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SXSW 2017, Austin

Wenn dich Mitten in der Nacht eine mexikanische Blaskapelle weckt, weißt du, dass dein Vorgänger im Hotelzimmer die Alarmuhr aktiviert hat. Wenn nach 10 Minuten ein Gitarrensolo nachlegt, dass keiner der vielen gedrückten Knöpfe richtig war. Ich ziehe den Stecker unsanft aus der Wandhalterung und versuche noch ein paar Stunden erfolglos zu schlafen. Es ist mal wieder Anfang März und die SXSW in Austin, Texas öffnet ihre Tore.

Diesmal spare ich mir Tag 1 und reise ganz entspannt mit der British Airways direkt in die texanische Hauptstadt. Nichts los am Flughafen Bergstrom International und auch nichts los am Taxistand. Das wird doch wohl nicht…doch! Auch an der Badge-Ausgabe, quasi der Suppenküche der Digitalmesse, finden sich nur ein paar wenige Nachzügler ein. Aufgrund derartiger Lässigkeit, gönne ich mir das passende Shirt zum St. Patrick´s Day und lege mit den außerordentlich guten Spare Ribs im Iron Works nach.

Alles wie gehabt, was leider auch auf das Habitat Suites Hotel, im nördlichen Stadtteil Highland zutrifft. Mutter Bates lässt grüßen und nimmt es, wie damals, von den Lebendigen.

Ein weiterer Vorteil des Habitat Suites ist die Lage. Mitten im Nirgendwo texanischer Bedeutungslosigkeit führt es einen direkt an die Original-Schauplätze der US-Serie „The Walking Dead“. Verlassene Parkplätze, seelenlose Industriebauten und mittendrin eine einsame Bushaltestelle.

Aber siehe da, der 10er kommt und 28 Haltestellen später, stehe ich bereits vor dem Four Seasons und damit ganz nah vor dem Gipfel des Mount Everest. Um den geht es nämlich bei meinem ersten Vortrag. Genauer gesagt um biometrisches Storytelling. Vorgetragen von Extrem-Bergsteiger Adrian Ballinger, der die letzten 9 Jahre am und auf dem Everest verbracht hat. Zusammen mit dem Abenteuer-Fotografen Cory Richards führt er uns mit Hilfe von Strava und Snapchat direkt auf den Gipfel. Strava ist ein Social Media Network für Athleten, welches Herzfrequenz- und GPS-Daten auf das jeweilige Profil und damit direkt in die Community postet. Somit konnte man den 2 1/2-monatigen Trip der Beiden auf Schritt und Schlag mitverfolgen. Was technisch gar nicht so einfach war, da die GPS-Daten, aufgrund des langsamen Aufstiegs, kaum zu ermitteln waren. So brauchte das Team für 1 Meile glatt 4,5 Stunden und für einen 6-sekündigen Snap satte 25 Minuten für den Upload. Während Ballinger kurz vor dem Gipfel aufgrund von Sauerstoffmangel abbrechen musste, schaffte es Richards bis ganz hinauf. Inspiriert von derlei Abenteuergeist, spute ich direkt zum National Geographic Showroom auf der 6th Street, um mir eine dieser verrückten VR-Brillen aufsetzen zu lassen.

Und so erlebe ich, wie ein virtueller Zug von einem Tunnel zum anderen fährt. Ja, unglaublich! Als Entschädigung für derlei Einfallslosigkeit, lasse ich mich auf einen Cloudy Bay einladen und futtere dem krass erstaunten Barkeeper seine Cocktail-Deko aus Gurken, Schokosplittern und Limetten weg. Der Blick, unbezahlbar.

Weiter geht’s im Hyatt und zwar mit Snapchat und den unvermeidlichen Influencern. Da sitzen nun also drei Profi-Storyteller samt Snaperin CyreneQ und hauen mal so richtig auf die Werbetrommel. Millenials interagieren auf Snapchat viel intensiver als auf Facebook und schauen jeden Tag aktiv nach Snaps ihrer Lieblingsmarken. Und das liegt natürlich am super authentischen Storytelling von Influencern. Ihre Tipps zum snapen: Kurz machen, Neues ausprobieren und aktiv auf Snapbacks reagieren. Donnerwetter!

Na dann lasse ich den Tag mal mit Beacons ausklingen und zwar ganz ohne Rührei. Dafür glänzt das Panel mit einem echten Police-Officer aus Austin, der uns deutlich macht, wie wichtig diese kleinen Bluetooth-Sender bei Notfällen sind. Denn mit dieser Technologie lassen sich verletzte Personen in Hochhäusern sogar stockwerkgenau ausfindig machen oder Streifenwagen nach Nähe zum Tatort einsetzen.

Normalerweise ist die Rummelmeile 6th Street meine Empfehlung für einen skurrilen Abendspaziergang. Doch der Dauerregen drosselt den SXSW-Spaßfaktor heute auf Normalmodus und so lasse ich mich auf die Gästeliste von Smart setzen und wippe zu den Klängen einer Elektronikband.

Fortsetzung folgt…

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