder mit Bono in der finnischen Sauna zu schwitzen? Oder gar mit Bill Gates bei einem Glas Rotwein über Chancengleichheit und Bildungsmöglichkeiten für Alle zu diskutieren? Näher als im Hotel Seehof von Davos kann man den Größen aus Politik, Wirtschaft und Entertainment kaum kommen, denn jedes Jahr im Januar ist die „Grande Dame“ unter den Davoser Hotels, Herberge und Austragungsort des World Economic Forum.

Dann gleicht die Stadt allerdings einer Festung und selbst Einheimische kommen nur mit Ausweis zu ihren Häusern. Die meisten Promis werden durch ihre Berater derart abgeschirmt, dass selbst das aufmerksame Hotelpersonal nur selten einen der ganz „Großen“ zu Gesicht bekommt.

Die Veranstaltung verpasse ich um glatte 7 Monate, um den Hochsommer in Europas höchstgelegener Stadt (1.600 Meter) zu genießen. Und der präsentiert sich gleich von seiner schönsten Seite. Im Ort regnet es in Strömen, auf den Bergen fällt bereits der erste Schnee und die Aussicht im Panorama-Restaurant des Seehofs reicht gerade mal bis zur gegenüberliegenden Straßenseite. Macht aber nichts, denn Maître d’hôtel Andreas Bursch und der 1. Oberkellner Philip Hübner haben meine späte Anreise schon erahnt und legen sich beim exquisiten Dinner-Menü ganz besonders ins Zeug. Also lass es regnen, solange es so ausgezeichnet schmeckt. Und so plätschert es dann auch die ganze Nacht solide vor sich hin, was meine Tiefschlafphase auf gesunde 9 Stunden in die Länge zieht.

Normalerweise würde ich beim Anblick des dunkelgrauen Firmaments am nächsten Morgen sogleich den nationalen Notstand ausrufen, doch in Anbetracht des eleganten Wellnessbereichs, stelle ich das Tagesprogramm einfach um. Ab 11 Uhr blubbert der Jacuzzi ganz für mich alleine, die 45 Grad im Dampfbad schwitzen nur für mich und auch im Ruheraum lässt sich keiner blicken.

Strategisch ein genialer Schachzug, denn mittlerweile lockert auch die Wolkendecke auf. Also nichts wie raus in die Stadt, ab nach Davos, der Perle der Graubündner Alpen. Wer sich ein wenig Illusion bewahren möchte, lässt jetzt einfach die nächsten zwei Sätze aus, denn Davos ist im Sommer sicher keine Liebe auf den ersten Blick.

Entlang der Promenade reihen sich meist standardisierte Hotels an zweckmäßig gestaltete Supermärkte, hin und wieder verspricht ein Sportgeschäft den ultimativen Summer Sale, dazu ein paar Restaurants und Tanzschuppen, die ihre besten Tage in den 70er Jahren hatten. Da hilft nur jede Menge Schnee drüber oder der Blick aus der Vogelperspektive und zwar von der Schatzalp, die mit dem gleichnamigen Hotel, eine alte Luxus-Heilstätte aus dem Jahr 1900, eine geschichtsträchtige Attraktion zu bieten hat.

Die Lage ist traumhaft, die Jugendstil-Atmosphäre wirkt dagegen eher morbide, da die Außenflügel des Hotels recht verwittert aussehen und im Inneren nur wenige Gäste auf den paar isoliert wirkenden Sofas sitzen. Und die Sonne? Ja, die scheint jetzt ausgerechnet auf dem gegenüberliegenden Gipfel, dem Jakobshorn, welches 1.000 Meter über Davos thront. Also nichts wie rüber, denn in Davos sind die Wege zwischen den unzähligen Bergbahnen kurz und der Preis ist in der Hotelübernachtung integriert.

Ich gebe Gas, denn das Sonnenfenster kann sich jederzeit wieder schließen, was natürlich kein Grund für das Bahnpersonal ist, von den halbstündigen Rhythmen der Bergfahrt abzuweichen. 15 Minuten Leiden, in einer sich mit Senioren füllenden Bahn, die Gesprächsfetzen über warme Unterwäsche, Wettrennen im Wanderverein und Abgänge im Bekanntenkreis in meine Gehörgänge pressen. Zum Schluss folgt noch eine Drei-Generationen-Familie aus England, die optisch und modisch einer Tüte Fish & Chips gleicht und dann kann es auch schon losgehen aufs 2.590 Meter hohe Jakobshorn.

Mittlerweile hat sich jedoch mein Sonnenfenster bereits wieder geschlossen und zurück bleibt ein feucht-nebliger Wolkenteppich, der den ganzen Downhill-Radlern nichts auszumachen scheint. Die Temperaturen kratzen am Gefrierpunkt und ich kann gar nicht schnell genug nach unten kommen in meinem ach so geliebten Seehof. Das bereits heiß herbeigesehnte Dinner findet heute im Restaurant Chesa statt, da im Panorama eine geschlossene Gesellschaft aus Rolls Royce Fahrern diniert.

Blöd, wenn man zum falschen Autoschlüssel gegriffen hat, doch was Küchenchef Markus Schneider heute hier kredenzen lässt, schlägt den gestrigen Abend noch um Längen. Zum warm werden gibt es Chinakohlsalat mit Kokos-Krevetten, zur zwischenzeitlichen Stärkung eine Gemüsebouillon mit Seidentofu und als kulinarisches Finale die Entenbrust auf Honig-Ingwer-Orangensauce mit Süsskartoffelgaletten.

Fehlt eigentlich nur noch…? Richtig, so ein ordentlicher Heidelbeer-Cheesecake samt Pflümli, der am Schluss für Ordnung sorgt. Herauszuheben ist der wirklich ausgezeichnete Service, an diesem Abend in Form des sehr umsichtigen Jiri, der das Hotel Seehof wirklich zu etwas ganz Besonderem.

Bleiben letztlich noch zwei Fragen offen: Wird das Wetter am nächsten Tag wirklich besser? Und welches ist die schönste Wanderung in der Davoser Bergwelt?

Frage Nummer eins will sich zunächst nicht so leicht beantworten lassen, da der Blick um 7.15 Uhr in der Früh noch eher an eine neue Episode von Shades of Grey erinnert. Doch es wird und nach dem ausgezeichneten Frühstück, wo ich das Bircher Müsli wirklich herausheben muss, geht es ab in Richtung Wägerhus, wo nach weiteren 3 Kilometern am Wägerhütta ein mittelgroßer Parkplatz die bereifte Endstation markiert. Mein Ziel sind die Jöriseen, jene in zahlreichen Foren angepriesenen Smaragde, die ich unbedingt von meiner Bucket List entfernen muss. Es geht anfangs recht gemächlich, später deutlich steiler zur Winterlücke rauf, wo man auf dem Bergkamm einen ersten Blick auf das Silvrettamassiv mit dem 3.410 Meter hohen Piz Linard genießen kann. Die Temperaturen schwanken zwischen Sommer und Herbst und sind damit prädestiniert für meine neue Runbold Light Jacke von Mammut, die mir das Team aus Seon netterweise zur Verfügung gestellt hat.

Deutlich mickriger als die schneebedeckten Gipfel, wirken da die 5 grau-trüben Tümpel, die sich vor die prächtige Gebirgskulisse schieben. Das also sollen die berühmten Jöriseen sein? Na gut, hilft nichts. Ich schieße ein paar Fotos, auf denen sich glücklicherweise noch ein Husky platziert und mache mich auf den vermeintlichen Rückweg.

Keine 10 Minuten später, stehe ich dann vor den zwei vielleicht schönsten Bergseen der Schweizer Alpen. Der größere der beiden Seen wird unterirdisch durch den Jörigletscher mit Schmelzwasser versorgt, was eine milchig grüne Färbung verursacht. Der Kleinere ist dagegen ein, in der Sonne funkelnder, Smaragd, an dem sogar geangelt werden kann.

Der Wanderweg verläuft zwischen den beiden Seen hindurch und erreicht hier seinen schönsten Abschnitt, denn natürlich geht es danach wieder 250 Höhenmeter nach oben, um über die Jöriflüelaturgga wieder zum Ausgangspunkt zu gelangen. Insgesamt dauert diese spektakuläre Tour rund 4 Stunden und legt auf 11 Kilometern, 825 Höhenmeter zurück. Leider gibt es auf dem ganzen Stück keine Einkehrmöglichkeiten, was eigentlich in Anbetracht der Schönheit und Beliebtheit der Tour nicht nachzuvollziehen ist.

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung des Hotels Seehof und Mammut.

 

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