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Nek, Arena di Verona

Die letzten Sonnenstrahlen fangen sich auf dem Mauerwerk der historischen Arena. Es ist Zeit für Brot und Spiele, doch die Stufen im weiten Rund der Veranstaltungsstätte sind verlassen. Das wird in 24 Stunden deutlich anders sein, denke ich mir und proste einem gewaltigen Sonnenuntergang entgegen. Noch befinde ich mich auf der Dachterrasse des 12. Stockwerks unserer Agentur und blicke direkt in das weite Rund der Arena von Valencia. Valencia? Verona? Hauptsache ich bin Morgen in Italien.

Dazwischen liegen 2 Flüge, Frankfurt und München sowie 432 Pistenkilometer bis tief hinein ins Amphitheater der wunderschönen Altstadt.

Ich erfülle mir so etwas wie einen Jugendtraum, denn der italienische Schmacht-Rocker Nek, hat schon in den 90ern meinen CD-Player gefüttert. Dann war er lange Zeit verschollen wie das römische Reich, nur um 2017 mit der Unici-Tour wiederaufzutauchen. Und nun füllt er also das weite Rund der Arena di Verona, mit seinen 22.000 erwartungshungrigen Besuchern, die zu 99 % aus Bella Italia kommen. Und eines vorab, es sollte eine legendäre „notte italiana“ werden. Doch bevor ich mir die Musik um die Ohren wehen lasse, brauche ich natürlich kulinarische Unterstützung. Es ist gar nicht mal so einfach, um 17.30 eine ordentliche Pizza in Verona aufzutreiben. Zum einen lenken die wunderbar schmalen Gassen der Altstadt, mit ihren vielen exklusiven Geschäften, Kirchen und Denkmälern vom eigentlichen Fokus ab.

Zum anderen haben die Osterias mit ihren Pasta- und Salatgerichten mittlerweile deutlich die Oberhand gewonnen. Mein eigentlicher Favorit, die Pizzeria San Mateo, die inmitten einer historischen Kirche residiert, hat noch geschlossen und ist mir aufgrund des wunderschönen Frühsommer-Wetters eindeutig zu düster. Dann doch lieber das Ristorante Boccondivino, welches in zweiter Reihe an der Etsch liegt, die heute recht lebhaft durch Verona fließt.

Und siehe da, die Vorbereitung könnte kaum besser sein: Caprese, Pizza Prosciutto e Funghi und Tiramisu. Und wenn schon Italo-Pop, dann bitte auch mit einem ordentlichen Schluck Lambrusco ablöschen. 8 Prozent Umdrehungen später, sitze ich entspannt auf den Steinstufen der 30 nach Christus erbauten Arena und sondiere das altersmäßig gemischte Publikum. Um 21.15 betritt dann Filippo Neviani mit seiner 5-köpfigen Band die Bühne und knallt uns gefühlte 30 Hits um die Ohren, nur um locker 30 weitere auszulassen. Der italienische Fan zeichnet sich übrigens durch extreme Textsicherheit und einen ausgeprägten Hang zur rhythmischen Bewegung aus. Nek selbst begeistert mit Stimmgewalt und Entertainmentfaktor und entlässt uns, mit der Zugabe aus „Unici“, „Se io non avessi te“ und der Konfetti-Arie „Fatti avanti amore“ nach über 2 Stunden, in die sternenklare Nacht.

Lauschige 22 Grad stimmen mich milde und verleiten mich zu einem ungeplanten Absacker an der Hotelbar. Mit einem „wir schließen in 20 Minuten“ grummelt mir der Barkeeper das bestellte Glas Weißwein auf den Tisch. Und ich denke mir: gleich legt er sicher noch den Rausschmeißer „I did it my way“ nach. Doch noch hat Andrea Bocelli den Laden mit seinen Opernarien fest im Griff. Ich werde doch wohl nicht etwa noch einen zweiten Drink schaff…und dann, wie aus heiterem Himmel, wechselt Andrea ins Englische, nur um was zu singen? Richtig. Zwar gebrochen und mit Akzent, doch es ist eindeutig Sinatras „My Way“. Zeit zum Schlafen, denn Morgen wartet schließlich keine geringere als Verona auf mich.

Dann starten wir mal mit den 5 ultimativen Tipps für Frischverliebte, denn schließlich haben sich in Verona Romeo und Julia gedatet. Und zwar ganz ohne Tinder!

Nummer 1 ist die Via Cappello, wo im Innenhof der Hausnummer 23 das berühmte Haus der Julia samt Balkon (früher übrigens ein Sarkophag) zu bewundern ist. Eigentlich ja recht schmucklos und unscheinbar, wären da nicht die Millionen von Graffitis aus Namen, Herzen und Liebesbekundungen. Angeblich soll ja alles eh ein Fake „Trumpschen“ Ausmaßes sein, da es früher gar keine Balkone gab und alles sowieso erfunden ist. Aber Liebe macht bekanntlich blind und so hat Shakespeares Kulisse einen würdigen Platz gefunden.

Nummer 2 ist die 1290 erbaute Basilica di Anastasia, wohl das bedeutendste gotische Bauwerk in Verona. Tolles Interieur und einzigartige Atmosphäre. Hätte ich zum Audio-Guide gegriffen, würden hier noch ein paar Zeilen stehen. Doch Zeit war immer schon mein Engpass-Faktor.

Nummer 3 ist die berühmte Piazza delle Erbe, ein belebter Marktplatz inmitten des historischen Zentrums, der vor historischen Monumenten und Bauten nur so strotzt. Darunter der Torre dei Lamberti und der Palazzo del Comune.

Nummer 4 ist die wohl schönste Aussicht auf die Ziegeldächer der Altstadt. Die gibt es kostenlos vom Castel San Pietro auf der anderen Etsch-Seite.

Und zum krönenden Schluss gibt es noch den ultimativen Ausflugstipp ins 47 Kilometer entfernte Spiazzi, wo mit dem Sanctuario Madonna della Corona ein spektakulärer Wallfahrtsort auf 773 Metern Höhe zu besichtigen ist. Das Auto lässt man einfach auf dem großen Parkplatz im Dorf stehen und geht die Stufen in etwa 20 Minuten hinunter zur Kirche, die direkt in den Felsen gebaut wurde.

Auf dem Rückweg fällt mir das kleine Weingut Tenuta La Presa auf. Das Gebäude aus dem 14. Jahrhundert wurde 2007 komplett restauriert und bietet nicht nur hervorragende Weine, sondern auch Unterkunft verteilt auf 14 individuell gestaltete Zimmer.

Mich verschlägt es für die Nacht jedoch ins Herz der Altstadt von Verona und zwar ins prachtvolle Hotel Accademia.

Es ist in einem der vielen wunderbaren Stadtpaläste untergebracht und versprüht diesen einzigartig, historischen Charme. Man fällt förmlich auf die Bummelmeile Via Giuseppe Mazzini und steht in 5 Gehminuten vor der kolossalen Arena. Besser und zentraler kann man in Verona kaum nächtigen.

Wer noch einen Abstecher zum Gardasee macht, dem empfehle ich das Grand Hotel Fasano.

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