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Hotel Walther, Pontresina

„Herzlich Willkommen im Wohnzimmer von Pontresina“ Anne-Rose Walther begrüßt mich voller Herzenswärme am Empfang und drückt mir sogleich einen fruchtigen Welcome-Drink in die Hand. Koffer und Auto verschwinden wie von Zauberhand und ich fühle mich direkt wohl in der neu renovierten Tagesbar, dem Herzstück des Hotel Walther oder besser, des neuen Hotel Walther.

„Die Fenster waren zum Teil zugemauert, das Parkett mit Teppichboden überdeckt, die Möbel historisch aber unbequem“ erklärt Anne-Rose Walther, obwohl ich es beim Blick in den wunderschönen Salon kaum nachempfinden kann.

„Kommen Sie. Ich zeige ihnen ein paar alte Fotos“. Wobei alt natürlich relativ ist, da der Umbau noch bis Mitte Juni angehalten hat. Und tatsächlich, es ist viel passiert, um das Traditionshaus von 1907 zu einer Begegnungsstätte aller Generationen und Lebensstile zu machen. „Die Schwellenangst vor dem palastartigen Bau, war schon sehr groß“ erklärt Frau Walther und ergänzt „heute haben wir alles offen gestaltet, wie zum Beispiel die neue Veranda, die zuvor als Möbelabstell-Lager genutzt wurde“.

Die Liebe steckt oft im Detail. So wurde das Parkett frisch abgeschliffen, der Stuck erneuert und Vorhänge mit speziellem Leinendruck angebracht. Auf den Vorhängen sind sogar die schneebedeckten Gipfel der Region zu sehen. „Ich möchte, dass unsere Gäste durch die Motive nochmals an die schönen Eindrücke ihrer Wanderungen erinnert werden“ freut sich Anne-Rose Walther. Persönliche Betreuung und Freude am Neuerschaffen sind die Essenz für den Erfolg der Walthers, denn auch Ehemann Thomas ist von sieben in der Früh bis halb zehn am Abend im Hotel unterwegs.

Er begrüßt mich zum Dinner und flachst: „Wir müssen den Gürtel enger schnallen, weiß nicht, ob es heute noch für einen Nachtisch reicht“. Mir macht er keine Angst, denn bereits das aufgeschäumte Kohlrabisüppchen und die Linguine können sich sehen und essen lassen. Doch was jetzt kommt, spielt in einer ganz anderen Liga. Sattelstück vom Lamm mit Aprikosen-Polenta in Thymiansauce und reduziertem Jus! Was daran reduziert ist, keine Ahnung. Doch wie man jetzt mit dem Schoko-Kuchen auf Vanilleeis noch einen draufsetzen kann, bleibt mir ein Rätsel. „Noch eins?“ Ok, warum nicht. Wenn´s der Sache dient.

„Hab schon gehört. Unsere Küche musste gestern Sonderschichten machen“ grinst mir Thomas Walther am nächsten Morgen entgegen und lässt mir noch ein Survival-Package ins Auto legen.

Ein Stück Familie bleibt zurück, als ich den A5 auf den Parkplatz am Restaurant Morteratsch fahre. Die Geschichte wiederholt sich, denke ich mir, denn ich war schon einmal vor 35 Jahren hier und habe meine kleinen Wanderschuhe Richtung Boval Hütte geschnürt.

Der Blick auf das Bernina Massiv mit der Dreifaltigkeit des 3.900 Meter hohen Piz Palü und dem über 4.000 Meter hohen Piz Bernina, hat kein bisschen von seiner Dramatik und Einzigartigkeit verloren. Vielleicht hat der Morteratsch ein paar Meter an Masse und Ausdehnung eingebüßt, doch ich will es ihm und allen Klimakillern heute nachsehen. Der Wanderweg führt spektakulär entlang der Gletscher-Moräne und überwindet die 600 Höhenmeter fast im Fußumdrehen. Ständig ist man abgelenkt durch Panorama, Wasserfälle und Gletscherspalten, so dass ich überrascht bin, die Boval Hütte bereits nach 90 Minuten erreicht zu haben.

Hier oben pfeift ein ordentlicher Wind, der mich ein wenig neidisch auf die anderen Wanderer schauen lässt. Denn natürlich haben sie einen vollgepackten Rucksack mit flauschiger Allwetter-Jacke, während ich obligatorisch nur mein Smartphone in die Höhe treibe.

Beim andächtig, zähneklappernden Rundblick über Gipfel und Gletscher, mache ich eine Hütte auf der gegenüberliegenden Felswand aus. Das könnte doch ein schöner Abschluss dieses, jetzt schon, titanischen Tages werden.

Also nichts wie runter, um gefühlte 120 Minuten später auf dem Gipfel des knapp 3.000 Meter hohen Diavolezza zu stehen und auf mein vergangenes Ich auf der Boval Hütte zu starren.

Diesmal nehme ich jedoch die Bergbahn, welche die 900 Höhenmeter in lächerlichen 8 Minuten zurücklegt. Oben angekommen, nimmt mich diesmal nicht Frau Walther sondern eine asiatische Reisegruppe in Empfang. Unzählige Selfie-Sticks schieben sich über die Aussichtsterrasse und Gruppenfotos gleichen martialischen Erschießungskommandos. Ich lächele nachsichtig und begebe mich auf den kleinen Pfad, der zu einigen Klettersteigen in der Nähe führt.

Es ist diese gnadenlose Welt aus Eis und Schnee, die den Schweizer Alpen ihre Einzigartigkeit verleiht und den Besuch stets zu einem besonderen Erlebnis macht.

Noch mehr Schweiz gibt es übrigens in meinem Bericht zur Fahrt aufs Jungfraujoch.

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung des Hotels Walther.

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