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B2RUN, Valencia

Das Spaniens drittgrößte Metropole immer eine Reise wert ist, habe ich bereits in einem der letzten Beiträge verewigt. Umso mehr freut es mich, für eine sportlich-berufliche Herausforderung zurückzukehren. Schließlich will man ja seinen Pflichten nachkommen. Im Oktober startet erstmals der B2Run in Valencia und wer das Happening in München kennt, der weiß, wie es sich anfühlt, wenn 30.000 Menschen wie eine wildgewordene Büffelherde durch eine Parkanlage rennen.

Aus Kollegen werden erbitterte Feinde und selbst hochmotiviert quatschende Schreibtischakrobaten spüren schnell, dass gemeinsame Happenings besser im Biergarten stattfinden sollten. Nun also Firmenlauf in Valencia. Das will gut vorbereitet werden.

Von daher will ich im Vorfeld die 6 Kilometer Laufstrecke genauestens unter die Lupe nehmen. Starten wir doch mit dem Ziel, dem altehrwürdigen Stadion Mestalla, indem der FC Valencia seine aktuell schlechteste Saison spielt.

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Ein neues Stadion wird seit Jahren gebaut, gestoppt, bisschen weitergebaut, gestoppt. Aktuell ist der Eröffnungstermin auf 2019 verschoben. Doch ich finde Mestalla hat Kultcharakter und erinnert durch die aufeinander geschraubten Tribünen ein wenig an das berühmte Bernabéu Stadion, auch wenn es nur 55.000 Zuschauer fasst. Und die kommen nach wie vor reichlich, wenn der Arbeiterclub Atlético aus der Hauptstadt Madrid kommt. Ich nehme auf der Haupttribüne Platz und genieße das Herumgekicke zwischen Unvermögen (FC Valencia) und subtiler Betonmischung (Atlético).

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Am Ende gewinnt der Favorit 2:0 und die „ewig Körner kauenden Zuschauer“ gehen betroffen nach Hause. So etwas wie Stadion-Gastro sucht man übrigens in Spanien vergebens, da die Zuschauer als überzeugte Selbstversorger erst wenige Minuten vor Spielbeginn ihre Plätze einnehmen.

Also keine Stadionwurst, sondern weiter entlang der Strecke durch den grünen Gürtel der Stadt nach Norden. Da sich die Kilometer etwas hinziehen, leihe ich mir für 10 €/Tag ein Fahrrad aus und drücke ein wenig auf die Tube. Allerdings hat mir der Verkäufer ein besseres Kinderrad aufgebockt und so sehe ich in etwa wie Elliot aus, der mit seinem E.T. (bei mir ist es die Strandtasche) zu den Sternen strampelt. Während ich im Dackelschwung an die Grenzen gehe, werde ich in aller Seelenruhe von Senioren auf Trekking-Bikes düpiert. Aber egal, alles Training für den großen Lauf.

Auf vielfacher Empfehlung meiner Freunde von Tripadvisor, mache ich eine Auszeit im berühmten Bioparc, der mir die Tier- und Pflanzenwelt Afrikas näherbringt.

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Und obwohl ich kein Zoo-Freund bin, muss ich gestehen, dass dieser Park wirklich fantastisch angelegt ist. Die Tiere haben mehr Raum als bei uns in Hellabrunn und die Affenbrotbäume aus Madagaskar sind wirklich eine Pracht. Also nochmals Kind sein und einfach staunen.

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Die Sonne drückt und der Oktober serviert mir mit knapp 30 Grad einen perfekten Spätsommertag. Von daher verschiebe ich mein nächstes Ziel, den Startschuss, auf den Abend und radele direkt zur Strandpromenade Passeig de Neptú. Kulinarischer Hotspot hier draußen ist das Traditionslokal La Pepica, das mit seiner hundertjährigen Tradition schon Größen von Hemingway bis Bono verköstigt hat. Es gibt natürlich Paella Valenciana, das Original mit Hühnchen und Kaninchen. Abgerundet durch eine üppige Marzipantorte und großzügig eingeschenkten Weißwein.

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In Spanien lässt es sich leben und auch baden, denn der weitläufige Hausstrand ist nicht nur extrem sauber, sondern das Meer um diese Jahreszeit auch noch angenehm warm temperiert. Ich lasse die Sonne an der Promenade untergehen und bereite mich auf den Abend vor.

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Zufälligerweise startet der B2Run an der Oper, dem Palau de les Arts. Und wer sich gut vorbereiten will, sollte sich die Location direkt auch mal von innen anschauen. Ich habe Tickets für das wunderbare Stück L´elisir d´amore von Gaetano Donizetti. Mit 1.400 Plätzen ist das Opernhaus von Valencia wohl das Größte in Europa, doch im Gegensatz zu den meist klassischen Spielstädten in München, Wien oder Mailand, haben wir es hier mit einem sehr modernen Architektur-Highlight zu tun. Schon von außen gefällt der „Stormtrooper-Helm“, der auch innen entsprechend einer First-Class Bestuhlung der Lufthansa fortgesetzt wird.

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Die Inszenierung könnte passender nicht sein. Nix Rokoko, sondern Beachbar samt Wasserrutsche und Schaumparty bestimmen das Bühnenbild und sorgen für jede Menge Spaß und Beifallsstürme. Ich habe selten so eine mitreißende Inszenierung gesehen und fühle mich deutlich gestärkt für die finale Schlacht von und um Valencia.

Endlich ist es Donnerstagabend, 18.30 und ich erreiche mit meinem Team nach 3 Kilometern Fußmarsch den Startpunkt hinter der Oper. Noch bin ich voll auf Sieg eingestellt, glaube die lächerlichen 500 unerfahrenen Spanier deutlich zu umrunden. Solange in etwa, bis der Mannschaftsbus des FC Valencia vorfährt und etwa 40 durchtrainierte Sportskanonen in quitsch-orangen Laufshirts aussteigen. Okay, die Mannschaftswertung ist Geschichte. Doch es gibt ja noch die Chef-Wertung. Wird sicher kein Vorgesetzter, der noch alle sieben Sinne beisammen hat, sich den wunderschönen Feierabend verderben wollen. Die Startlinie wird von einer Heerschar lebensfroher Köche okkupiert, deutlich zu erkennen an ihren selbstgebastelten Mützen. Ansonsten sehe ich ein sportlich reifes Publikum voll guter Laune und Vorfreude auf das Rennen. Das wird kein Zuckerschlecken. Dann endlich der Startschuss und für mich die Gelegenheit gleich am Start zu zeigen, wie der Deutsche links vorbei auf die Überholspur geht.

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Das Manöver kostet mich jedoch wertvolle Körner und bereits nach Kilometer 1 blinzele ich melancholisch einer Parkbank entgegen. Erste „Grauköpfe“ ziehen an mir vorbei und ich hake die Chef-Wertung kognitiv ab. Obwohl es bereits nach 19 Uhr ist, kleben die Temperaturen immer noch bei ca. 26 Grad und nehmen mir etwas die Luft. Als mir die ersten Läufer im Rundparkours entgegenkommen, purzeln die Kraftreserven nur so dahin. Ab Kilometer 5 verlassen wir den Park, kreuzen eine Straße, wo Polizisten widerwillig eine Kreuzung absperren und erreichen endlich das Estadio Mestalla. Ich gebe alles, nur um festzustellen, dass man auf dem grünen Grund noch eine ganze Runde laufen muss. Einen Gegner knacke ich noch weg und dann keuche ich mich bei knappen 30 Minuten über die Ziellinie. Mein Team sieht deutlich entspannter aus, als wir die prunkvollen Silbermedaillen entgegennehmen und in die Event-Arena schreiten. Was gibt es da in Spanien? Na Cervezza und lustige Perrücken, die dich in Windeseile in einen „Oranje-Edel-Fans“ verwandeln. Und die haben es nicht mal zur EM geschafft.

Hier findet ihr meinen ersten Bericht zu Valencia.

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