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München, Bayern

„Bleibt bloß daheim und meidet die Autobahnen Richtung Süden“ plärrt mir das Radio in die Ohren. Das große Stauwochenende steht an und angeblich gibt es keine Chance die Stadt im fahrenden Untersatz zu verlassen. Dabei sind es bereits 28 Grad im Schatten und die Sonne knallt auf der falschen Seite der Dachterrasse. Was also machen, wenn daheim auch keine Lösung ist?

Man macht bei der Bloggerparade mit und plant den perfekten Sommertag in München. Also stöpsel ich meine Kopfhörer ein und drehe mein Sommeralbum 2016 „Red Earth & Pouring Rain“ von „bear´s den“ so laut auf, das Apple mich ermahnen muss. Ich starte mit einem Espresso in der Bar Giornale, die sich unweit des Siegestors direkt an der Leopoldstraße befindet.

Siegestor_Muenchen_turnagain

Die abgelutschte WM-Meile, hat sich in den letzten Jahren etwas gemausert und bietet mit dieser italienischen Bar im 60er Jahre-Style endlich Qualität abseits der Sisha- & Junk-Food-Streams.

11.30 und ich stehe am sich langsam füllenden China Turm. Touristischer ist München kaum beizukommen, doch neben dem Augustiner Biergarten in der Arnulfstraße ist das meine Topadresse. Die „Musi“ spielt und Amerikaner, Italiener und hin und wieder auch Münchner schunkeln leicht im Takt. Zeit für ein erstes Halbes am Kiosk. Sieht seltsam aus, doch ich habe schließlich noch was vor. Der Kokserhügel Monopteros ist leider noch komplett von einem Bauzaun umstellt, doch am Eisbach liegt bereits das halbe Sommersemester und bräunt sich in der Sonne. Wo sind eigentlich die berühmten „Nackerten“, frage ich mich. Zu einer Randgruppe verkommen sieht man nur noch eine Handvoll alter Männer aufrecht Patrouille laufen. Die Zeiten werden ernst, was man von den Eisbach-Surfern überhaupt nicht sagen kann.

Eisbach_Surfer_Muenchen_turnagain

Einer meiner Hotspots ist ganz klar die Eisbachwelle, direkt an der Prinzregentenstraße. Wer nix kann, ist fehl am Platz oder sollte die Dunkelheit aufsuchen. Denn Publikum und Konkurrenz werfen kritische bis anerkennende Blicke auf das Dutzend Mutiger, die sich dem Lampenfieber hier aussetzen. In welcher Stadt kann man schon surfen? Sydney, San Diego oder Honolulu lasse ich mal nicht gelten. Weiter über den Hofgarten zum Praterstrand, wo es gute Burger in Beachclub-Atmosphäre gibt. Allerdings ist von der nahen Isar nix zu sehen, was leider typisch für diese Stadt ist. Fluss und coole Restaurants gehen in München einfach nicht zusammen. Wie beneide ich da Hamburg oder auch Wien. Wasser ist das eine, Luft und Höhe das andere.

China_Moon_roof_terrace_muenchen_turnagain

Wie sieht es denn mit Dachterrassen aus? 25hours Hotel, armselig, Vorhoelzer Forum, nicht mehr mein Jahrgang, Bayerischer Hof, schöner Blick, doch wenig Plätze. Endlich war es Zeit für die ultimative Rooftop-Bar, die wie ein Schiff über den roten Dächern der Münchner Altstadt schwebt.

Andre_Gebel_China_moon_roof_terrace_muenchen

Die China Moon Roof Terrace im Mandarin Oriental Hotel erfüllt tatsächlich alle Voraussetzungen einer coolen Himmelsbar mit 360-Grad Blick und Pool auf dem Dach. Gläschen Rosé für 16 €! 0,1 versteht sich. Dann doch lieber ein Corona für 8 €, Sicht inklusive, Publikum entsprechend. Leider fällt in diesem Jahr das australische Barbecue ersatzlos ins Wasser, also leider kein Bruzzler für 13 €. Warm ist mir noch immer und die unentwegten Touristenströme stopfen sich weiterhin durch Kaufinger und Sendlinger und lassen die Dauerbaustelle Marienplatz aus allen Nähten platzen.

Marienplatz_Muenchen_turnagain

Also ziehe ich den ultimativen München-Joker und erkläre den Starnberger See kurzerhand zum Stadtgebiet. In nur 20 Fahrminuten blicke ich bereits auf die ersten sanft schaukelnden Boote, Luise Kiesselbach sei Dank. Und genauso ein Teil schnappe ich mir für die nächste Stunde und cruise sanft an den Villen deutscher Fußballprofis vorbei.

Starnberger_See_turnagain

Für 40 € bekommt man bereits ein repräsentatives Elektroboot und kann im Wasserschildkrötentempo auf 300 Metern Ufer-Distanz über den Starnberger See fahren. Die 300 Meter sind natürlich ein schlechter Scherz, da man die Mitte des Sees quasi nie verlassen dürfte und leichtes Futter für die Touristenfähren nach Seeshaupt wäre. Am Abend lautet meine Empfehlung ganz klar H´ugo´s Beach Club Undosa, der so etwas wie Ibiza Feeling nach Bayern trägt.

Hugos_Starnberger_see_turnagain

Hier ist Münchens Schickeria in seiner ganzen Pracht zu bewundern. Es wird geliftet, getackert, gepusht und gebaggert. Schmierige Gigolos, im Arm mit strunzjungen Dingern. Übergewichtige „Möchtegern-Rapper“ samt nicht minder übergewichtigen Chicas in hautengen Leggins. Dazu braungebrannte Werber in weißen Hosen, weißen Hemden und weißen Lederslippern. Alle lümmeln sich auf coolen Sofas und Lounge-Inseln, knabbern Pizza und schlürfen H´ugo´s Prosecco. Die Preise nehmen im Vergleich zum Mandarin Oriental fast Discounter-Niveau an. Glas Wein 8 €, kann nix sein oder?

Die Sonne geht unter, eine leichte Brise weht über den See und ich bin im Reinen mit meiner Stadt. München ist nicht cool, nicht modern, nicht spektakulär, aber vielleicht gerade deshalb die schönste Stadt der Welt.

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